Die Uhr tickt: Libanon unter Druck, Hisbollah zu entwaffnen – Gespräche mit Israel werden ausgeweitetDie Uhr tickt: Libanon unter Druck, Hisbollah zu entwaffnen – Gespräche mit Israel werden ausgeweitet
Während sich die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon ihrem ersten großen Belastungstest nähert, wächst der internationale Druck. Die Gespräche im gemeinsamen Waffenstillstandskomitee gehen längst über technische Fragen hinaus. Im Kern steht nun eine Entscheidung, die über Krieg oder Stabilität entscheiden könnte.

Fast ein Jahr nach Inkrafttreten der von den USA vermittelten Waffenruhe zwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und dem Libanon verschiebt sich der Fokus der Gespräche deutlich. Bei der mittlerweile 15. Sitzung des gemeinsamen Komitees im südlibanesischen Naqoura ging es nicht mehr nur um die Überwachung der Feuerpause, sondern um zivile, wirtschaftliche und vor allem sicherheitspolitische Fragen mit enormer Sprengkraft.
Im Zentrum steht die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Israel fordert seit Monaten, dass der Libanon seine Verpflichtung einlöst und die schiitische Terrororganisation entwaffnet. Diese Zusage ist Bestandteil der Waffenruhe von 2024. Die Frist rückt näher, ein Durchbruch ist nicht in Sicht. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen macht unmissverständlich klar, dass es nicht bereit ist, einen dauerhaften Zustand zu akzeptieren, in dem eine vom Iran gesteuerte Miliz weiter schwer bewaffnet an der Nordgrenze operiert.
Die Gespräche spiegeln eine strategische Linie Washingtons wider. Unter Präsident Donald Trump drängen die Vereinigten Staaten darauf, den Waffenstillstand zu einem stabilen politischen Arrangement auszubauen. Ziel ist es, eine erneute militärische Eskalation zu verhindern, bevor sie unausweichlich wird. Dass die Agenda ausgeweitet wurde, ist kein Zufall, sondern Ausdruck wachsender Nervosität.
Erstmals nahmen auch zivile Vertreter an den Beratungen teil. Diskutiert wurde über die Rückkehr zehntausender Vertriebener in ihre Dörfer entlang der Grenze, über Wiederaufbau und wirtschaftliche Perspektiven. All das ist wichtig. Doch hinter diesen Themen steht eine zentrale Frage: Wer garantiert künftig Sicherheit südlich des Litani-Flusses?
Israel macht keinen Hehl daraus, dass es allein auf den libanesischen Staat setzt, nicht auf internationale Absichtserklärungen. In den Gesprächen ging es daher auch um die Stationierung der libanesischen Armee in Regionen, die bislang fest in der Hand der Hisbollah waren. Jahrzehntelang war das Militär der Miliz militärisch unterlegen. Nun soll es, gestützt durch internationale Hilfe, zur tragenden Säule der Ordnung werden.
In Beirut weiß man, wie heikel dieses Thema ist. Präsident Joseph Aoun betonte zwar die Priorität der Rückkehr der Grenzbevölkerung, vermied aber jede klare öffentliche Position zur Entwaffnung der Hisbollah. Die politische Realität im Libanon ist geprägt von innerer Lähmung, sektiererischen Machtstrukturen und der Angst vor inneren Unruhen. Genau das nutzt die Hisbollah seit Jahren aus.
Israel hingegen sieht die Lage nüchtern. Die Waffenruhe hat die Organisation geschwächt, aber nicht neutralisiert. Luftangriffe gegen Wiederaufbauversuche der Miliz gehen weiter. Aus israelischer Sicht ist klar: Eine bewaffnete Hisbollah bleibt eine existentielle Bedrohung, unabhängig von diplomatischen Formaten oder wirtschaftlichen Hilfsprogrammen.
Dass in den Gesprächen nun auch über wirtschaftliche Kooperation gesprochen wird, zeigt den Ernst der Lage. Stabilität soll Anreize schaffen, Eskalation unattraktiv machen. Doch diese Rechnung geht nur auf, wenn die Sicherheitsfrage gelöst wird. Ohne Entwaffnung der Hisbollah bleibt jeder Wiederaufbau ein Kartenhaus.
Die nächste Sitzung des Komitees ist für Anfang Januar angesetzt. Bis dahin dürfte der internationale Druck weiter steigen. Der Libanon steht vor einer Richtungsentscheidung. Setzt er auf staatliche Souveränität und Ordnung oder bleibt er Geisel einer Miliz, die ihre Loyalität nicht Beirut, sondern Teheran schuldet.
Für Israel ist die Geduld begrenzt. Die Botschaft ist klar: Wird die vereinbarte Entwaffnung nicht umgesetzt, behält sich Jerusalem eigenes Handeln vor. Die Waffenruhe mag noch halten. Doch sie ist fragiler, als es die diplomatischen Floskeln vermuten lassen.
Autor: Redaktion
Samstag, 20 Dezember 2025