Iran hat auf Trumps Niederlage gewartet und sieht sich bestätigtIran hat auf Trumps Niederlage gewartet und sieht sich bestätigt
Die Demokraten gewinnen beide Kammern des US-Kongresses, und Teheran spricht bereits von einem Sieg über Trumps Kriegspolitik. Für Israel entsteht eine gefährliche Situation: Das iranische Regime könnte den politischen Machtwechsel nutzen, um sein Atom- und Raketenprogramm vor weiteren Zugeständnissen zu schützen.

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Das iranische Regime hat schwere militärische Verluste erlitten, wirtschaftliche Schäden in Kauf genommen und die eigene Bevölkerung mit brutaler Gewalt unterdrückt. Trotzdem hat die Führung in Teheran an ihren zentralen Forderungen festgehalten. Nach dem Ausgang der amerikanischen Kongresswahlen vom 3. November könnte sich diese Strategie nun politisch auszahlen.
Die Demokraten haben sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat zurückgewonnen. Damit verliert US-Präsident Donald Trump ab Januar 2027 seine bisherigen republikanischen Mehrheiten in beiden Kammern. Für die amerikanische Iran-Politik bedeutet das neue parlamentarische Hürden, zusätzliche Kontrollmöglichkeiten und eine veränderte innenpolitische Ausgangslage.
In Teheran wird das Wahlergebnis bereits als Bestätigung des eigenen Kurses dargestellt. Führende Vertreter der Islamischen Republik behaupten, die Amerikaner hätten mit ihrer Stimme den Krieg gegen Iran zurückgewiesen. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf sprach von einer eindeutigen Botschaft der Wähler gegen weitere militärische Auseinandersetzungen.
Diese Interpretation dient erkennbar den Interessen des Regimes. Die amerikanischen Zwischenwahlen waren keine Abstimmung allein über Iran. Hohe Energiepreise, Inflation, wirtschaftliche Unsicherheit und die Politik Trumps insgesamt spielten eine wesentliche Rolle.
Dennoch ist der Zusammenhang zwischen dem Krieg und der amerikanischen Innenpolitik nicht zu übersehen. Die Folgen der Auseinandersetzung am Persischen Golf haben die Energiepreise belastet und die Unzufriedenheit vieler amerikanischer Wähler verstärkt.
Genau darauf scheint die iranische Führung gesetzt zu haben.
Teheran nahm das Leid der eigenen Bevölkerung in Kauf
Bereits am 20. Oktober berichtete Reuters unter Berufung auf mehrere hochrangige iranische Funktionäre, das Regime habe die Verhandlungen mit Washington bewusst verlängert. Ziel sei gewesen, Trump vor den Kongresswahlen keinen außenpolitischen Erfolg zu ermöglichen.
Nach dieser Darstellung war Teheran bereit, weitere wirtschaftliche Schäden hinzunehmen, solange es dadurch Zeit gewinnen und den amerikanischen Präsidenten politisch unter Druck setzen konnte.
Die Entscheidung hatte erhebliche Folgen für die iranische Bevölkerung.
Sanktionen, militärische Zerstörungen und der eingeschränkte internationale Handel haben die wirtschaftliche Krise weiter verschärft. Gleichzeitig gingen die Sicherheitskräfte der Islamischen Republik mit massiver Gewalt gegen regimekritische Proteste vor. Menschenrechtsorganisationen berichten von Tausenden Getöteten.
Das iranische Regime hat damit nicht nur gegenüber IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den Vereinigten Staaten Härte demonstriert. Es hat auch die Interessen und das Leben der eigenen Bevölkerung der Sicherung seiner politischen Macht untergeordnet.
Der israelische Verteidigungsanalyst Yonah Jeremy Bob beschreibt in der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post vom 4. November, weshalb die Strategie Teherans trotz schwerer militärischer Niederlagen funktionieren könnte.
Israel und die Vereinigten Staaten haben im Juni 2025 und während der erneuten Kriegshandlungen 2026 wichtige Teile der iranischen Militärinfrastruktur zerstört. Auch die amerikanische Seeblockade erhöhte den wirtschaftlichen Druck auf Teheran erheblich.
Doch die Islamische Republik überstand diese Angriffe. Sie gab ihre grundlegenden politischen Ziele nicht auf und verweigerte weiterhin langfristige Zugeständnisse beim Atomprogramm.
Das Ergebnis ist ein gefährlicher Widerspruch: Militärisch wurde das Regime erheblich geschwächt, politisch könnte es durch bloßes Durchhalten neue Handlungsspielräume gewinnen.
Diese Möglichkeit erklärt sich aus einem grundlegenden Unterschied zwischen den politischen Systemen.
In den Vereinigten Staaten werden Regierungen und Parlamente regelmäßig gewählt. Hohe Kriegskosten, steigende Preise und unpopuläre außenpolitische Entscheidungen können politische Mehrheiten verändern.
Die Führung der Islamischen Republik muss dagegen keine vergleichbaren freien Wahlen fürchten. Sie sichert ihre Herrschaft durch einen mächtigen Sicherheitsapparat, die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen und systematische Repression ab.
Während Trump nach zwei Jahren politisch geschwächt aus den Kongresswahlen hervorgeht, bleibt die iranische Führung trotz schwerster wirtschaftlicher und militärischer Verluste im Amt.
Für ein autoritäres Regime kann das bloße Überstehen einer Krise deshalb bereits einen strategischen Vorteil bedeuten.
Israel muss sich auf veränderte Mehrheiten einstellen
Die neue demokratische Mehrheit im amerikanischen Kongress bedeutet allerdings nicht, dass die Vereinigten Staaten ihre militärische Unterstützung Israels automatisch einstellen oder Iran künftig freie Hand lassen.
Trump bleibt Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er verfügt weiterhin über erhebliche Befugnisse in der Außen- und Sicherheitspolitik. Zudem treten die neu gewählten Abgeordneten und Senatoren erst im Januar ihre Ämter an.
Bis dahin bleibt ein politisches Zeitfenster, in dem Washington weitere Entscheidungen über militärische Maßnahmen gegen Iran treffen kann.
Doch die langfristigen Möglichkeiten des Präsidenten werden sich verändern. Die Demokraten können zusätzliche Untersuchungen einleiten, Regierungsvertreter zu Anhörungen laden, Personalentscheidungen beeinflussen und über Haushaltsmittel politischen Druck ausüben.
Besonders bedeutsam ist dabei die Finanzierung eines möglicherweise länger andauernden Krieges.
Eine neue großangelegte Offensive gegen Iran wäre nicht allein eine militärische Entscheidung. Ihre politischen und wirtschaftlichen Folgen müssten von einer amerikanischen Regierung getragen werden, deren bisherige Mehrheit gerade verloren gegangen ist.
Auch die Haltung der Demokraten ist keineswegs einheitlich. Während progressive Politiker eine weitreichende Begrenzung militärischer Operationen verlangen, unterstützen andere weiterhin eine entschlossene Politik gegen das iranische Atomprogramm.
Für Israel wird es deshalb wichtiger, nicht nur mit dem Weißen Haus, sondern auch mit führenden Vertretern beider Parteien im Kongress eng zusammenzuarbeiten.
Die Sicherheit des jüdischen Staates darf nicht allein von einer günstigen politischen Konstellation in Washington abhängen.
Das betrifft vor allem das iranische Atom- und Raketenprogramm.
Obwohl die bisherigen Angriffe erhebliche Schäden verursacht haben, ist das technische Wissen für die Entwicklung gefährlicher militärischer Fähigkeiten nicht verschwunden. Das Regime kann versuchen, zerstörte Infrastruktur wiederaufzubauen und seine Raketenproduktion langfristig erneut auszuweiten.
Eine diplomatische Vereinbarung wäre nur dann eine dauerhafte Sicherheitslösung, wenn sie überprüfbare und wirksame Beschränkungen durchsetzt. Eine bloße Unterbrechung der Kampfhandlungen, während Teheran seine militärischen Fähigkeiten später wiederherstellen kann, würde das grundlegende Problem nicht beseitigen.
Genau deshalb sind die aktuellen Verhandlungen so bedeutsam.
Katar vermittelt weiterhin zwischen Washington und Teheran. Iran verlangt unter anderem ein Ende der amerikanischen Seeblockade, die Freigabe eingefrorener Gelder und wirtschaftliche Erleichterungen. Zugleich hält die Führung an zentralen Positionen ihres Atomprogramms fest.
Die Vereinigten Staaten wollen dagegen Zugeständnisse, die den nuklearen Fähigkeiten des Regimes dauerhafte Grenzen setzen.
Eine Einigung ist bisher nicht erreicht.
Besonders problematisch ist, dass Teheran weiterhin die zivile Schifffahrt in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen als Druckmittel benutzt. Die Revolutionsgarden bedrohen Handelsschiffe, während der eingeschränkte Transport von Erdöl und Flüssigerdgas die WeltwirtschaftStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen belastet.
Die wirtschaftliche Einschüchterung anderer Staaten gehört damit ebenso zur Strategie des Regimes wie seine militärischen Drohungen gegen Israel und amerikanische Einrichtungen.
Dass die iranische Führung nach den amerikanischen Wahlen selbstbewusster auftritt, ist deshalb keine Überraschung. Sie sieht eine Gelegenheit, den Druck auf Washington aufrechtzuerhalten und gleichzeitig weitreichende Zugeständnisse zu vermeiden.
Für Israel entsteht daraus eine ernste strategische Herausforderung.
Eine dritte militärische Offensive könnte das iranische Atom- und Raketenprogramm erneut schwächen. Sie würde jedoch nicht automatisch das Regime beseitigen oder dessen langfristige Absichten verändern. Gleichzeitig könnte eine unzureichende Vereinbarung Teheran wirtschaftliche Erleichterungen verschaffen, ohne die zentralen Bedrohungen dauerhaft zu beseitigen.
Die entscheidende Aufgabe besteht deshalb darin, militärische Abschreckung, überprüfbare diplomatische Vereinbarungen und langfristige Sicherheitsgarantien miteinander zu verbinden.
Israel muss dabei auch für den Fall vorbereitet sein, dass Washington künftig andere Prioritäten setzt.
Das iranische Regime hat gezeigt, dass es bereit ist, militärische Niederlagen, internationale Isolation und das Leid der eigenen Bevölkerung hinzunehmen, um an seiner Macht und seinen strategischen Zielen festzuhalten.
Der demokratische Wahlsieg in den Vereinigten Staaten beweist nicht, dass Teheran seinen Konflikt mit Washington gewonnen hätte. Er zeigt jedoch, wie gefährlich eine Strategie sein kann, die darauf setzt, ein autoritäres Regime allein durch kurzfristigen wirtschaftlichen und militärischen Druck zu grundlegenden Zugeständnissen zu bewegen.
Für Israel steht deshalb mehr auf dem Spiel als die Frage, ob Trump einen weiteren Angriff anordnet.
Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass Iran seine Gegner politisch aussitzt und anschließend erneut beginnt, jene Fähigkeiten aufzubauen, wegen derer der Krieg überhaupt geführt wurde.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 04 November 2026