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Irans innere Unruhe schwächt die Raketenmacht gegen Israel

Irans innere Unruhe schwächt die Raketenmacht gegen Israel


Während das Regime in Teheran ums Überleben kämpft, geraten seine militärischen Fähigkeiten unter Druck. Der frühere Chef der israelischen Marine erklärt, warum ausgerechnet die Massenproteste es für Iran immer schwerer machen, Raketen auf Israel abzufeuern und weshalb ein Sturz des Regimes keineswegs automatisch Frieden bedeutet.

Irans innere Unruhe schwächt die Raketenmacht gegen Israel

Die Bilder aus Iran zeigen brennende Straßen, blockierte Verkehrsachsen und ein Sicherheitsapparat, der mit brutaler Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Was auf den ersten Blick wie ein rein inneriranischer Machtkampf wirkt, hat aus israelischer Sicht eine unmittelbare sicherheitspolitische Dimension. Denn je mehr das Regime gezwungen ist, seine Kräfte nach innen zu binden, desto schwieriger wird es für Teheran, seine militärische Drohkulisse nach außen aufrechtzuerhalten.

Der ehemalige Chef der israelischen Marine, Eliezer Marom, bringt es nüchtern auf den Punkt. Ein Großteil der iranischen Raketen, so Marom, basiert weiterhin auf Flüssigtreibstoff. Diese Systeme können nicht einfach aus tiefen unterirdischen Silos abgefeuert werden. Sie müssen bewegt, betankt und offen in Stellung gebracht werden. Genau hier liegt die Schwachstelle.

In einem Land, in dem Straßen blockiert sind, in dem Demonstrationen jederzeit in Gewalt umschlagen können und in dem selbst Sicherheitskräfte mit Misstrauen betrachtet werden, wird jede größere Militärbewegung zum Risiko. Raketen benötigen Konvois, Begleitfahrzeuge, Treibstofftransporte. All das ist in einem destabilisierten Staat kaum unauffällig zu organisieren. Jeder Stau, jede Straßensperre, jeder spontane Brennpunkt kann eine Operation verzögern oder vollständig verhindern.

Für Israel bedeutet das keine Entwarnung, aber eine veränderte Lage. Marom betont, dass Iran im Ernstfall nicht zwangsläufig Israel als erstes Ziel wählen würde. Amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten seien aus Sicht Teherans mindestens ebenso attraktiv, wenn nicht sogar prioritär. Genau das erhöhe jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Vereinigten Staaten frühzeitig eingreifen, sollte das Regime versuchen, Raketenbewegungen unter den aktuellen Bedingungen durchzuführen.

Gleichzeitig warnt Marom vor gefährlicher Selbsttäuschung. Ein mögliches Ende des aktuellen Regimes garantiere keinen demokratischen Neuanfang. Im Gegenteil. Es bestehe die reale Gefahr, dass die Macht nach einem Zusammenbruch nicht an eine zivile Opposition, sondern an die Revolutionsgarden übergeht. Chaos sei der Normalzustand nach dem Sturz autoritärer Systeme, vor allem dann, wenn es keine geeinte Führung der Opposition gibt.

Der häufig genannte Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, sei keine Figur, die derzeit eine Revolution anführen oder bündeln könne. Anders als 1979, als Ajatollah Chomeini sofort die Macht an sich riss, gebe es heute kein klares Zentrum, keine unangefochtene Führungsfigur. Das öffne Räume für Milizen, Fraktionen und bewaffnete Akteure, die um Kontrolle kämpfen könnten. Marom zieht bewusst den Vergleich zu Syrien. Ein Staat voller Waffen, Raketen und moderner Militärtechnik darf nicht in ein Machtvakuum stürzen.

Besonders brisant ist dabei die schiere Menge an Waffen, die Iran angesammelt hat. Raketen, Drohnen, Präzisionssysteme und Know-how stellen eine Gefahr dar, wenn sie unkontrolliert in die Hände neuer Machthaber oder rivalisierender Gruppen fallen. Für Israel wäre ein solcher Zustand womöglich gefährlicher als ein berechenbares, wenn auch feindliches Regime.

Vor diesem Hintergrund rät Marom zu strategischer Geduld. Israel solle sich nicht in einen direkten Konflikt mit Iran drängen lassen, solange dringendere Bedrohungen näher an den eigenen Grenzen existieren. Der Fokus müsse weiterhin auf dem Norden liegen, auf Libanon und den dortigen militärischen Strukturen. Erst danach könne eine breitere Auseinandersetzung mit Iran sinnvoll diskutiert werden.

Hinzu kommt eine globale Dimension, die nach Einschätzung Maroms unterschätzt wird. Hinter den Kulissen tobt ein harter Kampf um Energie, Handelsrouten und Einfluss. Die jüngsten Entwicklungen in Venezuela, die Beschlagnahmung von Tankern und der Druck auf Irans Schattenflotte seien Teil eines größeren Ringens um Öl, Macht und technologische Vorherrschaft. Diese Konflikte, verbunden mit der Rivalität zwischen den USA und China im Bereich künstlicher Intelligenz, bergen ein explosives Potenzial, das weit über den Nahen Osten hinausreicht.

Für Israel ergibt sich daraus eine paradoxe Lage. Die inneren Erschütterungen in Iran schwächen kurzfristig die militärische Handlungsfähigkeit des Regimes. Gleichzeitig wächst langfristig die Unsicherheit darüber, was danach kommt. Wachsamkeit bleibt Pflicht. Illusionen wären fahrlässig.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Ministry of Defence (GODL-India), GODL-India, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71666503


Montag, 12 Januar 2026

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