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Netanyahus Bitte um Begnadigung sorgt für weltweite Aufmerksamkeit

Netanyahus Bitte um Begnadigung sorgt für weltweite Aufmerksamkeit


Kaum war der Antrag veröffentlicht, überschlugen sich internationale Schlagzeilen. Ausländische Medien deuten Netanyahus Schritt als Signal eines tiefen inneren Konflikts – und als Moment, in dem sich zeigt, wie groß die weltpolitische Wucht Israels bleibt.

Netanyahus Bitte um Begnadigung sorgt für weltweite Aufmerksamkeit

Die Nachricht verbreitete sich in Israel innerhalb von Minuten – und jenseits der Landesgrenzen fast ebenso schnell. Der Antrag von Premierminister Benjamin Netanyahu auf eine präsidentielle Begnadigung durch Präsident Isaac Herzog hat die großen Nachrichtenhäuser aufgeschreckt. Reuters, AP, Bloomberg, BBC, New York Times und führende europäische Medien widmeten dem Vorgang Titelzeilen, Kommentare und Analysen. Es ist ein Echo, das zeigt, wie aufmerksam die Welt derzeit auf Israel blickt: auf sein Ringen um Stabilität, seine politischen Spannungen und die Frage, wie ein demokratisches System mit einer Führungsperson umgeht, die seit Jahren polarisiert.

Ein Schritt, der weit über Israel hinaus wahrgenommen wird

In ihren Berichten betonen internationale Medien vor allem eines: dass dieser Antrag nicht als juristischer Akt allein verstanden wird, sondern als politisches Beben. Die Nachrichtenagentur AP zitiert Netanyahus eigene Begründung, wonach eine Begnadigung helfen solle, das Land zu einen – gerade jetzt, da die Region sich im Umbruch befindet. Doch dieselben Berichte verweisen zugleich darauf, dass viele seinen Schritt als Teil eines viel breiteren Kampfes betrachten: ein Konflikt um die Rolle der Justiz, um Vertrauen in staatliche Institutionen und um das Selbstverständnis Israels als demokratischer Staat mit starker rechtsstaatlicher Tradition.

Unter Verweis auf Präsident Donald Trump erinnern internationale Kommentatoren daran, dass der amerikanische Staatschef bereits im Oktober öffentlich eine Begnadigung gefordert hatte. Seine Botschaft, vorgetragen von der Knessettribüne, war deutlich: In einer Phase massiver regionaler Spannungen müsse Israel seine politische Führung schützen. Dass Netanyahu nun tatsächlich einen solchen Antrag stellt, halten Beobachter für einen Meilenstein – und für ein Zeichen, dass der innenpolitische Druck weiter zunimmt.

Zwischen Loyalität und Misstrauen – die internationale Brille auf Israel

Die Reaktionen in ausländischen Redaktionen zeichnen ein breites Spektrum. Für konservative Medien wirkt der Antrag nachvollziehbar: Ein Regierungschef, der Israel durch krisenhafte Zeiten führt, solle „politisch arbeitsfähig“ bleiben und nicht durch juristische Verfahren gelähmt werden. Andere Stimmen dagegen sehen in dem Antrag ein Symptom der politischen Spaltung. BBC formulierte es besonders deutlich: Für viele Israelis – vor allem auf der linken Seite des politischen Spektrums – sei der Antrag ein weiterer Schritt hin zu einem Staat, der sich von den Grundfesten einer unabhängigen Justiz entfernt.

Diese internationalen Analysen treffen Israel in einem Moment, in dem Vertrauen und Skepsis sich die Waage halten. Ein Teil der Bevölkerung sieht in der Debatte um die Justiz eine Gefahr für die Stabilität einer Gesellschaft, die ohnehin seit Monaten unter dem Druck regionaler Bedrohungen und innerer Konflikte steht. Ein anderer Teil betrachtet die Anfeindungen gegen den Premier als politisch motiviert und hält die juristischen Vorgänge für überdehnt und destruktiv.

Eine Bitte, die mehr beinhaltet als ein persönliches Anliegen

Dass Herzog den Antrag „außergewöhnlich“ nennt, bleibt nicht unbeachtet. Medien in Italien, Frankreich und Großbritannien greifen die Formulierung auf und erläutern, dass ein solcher Schritt in Israel selten ist – gerade in Fällen, in denen ein amtierender Regierungschef betroffen ist. Viele Kommentatoren betonen, dass die Entscheidung nicht isoliert betrachtet werden darf: Sie fällt in eine Zeit, in der Israel gleichzeitig auf mehreren Ebenen unter Druck steht – von außen durch Bedrohungen aus Gaza, Libanon und Iran, von innen durch gesellschaftliche Spannungen, wirtschaftliche Herausforderungen und politische Polarisierung.

Für die internationale Öffentlichkeit fügt sich dieser Moment in ein Bild, das seit Monaten im Fokus steht: Israel als Land, das sich in einem schwierigen Gleichgewicht zwischen Sicherheit, Demokratie und politischer Verantwortung behaupten muss. In den Reaktionen westlicher Zeitungen schwingt Sympathie wie Kritik gleichermaßen mit – ein Spiegel der globalen Unsicherheit darüber, wohin sich die Region bewegt.

 

Wie Präsident Herzog über das Gesuch entscheidet, wird weit mehr als eine persönliche Konsequenz für den Premier bedeuten. Die Entscheidung birgt das Potenzial, die politische Landschaft Israels spürbar zu verändern – und sie wird in Washington, Berlin, Paris und London aufmerksam verfolgt. Internationale Beobachter gehen davon aus, dass sich in dieser Frage zeigt, wie belastbar Israels Institutionen bleiben, während das Land Schritt für Schritt versucht, seine innere Balance wiederzufinden.

Es ist ein Moment, der Israels Selbstverständnis berührt – und der der Welt vor Augen führt, wie eng politische Stabilität, gesellschaftliche Verantwortung und internationale Wahrnehmung miteinander verknüpft sind.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Kobi Gideon / Government Press Office of Israel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=125528839


Sonntag, 30 November 2025

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