Israel warnt Washington vor Irans VerhandlungstricksIsrael warnt Washington vor Irans Verhandlungstricks
Teheran sucht den Dialog mit den USA, doch in Jerusalem schrillen die Alarmglocken. Israels Sicherheitskreise sehen darin keinen diplomatischen Durchbruch, sondern einen gezielten Versuch, Zeit zu gewinnen und einen amerikanischen Militärschlag zu verhindern.
In Jerusalem herrscht ungewöhnliche Klarheit. Die jüngste iranische Annäherung an die Vereinigten Staaten wird dort nicht als Zeichen von Schwäche oder Kompromissbereitschaft gelesen, sondern als kalkuliertes Manöver eines unter Druck geratenen Regimes. Hochrangige israelische Sicherheitsvertreter warnen Washington eindringlich davor, sich auf neue Verhandlungen einzulassen. Die Botschaft ist eindeutig: Der Iran spiele auf Zeit.
Aus israelischer Sicht ist der Zeitpunkt der iranischen Initiative kein Zufall. Das Regime in Teheran steht innenpolitisch massiv unter Druck. Seit Wochen erschüttern Proteste das Land, die Gewalt der Sicherheitskräfte hat hunderte Todesopfer gefordert. Gleichzeitig hat US Präsident Donald Trump den Ton gegenüber dem Iran deutlich verschärft und militärische Optionen offen angesprochen. Genau in diesem Moment greift Teheran zum Instrument, das es seit Jahrzehnten perfektioniert hat: dem Verhandlungsangebot.
Ein bekanntes Muster
In Israels Sicherheitsapparat gilt der Iran als Meister taktischer Diplomatie. Verhandlungen werden nicht geführt, um Lösungen zu finden, sondern um Bedrohungen abzuwehren. Nach Einschätzung israelischer Quellen soll die Kontaktaufnahme des iranischen Außenministers Abbas Araghchi mit dem US Sondergesandten Steve Witkoff vor allem eines erreichen: eine Verzögerung einer möglichen amerikanischen Militärentscheidung.
Dabei sei Teheran sogar bereit, zeitlich begrenzte Zugeständnisse zu machen. Diese würden jedoch keinen strategischen Kurswechsel bedeuten, sondern lediglich ein taktisches Einfrieren einzelner Punkte. In Jerusalem heißt es, man dürfe sich von solchen Signalen nicht täuschen lassen. Ein Sicherheitsvertreter formulierte es intern drastisch: Das sei eine Falle, in die man nicht tappen dürfe.
Enge Abstimmung mit den USA
Gleichzeitig betont Israel, dass es in engem Austausch mit Washington steht. Entscheidungen der amerikanischen Regierung kämen nicht überraschend. Die Koordination zwischen beiden Ländern sei so eng, dass Israel frühzeitig über die Richtung informiert werde, die das Weiße Haus einschlägt. Diese Aussage ist nicht nur Beruhigung nach innen, sondern auch ein Signal nach Teheran: Jerusalem sitzt nicht am Rand, sondern mitten im Entscheidungsprozess.
Trotz der angespannten Lage gehen israelische Sicherheitsanalysten derzeit davon aus, dass ein direkter iranischer Angriff auf Israel eher unwahrscheinlich ist. Das Regime habe kein Interesse an einer offenen Eskalation, solange die Drohung aus Washington im Raum stehe. Dennoch, so betonen Verantwortliche, sei Israel militärisch und zivil auf jedes Szenario vorbereitet.
Ein Regime unter doppeltem Druck
Die iranische Führung versucht, zwei Fronten gleichzeitig zu stabilisieren. Nach innen mit brutaler Repression, nach außen mit diplomatischen Signalen. In Jerusalem wird genau diese Kombination als Zeichen von Schwäche interpretiert. Ein selbstbewusstes Regime, so die Lesart, würde nicht um Gespräche bitten, während es gleichzeitig versucht, Proteste mit Gewalt niederzuschlagen.
Für Israel steht dabei mehr auf dem Spiel als nur die Frage eines möglichen US Militärschlags. Es geht um die grundsätzliche Einschätzung, ob der Iran durch Dialog zu verändern ist oder ob Verhandlungen lediglich dazu dienen, gefährliche Programme zu verschleppen und fortzuführen. Die Antwort, die man in Jerusalem gibt, ist klar und ernüchternd.
Die Warnung bleibt bestehen
Israels Botschaft an die USA ist deshalb unmissverständlich. Neue Gespräche dürften nicht dazu führen, den Druck von Teheran zu nehmen. Jede Verzögerung spiele dem Regime in die Hände. Der Iran wolle Zeit, um die Proteste zu überstehen, seine Position zu stabilisieren und anschließend gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
Ob Washington dieser Warnung folgt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Klar ist jedoch schon jetzt: Israel wird jede Bewegung im Verhältnis zwischen den USA und dem Iran genau beobachten. Denn aus Jerusalemer Sicht entscheidet sich in diesen Wochen nicht nur die Zukunft der iranischen Proteste, sondern auch die sicherheitspolitische Balance der gesamten Region.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181410950
Dienstag, 13 Januar 2026