Syrischer Präsident al-Sharaa bestätigt direkte Verhandlungen mit Israel – fordert Rückzug auf „Grenzen vom 8. Dezember“

Syrischer Präsident al-Sharaa bestätigt direkte Verhandlungen mit Israel – fordert Rückzug auf „Grenzen vom 8. Dezember“


In einem aufsehenerregenden Interview mit der Washington Post erklärte Syriens Präsident Ahmed al-Sharaa, seine Regierung führe derzeit „direkte Verhandlungen“ mit Israel. Er betonte, dass ein Abkommen „in greifbarer Nähe“ sei – allerdings nur unter der Bedingung, dass Israel „zu den Grenzen vom 8. Dezember“ zurückkehre.

Syrischer Präsident al-Sharaa bestätigt direkte Verhandlungen mit Israel – fordert Rückzug auf „Grenzen vom 8. Dezember“

Mit diesem Datum bezieht sich al-Sharaa auf den Tag, an dem das Assad-Regime gestürzt wurde und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen anschließend gezielte Luftangriffe gegen syrische Waffendepots und militärische Anlagen begann. Diese Operationen dienten laut JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen dem Ziel, chemische Waffen, Raketenarsenale und Luftwaffenstützpunkte zu zerstören, die von den verbliebenen Assad-Truppen oder iranischen Milizen hätten übernommen werden können.

Neue syrische Linie – und amerikanische Unterstützung

Das Interview fiel in eine Phase intensiver diplomatischer Bewegung. Die USA versuchen derzeit, ein Sicherheitsabkommen zwischen Israel und Syrien zu vermitteln. Nach Angaben aus Damaskus sollen noch vor Jahresende mehrere militärische und sicherheitspolitische Vereinbarungen unterzeichnet werden – unabhängig davon, ob Syrien sich künftig den Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen anschließt.

Al-Sharaa deutete an, dass US-Präsident Donald Trump diese Gespräche aktiv unterstütze. „Der Präsident der Vereinigten Staaten steht hinter uns. Er will, dass wir so schnell wie möglich eine Lösung finden“, sagte er. Nur wenige Tage zuvor war Sharaa im Weißen Haus empfangen worden – ein symbolischer Höhepunkt seiner neuen außenpolitischen Strategie, die auf internationale Anerkennung und die Stabilisierung Syriens nach Jahren des Krieges zielt.

Distanzierung von Iran und Hisbollah

In dem Gespräch hob der syrische Präsident hervor, dass er sich von Teheran und der libanesischen HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen abgewandt habe – ein entscheidender Schritt, um Vertrauen in Jerusalem und Washington zu gewinnen. „Wir waren es, die die iranischen Milizen und die Hisbollah aus Syrien vertrieben haben“, betonte Sharaa. Zugleich warf er Israel „expansionistische Ambitionen“ vor und kritisierte die israelische Sicherheitszone im Süden des Landes: „Wenn sie den Süden besetzen, um den Golan zu schützen – werden sie dann in ein paar Jahren das Zentrum Syriens besetzen, um den Süden zu schützen?“

Kein Verzicht auf Souveränität

Auf die Frage nach einer möglichen Demilitarisierung Südsyriens antwortete Sharaa, die territoriale Kontrolle müsse in syrischer Hand bleiben. „Wer würde verhindern, dass Rebellen Israel angreifen, wenn keine syrischen Streitkräfte dort sind?“, fragte er. Damit machte er klar, dass Syrien zwar zu Kompromissen bereit sei, aber keine Einmischung in seine innere Sicherheit dulden werde.

Minderheiten und Wiederaufbau

Al-Sharaa wies Vorwürfe zurück, sein Regime unterdrücke religiöse Minderheiten. „In Syrien leben wir seit 1.400 Jahren in Koexistenz. Wir haben diese Vielfalt bewahrt und werden sie weiterhin bewahren“, sagte er. Den gegenwärtigen Zustand seines Landes verglich er mit den Jahren nach dem US-Bürgerkrieg: „Auch dort kehrte die Stabilität nicht nach einem Jahr zurück. Wir sind im Wiederaufbau, es gibt viele Probleme, aber es ist nicht das Ende der Geschichte.“

Zwischen Hoffnung und Skepsis

Al-Sharaas Aussagen markieren den deutlichsten Versuch seit dem Sturz Assads, eine diplomatische Öffnung gegenüber Israel zu wagen. Während in Washington von einem „historischen Moment“ gesprochen wird, herrscht in Jerusalem Zurückhaltung: Israel will konkrete Sicherheitsgarantien sehen, bevor über Rückzugsforderungen verhandelt wird.

Der syrische Präsident versucht, sich als moderater Nationalist zu präsentieren, der Syrien aus der Isolation führt. Ob ihm das gelingt, hängt nun nicht nur von Trump und Netanyahu ab – sondern davon, ob er tatsächlich hält, was er verspricht: ein Syrien ohne iranischen Einfluss und mit dem Willen zum Frieden.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 13 November 2025

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