Nach der Seeblockade: Washington kappt Iran immer mehr Flugrouten

Nach der Seeblockade: Washington kappt Iran immer mehr Flugrouten


Erst wurden Irans Seewege massiv eingeschränkt, jetzt geraten auch die internationalen Flugverbindungen unter Druck. Mehrere Nachbarstaaten stoppen bereits iranische Airlines. Washington droht jedem Dienstleister, der weiterhilft, mit dem Ausschluss vom Dollar-System.

Nach der Seeblockade: Washington kappt Iran immer mehr Flugrouten
Bildnachweis: SDASM Archives / Quelle

Die amerikanische Kampagne zur wirtschaftlichen Isolation Irans erreicht eine neue Stufe. Seit Mittwoch, dem 23. September, verschärft Washington den Druck auf Flughäfen, Treibstofflieferanten, Bodenabfertiger und Ticketanbieter, die weiterhin iranische Fluggesellschaften bedienen. US-Finanzminister Scott Bessent formulierte die Konsequenz ungewöhnlich deutlich: Wer iranische Airlines betankt, abfertigt oder ihnen beim Ticketverkauf hilft, riskiert den Zugang zum amerikanischen Finanzsystem.

Damit trifft Washington Iran an einer Stelle, die für das Regime ebenso wirtschaftlich wie strategisch wichtig ist. Bereits am 8. September setzte das US-Finanzministerium 27 bislang noch nicht entsprechend erfasste iranische Fluggesellschaften auf die Sanktionsliste. Insgesamt richtete sich das damalige Paket gegen 36 Unternehmen und andere Akteure aus dem Luftfahrtsektor. Nach Darstellung des Finanzministeriums nutzt Teheran zivile Luftfahrtstrukturen seit Jahren auch zum Transport von Waffen, Personal und anderer militärisch relevanter Fracht.

Besonders im Mittelpunkt steht Mahan Air. Die Gesellschaft ist bereits seit 2011 in den USA sanktioniert. Das Finanzministerium bezeichnet sie als wichtigen logistischen Kanal der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen und der Quds-Brigaden. Nach amerikanischen Angaben wurden über das Netzwerk unter anderem Personal, Waffen und Komponenten für Drohnenprogramme transportiert.

Immer mehr Routen brechen weg

Die Wirkung der neuen amerikanischen Drohung ist inzwischen sichtbar.

Mahan Air stellte ihre Verbindungen nach Istanbul und Ankara zum 21. September ein. Bereits zuvor waren die Flüge zwischen Teheran und Maskat ausgesetzt worden. Die Fluggesellschaft erklärte selbst, die Entscheidungen seien auf Anweisungen der zuständigen Behörden in der Türkei beziehungsweise OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen zurückzuführen.

Auch Georgien beschränkte die Tätigkeit der von den USA sanktionierten iranischen Fluggesellschaften. Die letzten entsprechenden Flüge fanden dort am 20. September statt. Einen Tag später traten die Beschränkungen in Kraft.

Aserbaidschan ging noch weiter. Azerbaijan Airlines teilte mit, dass Flüge iranischer Fluggesellschaften in das Land seit dem 22. September ausgesetzt werden. Als Grund wurde ausdrücklich das neue amerikanische Sanktionspaket gegen den iranischen Luftfahrtsektor genannt.

Bei Irak und Oman ist die Lage komplizierter. Die iranische Zivilluftfahrtbehörde bestätigte die Streichung von Verbindungen von Teheran nach Bagdad und Maskat. Gleichzeitig liefen Gespräche darüber, Bagdad-Flüge möglicherweise nach Nadschaf umzuleiten. Andere internationale Verbindungen sollten zunächst weiter stattfinden.

Gerade deshalb wäre es falsch, bereits von einer vollständigen Schließung des iranischen Luftraums zu sprechen. Noch bestehen Verbindungen, und Staaten wie China und Russland haben sich der amerikanischen Linie bislang nicht vollständig angeschlossen. Auch für Dubai waren weiterhin iranische Flüge vorgesehen.

Doch Washington muss den iranischen Luftraum gar nicht formell schließen.

Ein internationales Verkehrsflugzeug braucht Treibstoff, Abfertigung, Ersatzteile, Zahlungsverkehr, Versicherungen, Buchungssysteme und Flughafendienstleistungen. Fallen genügend dieser Bausteine weg, bleibt der Flieger am Ende auch ohne Flugverbot am Boden.

Nach See und Land gerät nun die Luft unter Druck

Für Teheran kommt diese Entwicklung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die amerikanische Seeblockade hat den iranischen Waren- und Energieverkehr bereits erheblich getroffen. Ein Teil des Handels wurde deshalb auf Landwege verlagert, wo sich inzwischen ebenfalls Engpässe gebildet haben. Reuters berichtete zuletzt von massivem wirtschaftlichem Druck auf Iran; auch die iranische Führung versucht inzwischen, eine Lockerung der Blockade zum Bestandteil möglicher Verhandlungen mit Washington zu machen.

Die Luftfahrt war eine der verbliebenen Möglichkeiten, wenigstens vergleichsweise schnell Menschen und bestimmte Waren über die Grenzen zu bringen. Ihre Einschränkung trifft deshalb nicht nur das Regime. Für die iranische Bevölkerung erschweren weniger internationale Flüge Reisen, medizinische Versorgung über das Ausland und den Transport bestimmter Güter zusätzlich.

Gleichzeitig ist die zivile iranische Luftfahrt eben nicht ausschließlich zivile Infrastruktur. Gerade Mahan Air zeigt seit Jahren, wie eng zivile Transportnetze und die außenpolitischen Strukturen der Islamischen Republik miteinander verflochten sein können. Washington versucht deshalb, nicht lediglich einzelne Flugzeuge zu sanktionieren, sondern das internationale Netz abzuschneiden, das deren Betrieb überhaupt ermöglicht.

Das ist der entscheidende Unterschied zur früheren Sanktionspolitik.

Die USA verlangen inzwischen nicht mehr nur, dass amerikanische Unternehmen keine Geschäfte mit bestimmten iranischen Fluggesellschaften machen. Sie stellen ausländische Unternehmen faktisch vor eine Wahl: Geschäfte mit sanktionierten iranischen Airlines oder Zugang zum Dollar-System.

Wie weit dieser Druck reicht, entscheidet sich vor allem an den großen Ausnahmen. China lehnt die amerikanischen Sanktionen ab, Russland hält Verbindungen nach Iran aufrecht, und auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind nicht sämtliche iranischen Flugverbindungen verschwunden.

Dennoch wird Irans Bewegungsraum kleiner. Erst wurden die Seewege eingeschränkt. Danach gerieten Banken, Zahlungswege und Landtransporte stärker unter Druck. Nun trifft Washington die Luftfahrt.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen besitzt diese Entwicklung ebenfalls sicherheitspolitische Bedeutung. Je schwieriger es für die Revolutionsgarden wird, Geld, Personal, Waffen und militärisch nutzbare Güter über internationale Transportnetze zu bewegen, desto höher werden die Kosten für Teherans Unterstützung bewaffneter Verbündeter und Terrororganisationen in der Region. Dass zivile Passagiere gleichzeitig die Folgen dieser Isolation zu spüren bekommen, gehört allerdings ebenfalls zur Realität der amerikanischen Strategie.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 23 September 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage