Netanjahu besucht Kibbutz Nir Oz, wo der Schmerz des 7. Oktober nicht vergeht

Netanjahu besucht Kibbutz Nir Oz, wo der Schmerz des 7. Oktober nicht vergeht


Zwischen Bannern des Protests und stillen Umarmungen: Beim Besuch im schwer getroffenen Nir Oz versprach Israels Premier Benjamin Netanjahu die Rückkehr aller Geiseln – und wurde zugleich mit bitterem Zorn der Angehörigen konfrontiert.

Netanjahu besucht Kibbutz Nir Oz, wo der Schmerz des 7. Oktober nicht vergeht
GPO

Ein gelber Schriftzug auf schwarzem Grund wehte im Wind: „Mr. Abandonment“. So begrüßte am Donnerstag ein Teil der Überlebenden des Kibbutz Nir Oz7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bei dessen Besuch im Süden des Landes. Es war keine Triumphfahrt. Nir Oz, kaum einen Kilometer von der Grenze zu GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen entfernt, war eines der Epizentren des beispiellosen HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen. Ein Viertel seiner Bewohner wurde an diesem Tag ermordet oder verschleppt – unter ihnen auch Kinder und Alte. Viele ihrer Schicksale sind bis heute ungeklärt.

Netanjahu kam gemeinsam mit seiner Frau Sara. Es war ein symbolischer Schritt – und zugleich ein schwieriger. Der Premier sprach von einem „tiefen Versprechen“, alle Entführten zurückzubringen, und kündigte an, die Bürokratie bei der Wiederherstellung des zerstörten Ortes zu durchbrechen. Doch vielen erschien der Besuch zu spät – und zu kalkuliert.

Der Protest war spürbar. Menschen riefen ihm „Schande!“ entgegen, hielten Bilder ihrer ermordeten Angehörigen hoch. Einer von ihnen: Dani Elgarat, dessen Bruder Itzik in Hamas-Gefangenschaft starb. „Er hatte einen Herzinfarkt während der Verhöre“, rief Elgarat, „sie haben ihn gefoltert! Schau ihm in die Augen und sag, warum du ihn im Stich gelassen hast!“

Zerrissene Gemeinschaft, bleibende Narben

Einige Bewohner empfingen Netanjahu höflich, unter ihnen Einav Zangauker, eine der prominentesten Stimmen des „Forums der Familien der Entführten und Vermissten“. Ihr Sohn Matan wurde am 7. Oktober verschleppt, seine Freundin Ilana kam bei einem Gefangenenaustausch frei – Matan ist noch immer in Gaza. Zangauker hatte den Premier in der Vergangenheit heftig kritisiert, galt als seine „härteste Gegnerin“. Nun schüttelten sie sich die Hände. Der Schmerz überlagerte den politischen Graben – aber überwand ihn nicht.

„Du spürst in jeder Begegnung den Abgrund des Leids“, sagte Netanjahu später. „20 Leben sind noch in der Hand der Hamas – wir werden sie alle zurückbringen.“ Insgesamt hält die Terrororganisation derzeit noch 50 Israelis gefangen, lebend oder tot. 49 von ihnen wurden am 7. Oktober entführt. Allein neun der Entführten stammen aus Nir Oz. Nur vier von ihnen gelten noch als am Leben.

Sara Netanjahu erzählte die Geschichte von Sagui Dekel-Chen, einem Vater von zwei kleinen Töchtern, der in seinem Haus eine sichere Zuflucht für seine Familie schuf, ehe er sich den Angreifern entgegenstellte – und entführt wurde. Seine Frau Avital war im siebten Monat schwanger, als sie ihre Kinder mit bloßen Händen verteidigte. „Ich habe ihm gesagt, dass er von Heldinnen umgeben ist“, so Sara Netanjahu. Auch Saguis Mutter, Neomit, wurde verschleppt, konnte aber verletzt entkommen.

Politik und Verantwortung

Für viele Überlebende des Massakers bleibt Netanjahu Symbol und Adressat politischer Verantwortung. „Nir Oz von heute ist nicht das Nir Oz von vor dem 7. Oktober“, sagte Elgarat später gegenüber Ynet. „Er darf nicht kommen, um sich feiern zu lassen. Erst wenn er sagt: ‚Ich bin verantwortlich, ich habe versagt‘ – erst dann darf er kommen.“

Seit November vergangenen Jahres haben sich die meisten Mitglieder von Nir Oz entschieden, zurückzukehren und den Ort wieder aufzubauen – trotz der Angst, trotz der Erinnerung, trotz des Schmerzes. Ein Zeichen des Lebenswillens – und auch der Forderung nach Antworten.

Denn für die Angehörigen bleibt jede politische Geste leer, solange ihre Kinder, Eltern und Freunde nicht zurückkehren – oder solange sie keine Wahrheit über deren Schicksale erfahren. Nir Oz steht in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen nicht nur für ein Massaker. Es steht für eine offene Wunde. Und für die Frage, wer sie heilen will – und kann.




Autor: Redaktion
Freitag, 04 Juli 2025

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