Israir greift an: Israels Luftfahrt stellt sich neu aufIsrair greift an: Israels Luftfahrt stellt sich neu auf
Mit dem Einstieg in Langstreckenflüge nach Nordamerika und Asien beginnt für den israelischen Luftverkehr eine neue Phase. Israir verlässt die Komfortzone und stellt ein jahrelanges Monopol offen infrage.
Die Fluggesellschaft Israir kündigt an, künftig selbst Langstreckenflüge in die Vereinigten Staaten und nach Ostasien anzubieten. Damit betritt erstmals eine weitere israelische Airline dauerhaft ein Terrain, das über Jahre hinweg fast ausschließlich von El Al geprägt wurde.
Der Schritt ist strategisch, wirtschaftlich und politisch bedeutsam zugleich. Israir plant den Aufbau einer eigenen Flotte von Großraumflugzeugen und will damit Direktverbindungen zu zentralen Zielen in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum ermöglichen. Genannt werden unter anderem New York und Miami sowie Destinationen wie Japan, Thailand, die Philippinen, Hongkong und weitere wachstumsstarke Märkte im Fernreisebereich.
Für Israels Passagiere bedeutet das vor allem eines: mehr Auswahl. Für den Markt jedoch bedeutet es einen Paradigmenwechsel.
Bislang war das Angebot an Direktflügen zu weit entfernten Zielen begrenzt. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen zeigte sich, wie verwundbar diese Struktur ist. Fielen ausländische Airlines aus Sicherheitsgründen aus, blieb häufig nur eine einzige israelische Option. Die Folge waren hohe Preise, geringe Flexibilität und eine starke Abhängigkeit von wenigen Kapazitäten.
Israir greift dieses strukturelle Problem nun frontal an.
Kern der neuen Strategie ist der Aufbau einer eigenen Einheit für Langstreckenverbindungen, die als eigenständiger Geschäftsbereich geführt werden soll. Die Verantwortung dafür übernimmt Joav Weiss, ein erfahrener Luftfahrtmanager mit langjähriger internationaler Erfahrung. Er war unter anderem für Virgin Atlantic in Israel tätig und bekleidete zuvor mehrere Führungspositionen bei El Al, darunter in Nordamerika, Europa und Asien. Die Wahl ist kein Zufall. Israir signalisiert damit klar, dass es nicht um ein Experiment geht, sondern um einen dauerhaften Markteintritt.
Aktuell betreibt die Airline rund zwanzig Schmalrumpfflugzeuge für Kurz- und Mittelstrecken. In einem ersten Schritt sollen zwei Großraumflugzeuge hinzukommen. Perspektivisch ist der Aufbau einer Flotte von bis zu sechs Maschinen vorgesehen. Damit würde Israir technisch und operativ in eine völlig neue Kategorie aufsteigen.
Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Die Nachfrage israelischer Reisender nach Fernzielen ist seit dem Ende der Pandemie stark gestiegen. Gleichzeitig wächst das strategische Bedürfnis des Staates nach stabiler ziviler Luftanbindung unabhängig von politischen Stimmungen im Ausland. Direkte Flugverbindungen sind längst nicht mehr nur ein Komfortfaktor, sondern Teil nationaler Infrastruktur.
Dass dieser Schritt nun aus dem israelischen Markt selbst kommt, ist kein Zufall. In den vergangenen Monaten hatte bereits Arkia neue Direktverbindungen nach Südostasien aufgenommen und damit erstmals Bewegung in einen lange erstarrten Bereich gebracht. Israir geht nun deutlich weiter und macht klar, dass der Wettbewerb um die Erinnerung Israels an die Welt nicht länger von einem einzigen Anbieter bestimmt werden soll.
Für El Al bedeutet dies wachsenden Druck. Für den Markt insgesamt bedeutet es eine notwendige Korrektur. Wettbewerb kann Preise stabilisieren, Kapazitäten ausweiten und Abhängigkeiten reduzieren. Vor allem aber stärkt er Israels wirtschaftliche Resilienz.
In einer Region, in der politische Entwicklungen jederzeit Auswirkungen auf internationale Verkehrsströme haben können, ist eine breite israelische Luftfahrtbasis kein Luxus, sondern eine sicherheitspolitische Notwendigkeit.
Israir sendet mit dieser Entscheidung ein deutliches Signal: Israel will offen bleiben, erreichbar bleiben und selbst Verantwortung für seine Verbindung zur Welt übernehmen. Nicht durch politische Appelle, sondern durch konkrete Infrastruktur.
Ob und wie schnell sich das ambitionierte Projekt wirtschaftlich trägt, wird sich zeigen. Doch schon jetzt steht fest: Der israelische Luftverkehr ist in Bewegung geraten. Und diese Bewegung kommt von innen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Aktug Ates - https://www.jetphotos.com/photo/7343684, GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20293775
Dienstag, 03 Februar 2026