Israel tötet neuen Hamas-Militärchef nur Tage nach seinem Vorgänger

Israel tötet neuen Hamas-Militärchef nur Tage nach seinem Vorgänger


Mohammed Ouda soll während des Massakers vom 7. Oktober eine zentrale Geheimdienstrolle in der Hamas gespielt haben. Sein Tod zeigt Israels tiefe Durchdringung der Terrororganisation, löst das Gaza-Problem aber nicht allein.

Israel tötet neuen Hamas-Militärchef nur Tage nach seinem Vorgänger
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die israelische Armee und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet haben die Tötung von Mohammed Ouda bestätigt, dem erst kürzlich eingesetzten neuen Chef des militärischen Arms der Hamas. Der Schlag erfolgte in Gaza-Stadt, nur elf Tage nachdem Israel bereits Oudahs Vorgänger Iz al-Din al-Hadad getötet hatte. Damit verliert die Hamas innerhalb kürzester Zeit erneut eine zentrale Figur ihrer militärischen Führung.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz hatten den Angriff bereits am Dienstagabend bekanntgegeben. Am Mittwoch bestätigten IDF und Shin Bet nach einer Auswertung der Ergebnisse, dass Ouda bei dem Angriff getötet wurde. Nach israelischen Angaben griff die Luftwaffe mehrere Gebäude an, die zu einem Netzwerk möglicher Verstecke Oudahs gehörten. Ziel war es offenbar, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass er tatsächlich getroffen wird. Parallel soll auch einer seiner engsten Helfer angegriffen worden sein, der ebenfalls am Massaker vom 7. Oktober beteiligt gewesen sein soll.

Ouda war nach israelischer Darstellung nicht irgendein Hamas-Funktionär. Er soll während des Massakers vom 7. Oktober als Leiter des militärischen Geheimdienstes der Qassam-Brigaden gedient haben. In dieser Rolle war er demnach tief in die operative Planung der Hamas, in die Auswertung israelischer Militärbewegungen und in die Kriegsführung der Terrororganisation eingebunden. Dass Israel ihn so kurz nach seinem Aufstieg an die Spitze des militärischen Arms lokalisieren und töten konnte, spricht für eine erhebliche nachrichtendienstliche Durchdringung der Hamas-Strukturen.

Der Name Ouda reiht sich damit in eine lange Liste getöteter Hamas-Führer ein. Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel mehrere Spitzenfiguren der Terrororganisation ausgeschaltet, darunter Yahya Sinwar, Mohammed Deif, Mohammed Sinwar, Ismail Haniyeh und weitere hochrangige Akteure. Für die Hamas ist das nicht nur ein personeller Verlust. Es bedeutet auch, dass ihre Führung kaum noch sichere Räume hat und dass Aufstieg innerhalb der Organisation inzwischen selbst ein hohes Todesrisiko bedeutet.

Trotzdem wäre es falsch, aus diesem Erfolg einen schnellen strategischen Durchbruch abzuleiten. Israel kann Hamas-Führer töten, Kommandostrukturen zerstören und operative Fähigkeiten schwächen. Doch die Grundfrage bleibt bestehen: Wird die Hamas entwaffnet, und wer kontrolliert Gaza dauerhaft? Seit der Feuerpause vom Oktober 2025 besteht weiterhin Streit darüber, ob und in welchem Umfang die Hamas ihre Waffen abgeben muss. Die Terrororganisation hat sich nach bisherigen Berichten nur zu einer teilweisen Entwaffnung bereit gezeigt und verknüpft dies mit israelischen Rückzügen sowie dem Beginn eines umfassenden Wiederaufbaus.

Israel dagegen verlangt mindestens eine weitgehende, wenn nicht vollständige Entwaffnung, bevor es solche Schritte akzeptiert. Dieser Gegensatz bleibt der Kern des Konflikts. Solange Hamas Waffen, Kommandostrukturen, Tunnelreste, Kämpfer und politischen Einfluss behält, bleibt Gaza eine Bedrohung für Israel. Die Tötung Oudahs schwächt die Organisation, sie ersetzt aber keine politische und militärische Lösung für den Tag danach.

Bemerkenswert ist auch die Geschwindigkeit, mit der Hamas offenbar gezwungen war, nach jedem Verlust neue Führungsfiguren zu benennen. Ouda soll bereits früher als möglicher Nachfolger für Mohammed Sinwar im Gespräch gewesen sein, die Rolle damals aber abgelehnt haben. Nun wurde er nach dem Tod al-Hadads offenbar doch an die Spitze gehoben. Dass Israel ihn nur wenige Tage später traf, zeigt, wie eng der Handlungsspielraum der verbliebenen Hamas-Spitze geworden ist.

Nach ausländischen Berichten soll nur noch Imad Aqel, der für die innere Front zuständig ist, aus dem engsten Führungszirkel übrig sein, ohne selbst an der Planung des 7. Oktober beteiligt gewesen zu sein. Falls diese Einschätzung zutrifft, wäre die alte Hamas-Führung, die das Massaker vorbereitet und getragen hat, weitgehend zerschlagen. Das ist für Israel ein wichtiger militärischer und moralischer Punkt. Die Täter des 7. Oktober sollen nicht einfach in einer neuen Ordnung untertauchen können.

Ouda war seit Jahrzehnten Teil der Hamas. Seine Laufbahn begann bereits im Umfeld der Ersten Intifada. Er diente später unter Mohammed Deif, der den militärischen Arm der Hamas während des 7. Oktober führte und im Juli 2024 nach jahrelangen vergeblichen Versuchen von Israel getötet wurde. Auch Ouda soll mehrere frühere Tötungsversuche überlebt haben, weil er sich zum Zeitpunkt der Angriffe nicht am Zielort befand.

Dass es Israel nun gelungen ist, ihn zu treffen, ist ein deutlicher Erfolg für IDF und Shin Bet. Doch dieser Erfolg muss nüchtern bewertet werden. Die Hamas ist schwer getroffen, aber sie ist nicht verschwunden. Sie kann versuchen, neue Kommandeure aufzubauen, lokale Zellen zu reaktivieren und den Wiederaufbau Gazas politisch für sich zu nutzen. Genau deshalb wird Israel weiter darauf bestehen, dass jede politische Regelung die militärische Entmachtung der Hamas einschließt.

Für die Familien der Opfer des 7. Oktober ist die Tötung Oudahs ein weiterer Schritt der Gerechtigkeit. Für Israel ist sie ein Signal, dass die Verantwortlichen des Massakers nicht sicher sind. Für die Hamas ist sie ein Zeichen, dass ihre Führungsschicht weiter ausgedünnt wird. Doch für die Zukunft Gazas bleibt die entscheidende Frage offen: Wer verhindert, dass nach jedem getöteten Kommandeur der nächste an seine Stelle tritt?

Thematische Einordnung



Autor: Redaktion
Mittwoch, 27 Mai 2026

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