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Beerdigung von Ran Gvili in Meitar beendet 843 Tage des Wartens

Beerdigung von Ran Gvili in Meitar beendet 843 Tage des Wartens


Mit der Ankunft des Sarges von Ran Gvili in seiner Heimatstadt Meitar endet die Zeit der israelischen Geiseln in Gaza. Tausende begleiten den letzten Weg eines jungen Mannes, der am 7. Oktober kämpfte, rettete und nicht zurückkehrte.

Beerdigung von Ran Gvili in Meitar beendet 843 Tage des Wartens

Am Mittwochnachmittag erreicht der Sarg von Stabsfeldwebel Ran Gvili seine Heimatstadt Meitar im Negev. Tausende Menschen säumen die Straßen Süd-Israels, stehen schweigend, viele mit israelischen Fahnen, als der Konvoi vorbeifährt. Mit seiner Beerdigung endet eine Phase, die das Land über zwei Jahre geprägt hat. Ran Gvili ist der letzte israelische Geisel, dessen sterbliche Überreste aus Gaza zurückgebracht wurden.

Die Beerdigung markiert nicht nur einen persönlichen Abschied für seine Familie, sondern einen nationalen Einschnitt. 843 Tage nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 ist kein Israeli mehr in Gefangenschaft im Gazastreifen. Der Preis dafür wird an diesem Tag in Meitar sichtbar.

Ran Gvili war Polizist der Eliteeinheit Yasam. Am Morgen des 7. Oktober befand er sich in einem Krankenhaus und wartete auf eine Operation an seiner verletzten Schulter, als die ersten Meldungen über den Angriff eintrafen. Er fuhr nach Hause, zog seine Uniform an und schloss sich den Einsatzkräften an, die in Richtung Kibbutz Alumim unterwegs waren.

Dort beteiligte er sich an Gefechten mit Terroristen, rettete nach Angaben der Sicherheitskräfte rund hundert Menschen, die vom Nova-Musikfestival geflohen waren, und tötete mehrere Angreifer. In einer letzten Nachricht an einen Freund schrieb er, dass er am Bein getroffen worden sei. Danach brach der Kontakt ab.

Im Januar 2024 erklärten die israelischen Streitkräfte ihn auf Grundlage nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für tot. Seine Familie lebte dennoch weiter zwischen Hoffnung und Gewissheit, zwischen Warten und Realität.

Seine sterblichen Überreste wurden Anfang dieser Woche in einem Friedhof in Gaza-Stadt gefunden und nach Israel gebracht. Nach militärischer Einschätzung wurde Gvili von palästinensischen Terroristen gemeinsam mit anderen Kämpfern begraben, ohne dass ihnen bewusst war, wen sie dort verscharrten.

Bei der Trauerfeier in Meitar sprechen zunächst seine Eltern. Seine Mutter Talik richtet sich direkt an ihren Sohn. Sie dankt allen, die an der Suche nach ihm beteiligt waren, und beschreibt, wie sie seit dem Tag seiner Entführung an der Hoffnung festgehalten habe, dass er lebend zurückkehren könnte. Diese Hoffnung habe sie getragen, bis zum Schluss.

Sie spricht von ihrem Sohn als einem Menschen, der Verantwortung übernommen habe, ohne zu zögern, und dessen Name in den vergangenen zwei Jahren immer wieder gefallen sei, wenn über gefallene Kämpfer gesprochen wurde. Ran sei zu einem Kind des ganzen Landes geworden.

Sein Vater Itzik spricht über die Zahl 250, die in der jüdischen Zahlenlehre mit dem Namen seines Sohnes übereinstimmt. Ran sei der 250. Gefallene, dessen sterbliche Überreste zurückgebracht wurden. Selbst der Militärbereich des Friedhofs sei erst wenige Tage zuvor fertiggestellt worden. Für ihn bleibe sein Sohn ein Teil jedes Augenblicks seines Lebens.

An der Beerdigung nehmen Staatspräsident Isaac Herzog und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teil. Netanjahu spricht von einem jüdischen Begräbnis, das dem Land lange verwehrt gewesen sei. Die Rückführung Rans bedeute das Ende der israelischen Geiseln in Gaza. Alle seien heimgekehrt, die Lebenden wie die Toten.

Er beschreibt den Einsatz der Soldaten, die Ran fanden, als Moment tiefer Erschütterung. Ohne Glauben hätte man nicht gehandelt, ohne Handeln hätte man ihn nicht gefunden. Mit seiner Rückkehr sei etwas abgeschlossen worden, das das Land seit Oktober 2023 begleitet habe.

Der Ministerpräsident richtet zugleich eine deutliche Botschaft an Israels Feinde. Wer die Hand gegen Israel erhebe, werde einen Preis zahlen, der nicht tragbar sei.

Staatspräsident Herzog bittet die Familie und das Land um Vergebung. Er entschuldigt sich dafür, dass es so lange gedauert habe, Ran nach Hause zu bringen. Als Präsident des Staates Israel bitte er um Verzeihung dafür, dass man nicht rechtzeitig bei ihm gewesen sei.

Zugleich fordert Herzog eine umfassende Untersuchung des 7. Oktober. Die Rückkehr Rans müsse Verpflichtung sein, die Wunden offen zu betrachten, Verantwortung zu klären und Lehren zu ziehen, um die Zukunft des Landes zu sichern.

Auch Rans Geschwister sprechen. Sein Bruder Omri erinnert an ihre enge Verbindung und an das letzte Telefongespräch am Morgen des Angriffs. Ran habe gesagt, er sei mitten in einem Einsatz und werde später zurückrufen. Dieser Anruf sei nie gekommen.

Seine Schwester Shira spricht von den zwei Jahren des Wartens, vom Verlust der eigenen Orientierung, von alltäglichen Momenten, die seitdem schmerzen. Am Ende spielt sie eine Sprachnachricht ihres Bruders ab, in der er sagt, dass alles gut werde. So wolle sie ihn in Erinnerung behalten.

Ran Gvili war 24 Jahre alt. Er spielte Gitarre, fuhr Motorrad und arbeitete in seiner Freizeit als Hobbyhandwerker. Er hinterlässt seine Eltern, einen Bruder und eine Schwester.

Beim Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 wurden rund 1.200 Menschen ermordet. 252 Israelis und Ausländer wurden in den Gazastreifen verschleppt. Mit der Rückführung von Ran Gvili endet dieses Kapitel formal. Für viele Familien bleibt es dennoch offen.

Die Beerdigung in Meitar ist kein Abschluss im emotionalen Sinn. Sie ist ein Punkt hinter einer Gewissheit, die niemand wollte, aber alle ertragen müssen.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: GPO


Mittwoch, 28 Januar 2026

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