Arabische Staaten einigen sich in Doha auf Gaza-Fahrplan, meiden jedoch jede eigene VerantwortungArabische Staaten einigen sich in Doha auf Gaza-Fahrplan, meiden jedoch jede eigene Verantwortung
Beim Doha Forum zeichnete sich überraschend ein gemeinsamer Kurs arabischer Regierungen ab: Die nächste Phase des amerikanischen Gaza-Abkommens soll kommen, aber niemand will eigene Kräfte schicken. Israels Sicherheitsinteressen bleiben der blinde Fleck dieser Debatte.

Während das Doha Forum internationale Aufmerksamkeit auf sich zog, entstand zwischen den arabischen Staaten ein bemerkenswerter Gleichklang zur Zukunft Gazas. In fast allen öffentlichen Statements war der Wunsch erkennbar, die nächste Phase des amerikanisch geführten Waffenstillstandsmodells voranzubringen. Doch unmittelbar hinter diesem aufgeräumten politischen Bild liegt eine Realität, die sich nicht übersehen lässt: Kaum ein Land, das lautstark eine „neue Ordnung für GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ fordert, ist bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty rief nach einer schnellen Stationierung einer internationalen Überwachungsmission. Die Türkei forderte eine palästinensische Zivilverwaltung und eine Polizei, die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen entmachten soll. Katar drängt ebenfalls auf Fortschritte, obwohl weiterhin eine israelische Geisel in der Hand von Terroristen ist. Doha hält die neue Phase dennoch für möglich, bevor alle Entführten freikommen.
Dieser politische Gleichklang wirkt auf den ersten Blick wie ein regionaler Konsens. Doch bei genauerem Hinsehen entsteht ein anderes Bild: Die Staaten, die am lautesten eine Stabilisierung Gazas verlangen, lehnen gleichzeitig jede messbare Beteiligung ab. Kaum ein Akteur zeigt Bereitschaft, eigenes Personal in eine internationale Stabilisierungstruppe zu entsenden. Selbst jene Regierungen, die IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen öffentlich dafür kritisieren, dass der Prozess nicht schnell genug vorankomme, vermeiden jede konkrete Zusage.
Komplex wird die Lage zusätzlich durch den türkischen Anspruch, eine Rolle in der Sicherheitsarchitektur Gazas zu übernehmen. Die Regierung in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen lehnt dies ab, und zwar aus einem einfachen Grund: Die enge Unterstützung, die Ankara der Hamas gewährt, macht einen türkischen Beitrag zur Stabilisierung untragbar. Ein Staat, der führenden Hamas-Kadern jahrelang Rückzugsräume bot, kann in Gaza kein Garant für Ruhe sein.
Auch Ägypten nutzte das Forum, um eine klare Linie zu ziehen. Kairo wird unter keinen Umständen zulassen, dass der Grenzübergang bei Rafah lediglich als Ausgang dient, über den Gazaner in andere Staaten abwandern sollen. Die ägyptische Haltung ist unmissverständlich: Jede Öffnung der Grenze muss beidseitig funktionieren. Das Land will sich nicht zum Instrument einer regionalen Bevölkerungsverschiebung machen. Dass manche israelische Regierungsvertreter in den vergangenen zwei Jahren öffentlich erwogen hatten, Gazaner könnten in Drittstaaten ausreisen, bleibt damit politisch ohne Wirkung.
Währenddessen wächst in arabischen Hauptstädten die Erwartung, Israel müsse die nächste Phase aktiv zulassen und dürfe den Waffenstillstand nicht „ausdehnen“. Dass Jerusalem vor jedem weiteren Schritt eine glaubwürdige Sicherheitslösung braucht, bleibt in diesen Debatten weitgehend unausgesprochen. Die Region verlangt Stabilität in Gaza, während sie zugleich die entscheidende Verantwortung – die eigene Beteiligung – scheut.
Damit entsteht ein Vakuum, das die amerikanische Regierung zunehmend füllen muss. Präsident Donald Trump wird stärker in die Gespräche einsteigen müssen, wenn aus dem politisch wohlklingenden Konsens von Doha eine wirkliche Struktur werden soll. Fest steht: Ohne eine internationale Truppe, die glaubwürdig, professionell und unabhängig agiert, bleibt jede Vision eines stabilen Gaza bloße Rhetorik. Und solange zentrale Akteure Verantwortung meiden, wird Israel die Sicherheitsinteressen seiner Bevölkerung selbst schützen müssen. Die Region kann diesen Umstand bedauern – aber sie kann ihn nicht ignorieren.
Autor: Redaktion
Sonntag, 07 Dezember 2025