Drohnenangriff im Norden: „Er verfolgte uns und explodierte hinter uns“

Drohnenangriff im Norden: „Er verfolgte uns und explodierte hinter uns“


Ein Mitglied der Bereitschaftseinheit von Goren schildert erstmals den Angriff, bei dem Soldatin Rotem Yanai getötet wurde. Seine Worte zeigen, wie unerträglich Israels Norden unter Hisbollah-Drohnen geworden ist.

Drohnenangriff im Norden: „Er verfolgte uns und explodierte hinter uns“
Bildnachweis: Symbolbild

Die Bedrohung durch HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Drohnen ist für die Menschen im Norden Israels keine abstrakte militärische Lage mehr. Sie ist ein Geräusch am Himmel, ein Alarm auf dem Telefon, ein kurzer Blick nach oben und manchmal nur noch Sekunden bis zur Explosion. Yakir Prati, Mitglied der Bereitschaftseinheit des Moschav Goren, hat diese Sekunden überlebt. Seine Kameradin, die 20 Jahre alte Soldatin Rotem Yanai, wurde bei dem Drohnenangriff im Raum Shomera getötet. Prati und sein Kamerad Tamir Machlouf wurden verletzt. Nun schildert Prati erstmals vom Krankenhausbett aus, wie der Angriff ablief.

Prati war gemeinsam mit Machlouf zunächst zu einem Brand in der Nähe von Even Menachem gerufen worden. Nachdem sie dort geholfen und den Wassertank ihres Löschfahrzeugs wieder aufgefüllt hatten, erhielten sie einen weiteren Einsatzbefehl. In einem Militärbereich bei Shomera war nach einem Drohneneinschlag ein Feuer ausgebrochen. Es bestand die Sorge, dass Soldaten in Gefahr waren. Die beiden Männer fuhren zum Eingang des Stützpunkts und warteten auf die Erlaubnis, hineinzufahren.

Zu diesem Zeitpunkt lief dort bereits der Drohnenangriff, bei dem Rotem Yanai, eine Soldatin der Givati-Brigade, getötet wurde. Prati und Machlouf wollten helfen. Sie hatten noch nicht einmal die eigentliche Einsatzstelle erreicht, als die nächste Gefahr auf sie zukam. Machlouf erkannte die Drohne von links. Prati rief ihm zu, er solle beschleunigen und versuchen, auszuweichen. Doch die Zeit reichte nicht. „Nach zwanzig Sekunden hatte sie uns erfasst, verfolgte uns und explodierte hinter uns“, berichtete Prati.

Diese Aussage beschreibt die neue Härte an Israels Nordfront. Es geht nicht mehr nur um Raketen, die aus der Ferne abgefeuert werden, oder um Artillerie aus dem Libanon. Hisbollah setzt zunehmend auf Drohnen, die Ziele erkennen, verfolgen und auch kleine Fahrzeuge, Einsatzkräfte oder Soldaten treffen können. Prati sagte, sobald eine solche Drohne ein Ziel erfasst habe, bleibe kaum noch eine Möglichkeit. „Wenn sie sich auf ein Ziel aufschalten, kannst du nichts mehr machen“, erklärte er.

Die Explosion schleuderte den Geländewagen um. Prati schilderte, das Fahrzeug habe sich überschlagen, er und Machlouf seien auf die Straße geschleudert worden. Beide kamen zunächst wieder auf die Beine. Prati suchte nach seinem Kameraden, Machlouf suchte nach ihm. In diesen Momenten entschied schnelle Hilfe über Leben und Tod. Ein Soldat, der den Angriff beobachtet hatte, rannte zu den Verletzten, legte Verbände an und setzte Tourniquets, um die Blutungen zu stoppen. Prati sagt heute klar, dass dieser Soldat ihnen das Leben gerettet habe.

Auch nach dem Einschlag war die Gefahr nicht vorbei. Prati berichtet, dass noch 30 bis 40 Minuten lang weitere Warnungen folgten. Drohne nach Drohne. Die Verletzten mussten warten, während um sie herum die Bedrohung aus der Luft weiterging. Tamir Machlouf, 28 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Kindes, dessen Frau hochschwanger ist, wurde schwerer verletzt und im Galilee Medical Center behandelt.

Der Fall macht sichtbar, was die nüchterne Sprache militärischer Lageberichte oft verdeckt. Hinter jeder Meldung über „verdächtige Luftziele“, „Einschläge in offenem Gelände“ oder „keine Verletzten“ stehen Menschen, die seit Monaten in einem zermürbenden Ausnahmezustand leben. Bereitschaftseinheiten in den Grenzorten übernehmen Aufgaben, die weit über normale zivile Sicherheit hinausgehen. Sie löschen Brände nach Einschlägen, sichern Kindergärten, reagieren auf Alarme, helfen Soldaten und Zivilisten. Zugleich sind sie selbst Ziel einer immer gefährlicheren Drohnenbedrohung.

Prati weist darauf hin, dass die Bereitschaftseinheit seines Ortes im Jahr 2024 noch 28 Mitglieder hatte. Heute seien es nur noch etwa zehn. Die Aufgaben seien aber nicht weniger geworden. Im Gegenteil. Die Gefahr sei näher, häufiger und unberechenbarer. Trotzdem sagt er, man tue alles, was nötig sei, für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und um Menschen zu retten. Diese Haltung verdient Respekt. Sie darf aber nicht zur Ausrede werden, die Menschen im Norden weiter in einer unzumutbaren Lage leben zu lassen.

Hisbollah versucht, genau diesen Zustand zu erzeugen: ständige Alarmbereitschaft, Erschöpfung, Unsicherheit, das Gefühl, dass kein Ort mehr wirklich geschützt ist. Die Drohne, die Prati und Machlouf traf, war nicht nur eine Waffe. Sie war Teil einer Strategie. Sie sollte Helfer treffen, Rettung erschweren und zeigen, dass selbst diejenigen, die nach einem Angriff zur Hilfe eilen, selbst zum Ziel werden können.




Autor: Redaktion
Sonntag, 31 Mai 2026

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