US-Blockade trifft Iran jetzt an Land: Tausende Lkw stranden, Waren verderben

US-Blockade trifft Iran jetzt an Land: Tausende Lkw stranden, Waren verderben


Teheran versucht, die blockierte Seeroute durch Hormus über Straßen, Schienen und das Kaspische Meer zu ersetzen. Doch Grenzstaus, Sanktionen und schwache Logistik machen die Ausweichrouten teuer und langsam.

US-Blockade trifft Iran jetzt an Land: Tausende Lkw stranden, Waren verderben
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Irans Versuch, die amerikanische Seeblockade gegen seine Schifffahrt in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen über Land zu umgehen, stößt zunehmend an physische Grenzen. Tausende iranische Lastwagen warten an den Grenzen zur Türkei, Pakistan, Afghanistan und Turkmenistan. Lebensmittel verderben in der Hitze, Industrieprodukte kommen nicht ins Land und Exportwaren erreichen ihre Abnehmer nicht. Gleichzeitig steigen die Transportkosten weiter.

Nach Recherchen des „Wall Street Journal“ ist damit genau jene Schwachstelle sichtbar geworden, die Teheran bislang unterschätzt hatte: Straßen, Bahnlinien und kleinere Handelsrouten können einen Teil des iranischen Außenhandels aufnehmen. Sie können jedoch die enorme Kapazität der Häfen am Persischen Golf nicht annähernd ersetzen.

N12 berichtet unter Berufung auf dieselbe Recherche von 3.700 Lastwagen allein auf der iranischen Seite der Grenze zur Türkei. Die Wartezeiten sollen dort teilweise 20 Tage erreichen. Am wichtigsten Übergang nach Pakistan stauen sich demnach regelmäßig etwa 700 Lkw, während nur rund 40 Fahrzeuge pro Tag abgefertigt werden. Fahrer berichten von tagelangen Wartezeiten bei Temperaturen von bis zu 50 Grad, teilweise ohne ausreichenden Zugang zu Wasser, Nahrung oder sanitären Einrichtungen.

Das Problem betrifft längst nicht nur einige verspätete Lieferungen. Gasflaschen, Zement und Eisen stecken an den Grenzübergängen fest. Gleichzeitig verderben Lebensmittel, bevor sie ihren Bestimmungsort erreichen. Die wirtschaftlichen Folgen treffen damit zunehmend auch die iranische Bevölkerung.

Nach Angaben des „Wall Street Journal“ erreichte die Lebensmittelpreisinflation im August rund 128 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Euronews hatte bereits Ende August von einer allgemeinen offiziellen Inflationsrate von annähernd 70 Prozent und einer Lebensmittelpreisinflation von 128 Prozent berichtet. Gleichzeitig sei der iranische Nicht-Öl-Handel gegenüber dem Vorkriegsniveau deutlich eingebrochen.

Hormus sollte Irans Druckmittel sein – nun fehlt Teheran selbst die Handelsroute

Die Entwicklung besitzt eine besondere politische Ironie, ohne dass daraus die Belastung der iranischen Bevölkerung kleingeredet werden darf.

Teheran hatte die Straße von Hormus selbst als strategisches Druckmittel eingesetzt. Die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen drohten mit Beschränkungen des Schiffsverkehrs und versuchten, aus ihrer geografischen Lage politischen Einfluss gegenüber Washington und den Golfstaaten zu gewinnen. Die amerikanische Reaktion zielte darauf, diesen Hebel umzudrehen: Nicht der gesamte internationale Verkehr wird blockiert, sondern insbesondere Irans eigene Export- und Importmöglichkeiten werden durch militärische Kontrolle und Sanktionen eingeschränkt.

haOlam hatte bereits im August darüber berichtet, dass diese Strategie Irans Ölexporte zunehmend trifft. Damals sammelten sich beladene Tanker vor iranischen Häfen, während Schiffe Schwierigkeiten hatten, die wichtigsten Exportterminals zu erreichen oder zu verlassen. Später verschärfte Washington den wirtschaftlichen Druck weiter.

Was bisher vor allem an Tankern und Ölexporten sichtbar war, erreicht nun immer stärker den gewöhnlichen Warenverkehr.

Auch ein Ausweichen nach Westen wird schwieriger. Der Irak schloss nach den Drohnenangriffen auf die saudische Ost-West-Pipeline mehrere Übergänge zu Iran zeitweise. Reuters bestätigte zunächst die Schließung des Grenzübergangs Shalamcheh. Die irakischen Behörden reagierten damit auf Erkenntnisse, wonach Drohnen für die Angriffe auf Saudi-Arabien aus irakischem Gebiet gestartet worden waren.

Damit verliert Iran nicht nur maritime Kapazitäten. Auch eine wichtige Landverbindung wird politisch unsicherer.

Teheran versucht deshalb, seine Handelswege gleichzeitig in mehrere Richtungen auszubauen.

Die Güterbahn zwischen Teheran und Xi'an in China fährt nach iranischen Angaben inzwischen alle drei bis vier Tage statt nur einmal pro Woche. Über diese Verbindung importiert Iran unter anderem Industriemaschinen, Elektronik und Ersatzteile für Fahrzeuge. Gleichzeitig soll das Frachtvolumen über das Kaspische Meer innerhalb von fünf Monaten um rund 70 Prozent gestiegen sein. Russland liefert auf diesem Weg unter anderem Weizen, Mais und Speiseöl. Die Angaben zum Wachstum stammen allerdings von iranischen Stellen und lassen sich nicht für sämtliche Warenströme unabhängig überprüfen.

Diese Ausweichwege helfen, sie lösen das Grundproblem jedoch nicht.

Seefracht transportiert enorme Mengen vergleichsweise günstig. Wird dieselbe Ware über Tausende Kilometer mit Lastwagen oder Zügen bewegt, steigen Kosten und organisatorischer Aufwand massiv. Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass sich Transportkosten in einzelnen Fällen bereits verdreifacht haben. Container, die für Iran bestimmt sind, sollen gleichzeitig in Häfen Pakistans, der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens festsitzen.

Washington zieht die wirtschaftliche Schlinge enger

Parallel erschwert die US-Regierung weitere Alternativen.

Das amerikanische Finanzministerium verschärfte in den vergangenen Wochen erneut seine Sanktionen gegen iranische Finanz- und Transportnetzwerke. Unter der „Operation Economic Outcast“ sollen insbesondere Strukturen getroffen werden, über die Teheran Sanktionen umgeht und die Revolutionsgarden sowie deren verbündete Organisationen finanziert werden. Am 14. September setzte Washington unter anderem die russische VTB Bank wegen ihrer Rolle bei iranischen Sanktionsumgehungen auf die Sanktionsliste.

Auch Mahan Air steht erneut im Mittelpunkt. Das US-Finanzministerium bezeichnet die iranische Fluggesellschaft als wichtigen logistischen Kanal der Revolutionsgarden für Personal, Waffen und Drohnentechnik. Anfang September belegte Washington weitere Unternehmen mit Sanktionen, die Mahan Air bei Flugzeugen, Fracht und internationalen Dienstleistungen unterstützt haben sollen.

Nach N12 setzte Mahan Air inzwischen Verbindungen nach Oman und in die Türkei aus. Damit wird auch der Lufttransport als Ausweichmöglichkeit schwieriger.

Für die iranische Führung entsteht dadurch ein immer unangenehmeres logistisches Problem: Jede einzelne Alternative funktioniert grundsätzlich, aber keine davon besitzt die Kapazität, Geschwindigkeit und Kostenstruktur der früheren Seeverbindungen.

China kann Güter per Bahn liefern. Russland kann Lebensmittel über das Kaspische Meer schicken. Lastwagen können die Türkei, Pakistan oder Afghanistan erreichen. Doch wenn an einem Grenzübergang 700 Lastwagen warten und nur 40 pro Tag abgefertigt werden, ist das kein Ersatz für Containerterminals, an denen Frachtschiffe Tausende Behälter auf einmal bewegen.

Zudem können neue Sanktionen, Grenzschließungen oder militärische Eskalationen jede dieser Routen kurzfristig erneut beeinträchtigen.

Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts treffen dabei keineswegs nur das Regime. Sie treffen auch gewöhnliche Iraner, die höhere Lebensmittelpreise bezahlen, deren Arbeitsplätze verschwinden oder deren Unternehmen keine Ersatzteile und Rohstoffe bekommen. Reuters berichtet inzwischen sogar von afghanischen Migranten, die Iran wegen der zusammenbrechenden Wirtschaft verlassen, obwohl sie in Afghanistan unter der Taliban-Herrschaft deutlich weniger persönliche Freiheiten erwartet.

Für Teheran liegt darin die strategische Sackgasse.

Die iranische Führung wollte ihre geografische Kontrolle über Hormus nutzen, um den Westen und die Golfstaaten wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Doch mit zunehmender amerikanischer Kontrolle über die Schifffahrt wird die Meerenge auch für Iran selbst zum Problem.

haOlam schrieb bereits im August, dass diese Waffe in beide Richtungen schneiden könne. Einen Monat später zeigt sich das nicht mehr nur an ausbleibenden Öltankern.

Es zeigt sich an Tausenden Lastwagen, die an Irans Grenzen stehen.

An Lebensmitteln, die verderben.

Und an einem Regime, das immer neue Wege sucht, eine Handelsroute zu ersetzen, für die es keinen gleichwertigen Ersatz gibt.




Autor: Redaktion
Freitag, 18 September 2026

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