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Acht Monate Angriffe, doch Iran baut weiter Raketen: Teherans Arsenal ist schwer getroffen, aber nicht gebrochen

Acht Monate Angriffe, doch Iran baut weiter Raketen: Teherans Arsenal ist schwer getroffen, aber nicht gebrochen


Westliche Geheimdienste sehen Iran weiterhin in der Lage, ballistische Raketen und Drohnen nachzuproduzieren. Besonders brisant: Auch Russland soll Teheran mit Raketen versorgen.

Acht Monate Angriffe, doch Iran baut weiter Raketen: Teherans Arsenal ist schwer getroffen, aber nicht gebrochen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Acht Monate amerikanischer und israelischer Luftangriffe haben Irans militärische Infrastruktur schwer getroffen, Produktionsstätten zerstört, Abschussanlagen vernichtet und Teile der iranischen Rüstungsindustrie jahrelang zurückgeworfen. Doch die Vorstellung, Teherans Raketenarsenal sei damit erledigt, erweist sich offenbar als gefährlich voreilig.

Nach aktuellen westlichen Geheimdiensteinschätzungen hat Iran Teile seiner Produktionskapazitäten für ballistische Raketen und Drohnen erhalten oder wiederhergestellt. Das Regime könne deshalb trotz der massiven Angriffe weiterhin neue Waffen herstellen und seine dezimierten Bestände wieder auffüllen. Ein westlicher Vertreter erklärte gegenüber Bloomberg, Iran verfüge noch immer über erhebliche Mengen ballistischer Raketen sowie bestimmte Anti-Schiffs-Waffen und könne zusätzliche Munition vergleichsweise schnell produzieren.

Noch brisanter ist eine zweite Einschätzung: Russland soll Iran inzwischen auch mit Raketen versorgen. Moskau bestätigte das nicht, das russische Verteidigungsministerium reagierte auf entsprechende Anfragen nicht. Bereits im Juni hatten westliche Geheimdienste Hinweise darauf gesehen, dass Iran bei der Wiederauffüllung seines Arsenals wahrscheinlich auf neu produzierte russische Waffen zurückgreifen konnte. Damit könnte sich eine Entwicklung fortsetzen, über die haOlam bereits mehrfach berichtet hat: Aus der früheren iranischen Unterstützung für Russlands Krieg gegen die Ukraine entwickelt sich zunehmend eine militärische Rücklieferung Moskaus an Teheran.

Das bedeutet nicht, dass die amerikanisch-israelischen Angriffe wirkungslos geblieben wären. Im Gegenteil.

IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen griff bereits im März die beiden wichtigsten iranischen Produktionszentren für ballistische Raketen in Parchin und Shahrud an. Nach Angaben der IDF wurden dort unter anderem Anlagen zur Herstellung von Raketentreibstoffen, Komponenten für Raketenmotoren, Sprengstoffen und anderen entscheidenden Bauteilen getroffen. Später folgten weitere Angriffe gegen Produktionsstätten, Forschungszentren und Einrichtungen der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen.

Das Ziel war ausdrücklich nicht nur, vorhandene Raketen zu zerstören. Israel wollte verhindern, dass Iran nach einem Krieg einfach neue produziert.

Genau an diesem Punkt zeigt sich nun das Problem.

Iran wurde schwer getroffen, aber Teheran baut wieder auf

Schon im September berichteten amerikanische und nahöstliche Quellen, Iran habe die Produktion ballistischer Raketen in begrenztem Umfang wieder aufgenommen. Verwendet würden vorhandene Komponenten, teilweise in unterirdischen Anlagen. Die Produktionsmenge liege zwar deutlich unter dem Niveau vor dem Krieg, doch die Fertigung habe nicht vollständig aufgehört.

Die aktuelle Geheimdiensteinschätzung geht darüber hinaus. Demnach hat Teheran nicht nur einzelne Bauteile zusammengesetzt, sondern wesentliche Teile seiner Raketen- und Drohnenproduktion vor der Zerstörung bewahren können oder inzwischen wieder funktionsfähig gemacht.

Das ist angesichts der Intensität der Angriffe bemerkenswert.

Nach israelischen Angaben verfügte Iran vor Beginn des Krieges am 28. Februar über rund 2.500 ballistische Raketen. Wie viele davon heute noch vorhanden sind, lässt sich nicht zuverlässig bestimmen. Westliche Einschätzungen gingen im Juni davon aus, dass Iran zu diesem Zeitpunkt noch ungefähr drei Viertel seiner Vorkriegsbestände an verschiedenen Flugkörpern besaß.

Seit Beginn des Krieges hat Teheran enorme Mengen verschossen. Eine Bloomberg-Auswertung öffentlicher Daten kommt auf mehr als 2.000 ballistische Raketen und über 4.000 Shahed-Angriffsdrohnen beziehungsweise entsprechende unbemannte Flugkörper, die seit dem 28. Februar eingesetzt worden seien. Solche Zahlen sind zwangsläufig mit Unsicherheiten verbunden, zeigen aber die industrielle Dimension des iranischen Arsenals.

Israel hatte genau deshalb nicht nur Abschussrampen und Lagerstätten angegriffen, sondern die gesamte Produktionskette ins Visier genommen. Parchin und Shahrud gehörten dabei zu den wichtigsten Zielen. Die IDF erklärte im März, ein erheblicher Teil der gegen Israel und andere Staaten eingesetzten iranischen Raketen sei in diesen Komplexen hergestellt worden.

Schon damals meldete die israelische Aufklärung jedoch Wiederaufbauarbeiten.

Iran versuchte, beschädigte Infrastruktur zu reparieren, Produktionslinien wiederherzustellen und wichtige Fähigkeiten unterirdisch oder besser geschützt weiterzuführen.

haOlam berichtete im September auch über den Wiederaufbau sensibler Anlagen in Parchin. Neue Schutzmaßnahmen, Betonarbeiten und verstärkte Strukturen zeigten dort, dass Teheran seine militärische Infrastruktur nicht einfach aufgegeben hat.

Das Muster ist inzwischen klar: Israel und die USA zerstören. Iran räumt auf, verlagert, repariert und baut erneut.

Die amerikanische Angriffspause verschafft Teheran Zeit

Die neue Einschätzung ist auch deshalb wichtig, weil Washington momentan bewusst eine Pause einlegt.

US-Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag, die Vereinigten Staaten würden Iran vor den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November nicht erneut angreifen. Gleichzeitig spricht Washington von produktiven Gesprächen über ein mögliches Ende des Krieges. Eine Einigung ist jedoch bislang nicht in Sicht. Iran lehnt zentrale amerikanische Forderungen zum Atomprogramm weiterhin ab.

Jede längere Pause verschafft Teheran jedoch etwas, das nach den massiven Angriffen besonders wertvoll ist: Zeit.

Zeit, zerstörte Zugänge freizuräumen.

Zeit, Maschinen zu verlagern.

Zeit, vorhandene Komponenten zu neuen Raketen zusammenzubauen.

Zeit, Produktionsanlagen tiefer unter die Erde zu verlegen.

Und möglicherweise Zeit, zusätzliche Waffen aus Russland zu erhalten.

Das erklärt auch, warum die Frage nach der tatsächlichen iranischen Restfähigkeit für Israel wesentlich wichtiger ist als politische Erfolgsmeldungen aus Washington.

Die Trump-Regierung hatte wiederholt erklärt, Irans militärische Fähigkeiten weitgehend zerstört zu haben. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte noch Ende September, die iranische militärisch-industrielle Kapazität und die Verteidigungsbasis seien vernichtet worden.

Die neuen westlichen Einschätzungen zeichnen ein komplizierteres Bild.

Irans Militärindustrie ist schwer beschädigt. Die Produktionsleistung liegt zumindest in Teilen deutlich unter dem früheren Niveau. Zahlreiche Fabriken, Lager, Forschungsanlagen und Abschussstellungen wurden zerstört. Das Regime besitzt heute nicht dieselben Fähigkeiten wie vor Beginn des Krieges.

Aber zerstört ist nicht dasselbe wie ausgeschaltet.

Gerade ein Land von der Größe Irans verfügt über die Möglichkeit, Produktionsanlagen über ein riesiges Gebiet zu verteilen, Komponenten einzulagern und besonders empfindliche Fertigungsschritte unterirdisch zu verbergen. Teheran hat dafür über Jahrzehnte Strukturen aufgebaut.

Hinzu kommt die mögliche russische Hilfe.

haOlam berichtete bereits Anfang September über Hinweise auf eine vertiefte russisch-iranische Rüstungskooperation. Iran soll unter anderem versucht haben, von Russland weiterentwickelte Geran-Drohnen zurückzuerhalten, deren ursprüngliche Technologie auf iranischen Shahed-Systemen basiert. Daneben gab es Hinweise auf russische Unterstützung bei moderneren Flugkörpern.

Sollte sich nun bestätigen, dass Moskau tatsächlich fertige Raketen an Iran liefert, wäre das strategisch von größerer Bedeutung.

Dann mĂĽsste Israel nicht mehr lediglich verhindern, dass Iran seine eigene Produktion wieder aufbaut. Es mĂĽsste zugleich mit einer externen Nachschublinie aus Russland rechnen.

Für Israel folgt daraus keine Überraschung, aber eine unbequeme Bestätigung.

Die Angriffe haben funktioniert.

Sie haben Irans militärische Fähigkeiten massiv geschwächt und Produktionskapazitäten zerstört, deren Wiederaufbau Jahre dauern kann. Sie haben gezeigt, dass selbst tief im iranischen Hinterland gelegene militärische Zentren nicht mehr sicher sind.

Aber ein Krieg gegen Irans Raketenprogramm lässt sich nicht mit einer Liste zerstörter Fabriken für beendet erklären.

Solange das Regime über Fachwissen, vorhandene Komponenten, unterirdische Infrastruktur und ausländische Partner verfügt, beginnt nach jedem erfolgreichen Angriff unmittelbar der Wiederaufbau.

Iran besitzt heute weniger militärische Möglichkeiten als vor dem Krieg.

Doch Teheran besitzt offenbar weiterhin genügend Raketen, Fabriken und Unterstützung, um gefährlich zu bleiben.

FĂĽr Israel ist deshalb nicht entscheidend, ob Irans Raketenindustrie schwer getroffen wurde.

Das wurde sie.

Die entscheidende Frage lautet, ob sie sich schneller erholt, als Israel und die Vereinigten Staaten bereit sind, erneut zuzuschlagen.




Autor: Redaktion
Samstag, 10 Oktober 2026

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