Smotrich kritisiert Netanyahus Zustimmung zu Trumps PlanSmotrich kritisiert Netanyahus Zustimmung zu Trumps Plan
Nach der gemeinsamen Erklärung von Donald Trump und Benjamin Netanyahu zum US-Friedensplan wächst der Druck innerhalb der Koalition. Finanzminister Smotrich spricht von Fehlern – doch die zentrale Frage bleibt die Rückkehr der Geiseln.

Die Präsentation des amerikanischen 21-Punkte-Plans durch Präsident Donald Trump und Premierminister Benjamin Netanyahu in Washington sorgt in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen für heftige Reaktionen – nicht nur auf internationaler Ebene, sondern vor allem innerhalb der Regierungskoalition. Was nach außen wie eine innenpolitische Krise wirkt, ist im Kern Ausdruck einer demokratischen Auseinandersetzung: Jeder Akteur verteidigt seine Prinzipien, auch wenn die Fronten zunächst verhärtet scheinen.
Smotrich und Ben Gvir auf Distanz
Finanzminister Bezalel Smotrich sprach nach der Rückkehr Netanyahus von einer „Tragödie der Führung“ und warf dem Premier vor, der amerikanischen Initiative zu viele Zugeständnisse gemacht zu haben. Besonders störte ihn die Möglichkeit, dass eine palästinensische Verwaltung in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen unter internationaler Aufsicht entstehen könnte, die langfristig als Einstieg in einen Staat verstanden würde.
Auch Itamar Ben Gvir, Vorsitzender von Otzma Yehudit, hat bislang keine klare Stellungnahme abgegeben. Hinter den Kulissen aber ist zu hören, dass er wie Smotrich vor allem die vorgesehene Freilassung von inhaftierten Terroristen sowie die Erwähnung einer „Reform der Palästinensischen Autonomiebehörde“ kritisch sieht.
Netanyahus Balanceakt
Für Netanyahu ist die Lage kompliziert: Einerseits will er die enge strategische Partnerschaft mit den USA nicht gefährden, andererseits weiß er um die rote Linie seiner Koalitionspartner. Noch vor seinem Abflug nach Washington hatte er signalisiert, dass er bestimmte Passagen des Plans – insbesondere die, die auf eine mögliche palästinensische Staatlichkeit hindeuten – nicht der Regierung zur Abstimmung vorlegen werde.
Damit versucht er, Zeit zu gewinnen und den Plan innenpolitisch abzufedern. Für den Premier ist klar: Ohne Washington an Israels Seite kann weder die Geiselfrage gelöst noch der Druck auf HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen aufrechterhalten werden.
Demokratisches Ringen statt Zerfall
Die Debatte in Israel zeigt eindrücklich, dass die Demokratie lebendig ist. Unterschiedliche Strömungen tragen ihre Standpunkte offen aus, manchmal laut, manchmal kompromisslos. Doch die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass solche Auseinandersetzungen zum politischen Alltag gehören. Ob es um den Rückzug aus dem Sinai, das Oslo-Abkommen oder den Gaza-Abzug ging – immer standen erbitterte Kontroversen am Anfang, bevor sich ein politischer Weg durchsetzte.
Während die Koalition streitet, signalisieren Oppositionspolitiker wie Yair Lapid, Benny Gantz oder Avigdor Lieberman Unterstützung für die amerikanische Initiative. Für sie steht die Freilassung der Geiseln im Vordergrund. Lapid sprach von einer „richtigen Grundlage“ für ein Abkommen, Gantz forderte, die Gelegenheit nicht zu verpassen, und Lieberman betonte, jede Initiative, die Geiseln heimbringt, müsse unterstützt werden.
Israel steht vor schwierigen Entscheidungen. Der Plan birgt Chancen, aber auch Risiken. Klar ist: In der israelischen Politik wird nicht hinter verschlossenen Türen entschieden, sondern im offenen Streit, bei dem jede Partei ihre Wähler im Blick hat. Für Beobachter im Ausland mag das wie eine Krise wirken – in Wahrheit ist es das Ringen einer Demokratie um den richtigen Weg.
Autor: Redaktion
Dienstag, 30 September 2025