Israel tötete Tangsiri auch aus Angst vor seinem Aufstieg an die Spitze der RevolutionsgardenIsrael tötete Tangsiri auch aus Angst vor seinem Aufstieg an die Spitze der Revolutionsgarden
Neue israelische Informationen zeigen, dass Alireza Tangsiri nicht nur wegen seiner Rolle in Hormus zum Ziel wurde. In Jerusalem galt der Marinechef als besonders kreativer und gefährlicher Kommandeur, der eines Tages die gesamten Revolutionsgarden hätte führen können.

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Als IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen am 26. März Alireza Tangsiri in Bandar Abbas tötete, lag die unmittelbar sichtbare Begründung auf der Hand. Der Kommandeur der Marine der Islamischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen führte damals die iranischen Operationen in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen, koordinierte den Druck auf die internationale Schifffahrt und gehörte zu den wichtigsten Figuren hinter Teherans Versuch, die bedeutendste Energieroute des Persischen Golfs als Waffe gegen die USA und deren Partner einzusetzen. Gemeinsam mit Tangsiri wurde auch Behnam Rezaei, der Chef des Marinegeheimdienstes der Revolutionsgarden, getötet. Die IDF sprach anschließend von einem schweren Schlag gegen die iranische maritime Führungsstruktur. Neue Informationen aus israelischen Sicherheitskreisen zeigen nun jedoch, dass die Entscheidung erheblich weiter reichte: Tangsiri sollte offenbar auch deshalb ausgeschaltet werden, weil israelische Entscheidungsträger ihn als möglichen zukünftigen Oberkommandierenden der gesamten Revolutionsgarden fürchteten.Jerusalem Post
Nach Informationen der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post galt Tangsiri in Teilen der israelischen Führung als ungewöhnlich einfallsreicher, anpassungsfähiger und operativ starker Kommandeur. Genau darin unterschied sich die Einschätzung von jener des heutigen IRGC-Chefs Ahmad Vahidi. Vahidi besitzt eine jahrzehntelange Karriere im iranischen Machtapparat, führte früher die Quds-EinheitQuds-Einheit: Irans geheime Kommandozentrale gegen IsraelDie Quds-Einheit ist die für Auslandseinsätze zuständige Eliteeinheit der Islamischen Revolutionsgarden des Iran. Sie unterstützt Terrororganisationen und Milizen in der Region, darunter Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und schiitische Milizen.Mehr lesen, war Verteidigungs- und Innenminister und gehört wegen seiner mutmaßlichen Rolle beim Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires weiterhin zu den international belasteten Spitzenfunktionären Teherans. Dennoch bewerteten israelische Stellen Tangsiri nach dem aktuellen Bericht als den potenziell gefährlicheren militärischen Gegner. Vahidi werde eher als langjähriger Funktionär des bestehenden Systems gesehen, Tangsiri dagegen als Mann, der Fähigkeiten aufbaute, neue Methoden entwickelte und operative Möglichkeiten konsequent ausnutzte. Diese Bewertung stammt aus israelischen Quellen und lässt sich naturgemäß nicht unabhängig überprüfen. Dass Vahidi später tatsächlich zum Oberkommandierenden der Revolutionsgarden aufstieg, während Ali Ozmaei Tangsiris Marineposten übernahm, bestätigt jedoch, dass die iranische Führung nach den schweren Verlusten ihre militärische Spitze umfassend neu ordnen musste.Tasnim News
Der Anruf aus Washington beschleunigte einen bereits gewünschten Schlag
Zu dem israelischen Interesse kam amerikanischer Druck. Nach bereits zuvor bekannt gewordenen Informationen soll CENTCOM-Kommandeur Admiral Brad Cooper um den 19. März heimlich mit IDF-Generalstabschef Eyal Zamir gesprochen und um die Ausschaltung Tangsiris gebeten haben. Hintergrund waren die wachsenden Sorgen über Hormus und die Möglichkeit, dass Iran die Wasserstraße mit Minen, Raketen, Drohnen und kleinen Marineeinheiten langfristig noch schwerer kontrollierbar machen könnte. Zamir stimmte zu. Eine Woche später wurde Tangsiri in Bandar Abbas getötet. Nach der jetzt veröffentlichten Darstellung war der amerikanische Wunsch allerdings nicht der alleinige Grund für die Operation. Israel hatte Tangsiri bereits selbst als strategisches Ziel eingestuft. Der Anruf aus Washington beschleunigte damit offenbar einen Schlag, der auf israelischer Seite ohnehin Unterstützer hatte.Jerusalem Post
Gerade beim Thema Seeminen zeigt sich zugleich, wie vorsichtig die neuen Details bewertet werden müssen. Amerikanische Dienste verfügten dem Bericht zufolge über Hinweise auf iranische Diskussionen über einen möglichen umfassenderen Mineneinsatz, waren sich aber nicht sicher, ob daraus bereits konkrete Befehle geworden waren. Auch israelische und amerikanische Stellen unterscheiden zwischen Planungen, Fähigkeiten und einer tatsächlich erteilten Operationsorder. Tangsiri wurde somit nicht deshalb getötet, weil ein unmittelbar bevorstehender einzelner Minenangriff zweifelsfrei festgestanden hätte. Die Operation war zumindest teilweise präventiv: Ein Kommandeur, der bereits über erhebliche maritime Fähigkeiten verfügte, sollte keine Gelegenheit bekommen, daraus ein noch größeres strategisches Problem zu machen.
Das erklärt zugleich, weshalb Tangsiri für Israel gefährlicher war als seine Dienststellung vermuten ließ. Seit 2018 hatte er die Marine der Revolutionsgarden geführt und deren asymmetrische Kriegsführung weiterentwickelt. Anders als eine klassische Marine setzt die IRGC-Flotte auf kleine schnelle Boote, Drohnen, Raketen, Minen, Küstenstellungen und Schwarmangriffe. Gerade in der engen Straße von Hormus können solche vergleichsweise billigen Systeme selbst einer technologisch weit überlegenen Flotte erhebliche Probleme bereiten. Tangsiri verstand früh, dass Iran die USA nicht auf hoher See besiegen musste. Es genügte, den Preis für freie Schifffahrt so hoch zu treiben, dass Versicherungen, Energiepreise und politische Risiken weltweit stiegen. Auch die USA hatten ihn bereits 2019 wegen seiner Tätigkeit für die Revolutionsgarden unter Terrorismus-Sanktionen gestellt, 2023 kamen weitere Sanktionen im Zusammenhang mit dem iranischen Drohnenprogramm hinzu.Auslandsvermögensverwaltung
Israel zielte nicht nur auf Waffen, sondern auf die nächste Führungsgeneration
Die neuen Informationen geben damit einen tieferen Einblick in Israels Strategie während des Iran-Krieges. Jerusalem griff nicht ausschließlich jene Kommandeure an, die in diesem Moment Raketen, Drohnen oder Marineoperationen steuerten. Israel versuchte zugleich, die personelle Zukunft des iranischen Militärsystems zu verändern. Ein Kommandeur konnte zum Ziel werden, weil seine Fähigkeiten ihn Jahre später an die Spitze einer Organisation hätten bringen können, die Raketenstreitkräfte, Quds-Einheit, Marine, Bodentruppen, Geheimdienste und große Teile des iranischen Terrornetzwerks kontrolliert.
Das ist ein weitreichender Ansatz. Er setzt voraus, nicht nur die aktuelle Befehlskette zu analysieren, sondern auch mögliche Nachfolger, interne Machtverhältnisse und die persönliche Qualität einzelner Kommandeure. Im Fall Tangsiri kam offenbar alles zusammen: Er kontrollierte bereits einen neuralgischen Schauplatz, hatte die maritime Strategie der Revolutionsgarden über Jahre mitentwickelt und galt nach israelischer Einschätzung zugleich als Kandidat für wesentlich größere Aufgaben.
Wie stark Israel damit die Zukunft der Revolutionsgarden tatsächlich verändert hat, lässt sich erst im Rückblick beurteilen. Iran hat seine ausgefallenen Kommandeure ersetzt. Ahmad Vahidi führt inzwischen die Revolutionsgarden, Ali Ozmaei die IRGC-Marine. Die Organisation selbst ist nicht verschwunden und bleibt eines der mächtigsten Zentren des Regimes. haOlam hat in den vergangenen Monaten mehrfach beschrieben, wie sehr Vahidi inzwischen selbst außenpolitische und militärische Entscheidungen prägt und wie weit die Macht der Revolutionsgarden in den iranischen Staat hineinreicht.
Doch die neuen Informationen zeigen, dass Jerusalem bei Tangsiri offenbar genau diese Entwicklung verhindern wollte.
Israel tötete nicht nur den Mann, der Hormus bedrohte.
Es tötete einen Mann, von dem seine Sicherheitsführung befürchtete, dass er eines Tages wesentlich mehr als Hormus kontrollieren könnte.
Autor: Redaktion
Freitag, 09 Oktober 2026