Netanyahu warnt Iran, setzt auf Entwaffnung der Hamas und weist Vorwürfe zu Siedlergewalt zurückNetanyahu warnt Iran, setzt auf Entwaffnung der Hamas und weist Vorwürfe zu Siedlergewalt zurück
Im Interview mit dem US Sender Fox News hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu seine sicherheitspolitische Linie bekräftigt. Israel strebe keine Eskalation mit Iran an, sei aber auf jedes Szenario vorbereitet. Zugleich machte er deutlich, dass ein Übergang zur zweiten Phase des Gaza Abkommens nur unter einer klaren Bedingung möglich ist.

In einem ausführlichen Gespräch mit Fox News während seines Aufenthalts in Florida erklärte Benjamin Netanyahu, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen habe kein Interesse an einer militärischen Zuspitzung mit Iran, sehe jedoch deutliche Warnsignale. Nach seinen Angaben habe Teheran in den vergangenen Wochen Feldversuche durchgeführt, bei denen der Abschuss ballistischer Raketen in Richtung Israel geprobt worden sei. Israel habe daraufhin eine unmissverständliche Botschaft übermittelt. Sollte Iran einen solchen Schritt wagen, wären die Konsequenzen zerstörerisch.
Netanyahu betonte, Israel habe sowohl das iranische Raketenprogramm als auch die nuklearen Fähigkeiten erheblich zurückgeworfen. Die Anlagen in Fordo seien zerstört worden, dennoch versuche Iran, an anderer Stelle erneut Kapazitäten aufzubauen. Entscheidend sei, dass Teheran keine Möglichkeit zur Urananreicherung behalten dürfe und bereits angereichertes Material außer Landes gebracht werde. Ob Iran bereit sei, diese Grenze endgültig zu akzeptieren, sei offen. Israel hoffe auf Zurückhaltung, schließe aber kein Szenario aus.
Ein zentrales Thema des Interviews war die Zukunft des GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen Abkommens. Auf die Frage nach dem größten Hindernis für den Übergang zur zweiten Phase antwortete Netanyahu mit einem einzigen Begriff. Entwaffnung. Die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen verfüge weiterhin über rund zwanzigtausend Kämpfer und insgesamt etwa sechzigtausend Sturmgewehre. Diese Waffen würden nicht nur gegen Israel eingesetzt, sondern auch gegen palästinensische Zivilisten, die sich dem Machtanspruch der Organisation widersetzten. Solange Hamas bewaffnet bleibe, könne es keinen neuen politischen Rahmen und keinen stabilen Wiederaufbau geben.
Netanyahu sagte, Israel sei bereit, der zweiten Phase des Abkommens eine Chance zu geben, einschließlich internationaler Bemühungen. Sollte die Entwaffnung jedoch nicht auf dem vereinbarten Weg erfolgen, werde Israel andere Mittel einsetzen. Für ihn sei klar, dass Israel auch künftig militärische Kontrolle über Gaza behalten müsse. Niemand werde Verantwortung übernehmen oder investieren, solange Hamas als bewaffnete Macht präsent sei.
Auf Berichte, wonach er Präsident Trump in eine härtere Linie drängen wolle, reagierte Netanyahu scharf. Er sprach von falschen Darstellungen und betonte, dass zwischen ihm und Donald Trump vollständige Übereinstimmung herrsche. Beide seien sich einig, dass die Entwaffnung der Hamas der entscheidende Punkt sei, unabhängig von medialen Debatten.
Auch zur Gewalt jüdischer Extremisten in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen nahm Netanyahu Stellung. Er wies den Vorwurf zurück, diese stelle eine mit Terrorismus vergleichbare Bedrohung dar. Nach seinen Worten handele es sich um etwa siebzig Jugendliche aus zerrütteten Familien, die vereinzelt Straftaten wie Sachbeschädigung oder Brandstiftung begingen. Solches Verhalten sei inakzeptabel und werde verfolgt. Gleichzeitig sei jeder Versuch einer Gleichsetzung mit tausenden terroristischen Angriffen auf israelische Zivilisten eine Verzerrung der Realität. Netanyahu erklärte, er strebe ein friedliches Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern in der Region an.
Mit Blick auf die regionale Lage zeigte sich Netanyahu optimistisch. Die Chancen auf eine Erweiterung der Abraham Abkommen seien gut. Iran und seine Stellvertreter hätten massiv an Einfluss verloren. Die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen sei stark geschwächt, die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen nicht mehr dieselbe Kraft, Hamas deutlich dezimiert. Diese veränderte Machtbalance öffne neue Möglichkeiten für Normalisierung, auch mit Saudi Arabien und weiteren muslimischen Staaten.
Abschließend sprach Netanyahu über seinen eigenen Gerichtsprozess und die Diskussion um eine mögliche Begnadigung. Er bezeichnete das Verfahren als politisch motiviert und verwies darauf, dass ihm als Bestechung positive Berichterstattung vorgeworfen werde. Ein Vorwurf, den er als absurd zurückwies.
Auf die Frage nach der zentralen Lehre aus dem 7. Oktober zog Netanyahu einen historischen Vergleich. Wenn jemand ankündigt, dich vernichten zu wollen, müsse man ihm glauben und vorbereitet sein. Israel habe diese Lektion gelernt und werde sie nicht wieder vergessen.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 31 Dezember 2025