Zwei Stimmen der Erinnerung verstummt – am Tag des GedenkensZwei Stimmen der Erinnerung verstummt – am Tag des Gedenkens
Am selben Tag, an dem Israel der Ermordung von sechs Millionen Juden gedenkt, verliert die Welt zwei Überlebende, die das Unsagbare bezeugten – und Generationen prägten.

Symbolbild
Es gibt Tage, an denen sich Geschichte verdichtet – auf schmerzhafte Weise. Der diesjährige HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen-Gedenktag in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist ein solcher Tag. Denn just an diesem 24. April 2025 sind zwei der letzten lebenden Zeuginnen jener unvorstellbaren Barbarei von uns gegangen: Nechama Grossman, Israels älteste Holocaust-Überlebende im Alter von 110 Jahren, und Eve Kugler, Zeitzeugin und unermüdliche Mahnerin, die noch am selben Tag zur „March of the Living“ reisen wollte.
Nechama Grossman, geboren 1914, war nicht nur eine Überlebende. Sie war ein Mensch, der alles gesehen hatte – die Abgründe Europas, das Vernichtungssystem der Nazis, das Leben in Israel, das sie sich nach der Shoah mit ihren Kindern und Enkeln erkämpfte. Dass sie gerade an diesem Tag starb, lässt ihren Tod wie einen stillen, letzten Ruf wirken: Vergesst uns nicht.
Ihr Sohn Vladimir Shvetz brachte es auf den Punkt: „Meine Mutter hat das Schlimmste der Menschheit überlebt – und dennoch Liebe gelebt. Sie hat uns gelehrt, dass Hass niemals siegen darf.“ Inmitten all der politischen Debatten und moralischen Ausflüchte, die heute um das Gedenken kreisen, wirkt diese Botschaft klarer denn je.
Nur Stunden später erreichte uns die Nachricht vom Tod Eve Kuglers. Auch sie war mehr als eine Überlebende. Kugler, geboren 1931 in Halle (Saale), hatte als Kind die Schrecken der ReichspogromnachtPogrom: Wenn Hass zur Jagd auf Juden wirdEin Pogrom ist eine kollektive Gewalttat gegen eine Minderheit, besonders gegen Juden. Der Begriff wurde durch antijüdische Gewalt im Russischen Reich bekannt, die Form der Gewalt ist jedoch viel älter.Mehr lesen überlebt, floh, überlebte, sprach – jahrzehntelang. In Schulen, Konferenzen, auf Gedenkveranstaltungen. Für ihre Verdienste erhielt sie 2019 das British Empire Medal. Sie reiste unermüdlich mit der „March of the Living“ nach Polen, begleitete Jugendliche an Orte des Grauens – und Hoffnung. Denn wer von Auschwitz erzählt, wie sie es tat, gibt nicht nur Zeugnis, sondern auch einen Auftrag weiter: Du sollst nicht gleichgültig sein.
Dass ausgerechnet an diesem Gedenktag zwei dieser Stimmen verstummen, ist kein Zufall – es ist ein letzter Appell an uns alle. Denn ihre Generation wird bald ganz verschwunden sein. Was bleibt, ist unsere Verantwortung: hinzuhören, weiterzutragen, nicht zu vergessen. Nicht nur am Holocaust-Gedenktag, sondern immer dann, wenn Hass sich erhebt – sei es gegen Juden, gegen andere Minderheiten, gegen die Wahrheit selbst.
Nechama Grossman und Eve Kugler sind nicht mehr unter uns. Doch sie haben etwas hinterlassen, das größer ist als jedes Denkmal: gelebte Erinnerung.
Autor: Redaktion
Freitag, 25 April 2025