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Netanyahu beruft Sicherheitskabinett ein: Israel beobachtet Irans Zerfall und hofft auf Frieden nach dem Regime

Netanyahu beruft Sicherheitskabinett ein: Israel beobachtet Irans Zerfall und hofft auf Frieden nach dem Regime


Während in Iran Menschen ihr Leben riskieren, um das Ende der Diktatur zu erzwingen, reagiert Israel mit erhöhter Wachsamkeit und klaren Worten. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigt Beratungen auf höchster Ebene an, verurteilt das Massaker an Zivilisten und spricht offen von einer Zukunft ohne Feindschaft mit dem persischen Volk.

Netanyahu beruft Sicherheitskabinett ein: Israel beobachtet Irans Zerfall und hofft auf Frieden nach dem Regime

Der Blick Jerusalems richtet sich in diesen Tagen ununterbrochen nach Osten. Die anhaltenden Proteste in Iran, die längst weit über einzelne Städte hinausgewachsen sind, haben in Israel eine neue sicherheitspolitische Lage geschaffen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte an, das Sicherheitskabinett einzuberufen und gemeinsam mit den Spitzen von Militär und Nachrichtendiensten die Lage zu bewerten. Es gehe um Vorbereitung, nicht um Eskalation. Um Klarheit, nicht um Panik.

Die Bewertung der Lage erfolgte bereits im Vorfeld durch die Führung der Israel Defense Forces. Generalstabschef Ejal Zamir machte deutlich, dass die Proteste eine innere Angelegenheit Irans seien, Israel jedoch seine Einsatzbereitschaft erhöhe. Nicht aus Aggression, sondern aus Verantwortung. Wer in dieser Region überleben will, darf sich keine Illusionen leisten.

Netanyahu wählte bei seiner Stellungnahme bewusst einen doppelten Ton. Einerseits ließ er keinen Zweifel daran, dass Israel die brutale Gewalt des Regimes gegen die eigene Bevölkerung scharf verurteilt. Die Berichte über Scharfschützen auf Dächern, über Tote in Krankenhäusern, über Familien, denen selbst die Beerdigung ihrer Kinder verweigert wird, seien ein Verbrechen gegen jedes menschliche Maß. Andererseits sprach er ungewöhnlich offen über Hoffnung. Hoffnung auf ein freies Iran. Hoffnung auf ein Ende der jahrzehntelangen Feindschaft.

Der Ministerpräsident sprach nicht von geopolitischen Vorteilen, nicht von strategischen Gewinnen. Er sprach vom Mut der iranischen Bevölkerung. Von einem Volk, das sich nicht länger einschüchtern lässt. Israel, so Netanyahu, stehe an der Seite jener, die Freiheit fordern, nicht an der Seite jener, die töten, um an der Macht zu bleiben.

Parallel dazu forderte der Vorsitzende des Außen- und Verteidigungsausschusses der Knesset, Boaz Bismuth, eine Sitzung des Unterausschusses für Nachrichtendienste und Verteidigung. Auch hier geht es nicht um Aktionismus, sondern um nüchterne Analyse. Welche Folgen hätte ein geschwächtes oder kollabierendes Regime in Teheran für die Region. Welche Risiken entstehen. Welche Chancen möglicherweise auch.

Netanyahu nutzte die Situation zudem, um einen weiteren, weitreichenden Punkt anzusprechen. Israel, sagte er, habe eine neue Reife erreicht. Wirtschaftlich wie sicherheitspolitisch. In einem Jahrzehnt wolle das Land die milliardenschwere amerikanische Militärhilfe schrittweise beenden und aus eigener Kraft ersetzen. Nicht aus Undankbarkeit, sondern aus Stärke. Israel sei heute in der Lage, seine Sicherheit zunehmend selbst zu finanzieren und zu gestalten.

Diese Aussage ist mehr als eine Haushaltsfrage. Sie ist ein politisches Signal. Israel sieht sich nicht mehr als Bittsteller, sondern als souveräner Akteur, der Verantwortung für seine Verteidigung übernimmt. Gleichzeitig betonte Netanyahu ausdrücklich, dass die enge Bindung an die Vereinigten Staaten, insbesondere unter Präsident Donald Trump, davon unberührt bleibe. Partnerschaft bedeute nicht Abhängigkeit.

Im Kern aber steht etwas anderes im Mittelpunkt. Die Erkenntnis, dass die größte Bedrohung für den Nahen Osten nicht von Völkern ausgeht, sondern von Regimen. Dass Iran nicht gleich Iran ist. Dass zwischen dem persischen Volk und den Mullahs ein Abgrund liegt. Netanyahu formulierte es ungewöhnlich klar: Israel habe keinen Krieg mit den Iranern. Israel habe ein Problem mit einer tyrannischen Führung, die ihre eigene Bevölkerung unterdrückt und ihre Ideologie mit Gewalt exportiert.

Ob diese Proteste das Regime zu Fall bringen werden, weiß niemand. Aber dass sie etwas Grundlegendes verändert haben, ist bereits jetzt sichtbar. In Teheran. In Jerusalem. Und weit darüber hinaus.


Autor: Redaktion
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Sonntag, 11 Januar 2026

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