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Maxim Herkin veröffentlicht sein geheimes Tagebuch aus Hamas-Gefangenschaft

Maxim Herkin veröffentlicht sein geheimes Tagebuch aus Hamas-Gefangenschaft


738 Tage hielt Maxim Herkin in Gaza ein gefährliches Geheimnis verborgen: Er war Offizier der IDF. Nun macht der frühere Hamas-Geisel sein Tagebuch öffentlich.

Maxim Herkin veröffentlicht sein geheimes Tagebuch aus Hamas-Gefangenschaft
Bildnachweis: Symbolbild

Maxim Herkin hat überlebt, weil er schwieg, beobachtete und ein Geheimnis bewahrte, das ihn in den Händen der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen das Leben hätte kosten können. Der heute 37 Jahre alte Israeli, der am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen beim Nova-Festival nahe Re’im verschleppt wurde und erst nach 738 Tagen aus der Gefangenschaft zurückkehrte, hat nun auf Hebräisch ein Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel „יוצא לאור: יומן השבי של הקצין ששמר סוד“, sinngemäß: „Alles kommt ans Licht: Das Gefangenschaftstagebuch des Offiziers, der ein Geheimnis bewahrte“. Es ist ein Buch über Gefangenschaft, Angst, Willenskraft und die Frage, wie ein Mensch in der Dunkelheit seine Identität schützt, wenn genau diese Identität ihn noch verwundbarer machen könnte.

Nach Angaben der Buchseiten erschien das Werk beim Verlag Kinneret Zmora Dvir. Es wird in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen als persönliches Zeugnis eines Überlebenden der Hamas-Gefangenschaft vorgestellt. Herkin selbst beschrieb die Veröffentlichung als einen Moment, in dem eine Geschichte, die lange in ihm gelebt habe, endlich zu einem Buch geworden sei. Er hoffe, dass die Seiten Menschen berühren und ihnen etwas Echtes vermitteln. Diese Worte klingen zurückhaltend. Doch hinter ihnen steht eine Erfahrung, die kaum in gewöhnliche Sprache passt: mehr als zwei Jahre unter der Kontrolle einer Terrororganisation, in Tunneln, unter Drohungen, von Israel abgeschnitten und zugleich innerlich gezwungen, wach zu bleiben.

Herkin wurde beim Massaker der Hamas am Nova-Musikfestival verschleppt. Er hatte das Festival mit Freunden besucht. Matías und Einav Burstein wurden während des Angriffs ermordet, als sie zu fliehen versuchten. Kurz bevor Herkin selbst in die Hände der Terroristen fiel, traf er nach hebräischen Berichten eine Entscheidung, die für sein Überleben entscheidend gewesen sein könnte: Er warf seine Militärkarte und sein Telefon weg. Seine Familie hielt später geheim, dass er Offizier der israelischen Streitkräfte war, aus Angst, diese Information könne seine Lage in der Gefangenschaft verschlimmern. In den Händen der Hamas durfte er nicht der sein, der er war.

Dieser Punkt macht seine Geschichte besonders. Viele Geiseln mussten überleben, indem sie sich an Erinnerungen, Hoffnungen und kleine Zeichen von Menschlichkeit klammerten. Herkin musste zusätzlich seine militärische Identität verbergen. Die Hamas durfte nicht wissen, dass sie nicht nur einen israelischen Zivilisten vom Festival verschleppt hatte, sondern einen Offizier. In einem System der Geiselhaft, in dem jede Information als Druckmittel dienen kann, bedeutete Schweigen Schutz. Es war keine passive Haltung, sondern eine Form des Widerstands. Er musste Worte abwägen, Reaktionen kontrollieren, Fragen ausweichen und zugleich versuchen, nicht innerlich zu zerbrechen.

Hebräische Berichte über sein erstes großes Interview nach der Freilassung schildern, wie brutal diese Gefangenschaft war. Herkin berichtete demnach, dass seine Entführer ihm auf den Rücken Worte schrieben, die auf Vergeltung anspielten. Er erzählte auch von Misshandlungen und davon, dass die Geiseln zeitweise versuchten, heimlich israelisches Radio zu empfangen. Dafür nutzten sie Kabel von Lampen als improvisierte Antenne. Das funktionierte nur, wenn das Licht ausgeschaltet war. Dieses Detail ist erschütternd, weil es die ganze Wirklichkeit der Geiselhaft in einem Bild bündelt: Menschen sitzen im Dunkeln, um aus der Welt draußen ein paar Worte ihres Landes zu hören.

Solche Momente erklären, warum das Tagebuch mehr ist als ein persönlicher Bericht. Es ist ein Dokument über das Überleben unter Terrorherrschaft. Die Hamas wollte die Geiseln nicht nur festhalten. Sie wollte sie von ihrer Welt trennen, sie verängstigen, sie als Verhandlungsmasse benutzen und ihre Familien quälen. Jeder heimlich gehörte Radiosatz, jede bewahrte Erinnerung, jede versteckte Notiz widersprach diesem Ziel. Herkins Tagebuch steht deshalb für etwas, das die Hamas nicht kontrollieren konnte: den inneren Raum eines Menschen, der sich nicht vollständig nehmen ließ.

Dass er während der Gefangenschaft Notizen machte oder ein Tagebuch versteckte, ist von besonderer Bedeutung. Schreiben unter solchen Umständen ist gefährlich. Ein gefundenes Blatt hätte Verdacht auslösen, Strafen nach sich ziehen oder seine wahre Identität gefährden können. Doch gerade deshalb ist dieses Schreiben so stark. Es war der Versuch, Wirklichkeit festzuhalten, während die Terroristen die Wirklichkeit der Geiseln bestimmen wollten. Es war eine stille Form der Ordnung in einer Welt, die auf Erniedrigung, Willkür und Angst gebaut war.

Nach seiner Freilassung am 13. Oktober 2025 wurde bekannt, dass Herkin zeitweise mit weiteren Geiseln zusammen war, darunter Ohad Ben Ami, Elkana Bohbot und Bar Kuperstein. Solche Namen stehen inzwischen für einzelne Schicksale, aber auch für eine nationale Wunde. Israel kennt die Gesichter der Geiseln, die Geschichten ihrer Familien, die leeren Stühle, die Geburtstage in Abwesenheit, die Videos, die Drohungen und die quälende Ungewissheit. Herkins Buch fügt dieser kollektiven Erinnerung eine persönliche Stimme hinzu. Es erzählt nicht nur, dass Menschen verschleppt wurden. Es zeigt, wie ein Mensch Tag für Tag versuchte, in der Gefangenschaft Mensch zu bleiben.

Der Blick auf Herkins Herkunft gibt dieser Geschichte eine weitere Tiefe. Laut Buchbeschreibung ist er aus der Ukraine nach Israel eingewandert. Seine jüdische und israelische Identität wurde nicht im Komfort geschützt, sondern in einer Extremsituation geprüft. Die Hamas entführte ihn als Israeli und Jude. Doch was sie nicht auslöschen konnte, war genau das, was ihre Gewalt treffen wollte: Zugehörigkeit, Erinnerung, Verantwortungsgefühl und die Entscheidung, nicht aufzugeben.

Mehrere ehemalige Geiseln haben begonnen, über ihre Zeit in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen zu schreiben. Eli Sharabi, Aviva Siegel und andere Überlebende versuchen, Erfahrungen in Worte zu fassen, die eigentlich gegen jede Sprache stehen. Für viele ist das Schreiben ein Teil der Rückkehr ins Leben. Es bedeutet nicht, dass die Wunden geschlossen sind. Es bedeutet, dass die Opfer nicht zulassen, dass die Hamas das letzte Wort über ihre Geschichte behält.

Für die israelische Gesellschaft sind solche Zeugnisse unverzichtbar. Die Welt spricht oft schnell über Zahlen, Verhandlungen, Feuerpausen, Gefangenenaustausch und diplomatische Formeln. Doch hinter jedem politischen Begriff steht ein Mensch, der in einem Tunnel saß, der Hunger, Angst, Demütigung oder Schmerzen erlebte, der nicht wusste, ob er seine Familie wiedersehen würde. Herkins Tagebuch zwingt dazu, die Geiselfrage nicht als Kapitel eines größeren Konflikts zu behandeln, sondern als das, was sie ist: ein Verbrechen an Menschen, die aus ihrem Leben gerissen und von einer Terrororganisation als Ware benutzt wurden.

Die Geschichte macht auch deutlich, wie falsch jede Verharmlosung der Hamas ist. Wer Geiseln in Tunneln hält, sie misshandelt, psychisch bricht, als Faustpfand benutzt und ihre Familien über Monate oder Jahre in Qual versetzt, ist keine politische Befreiungsbewegung. Die Hamas ist eine Terrororganisation. Herkins Bericht und die Berichte anderer Überlebender zeigen, was diese Bezeichnung konkret bedeutet. Sie bedeutet nicht nur Raketen und Massaker. Sie bedeutet auch Dunkelheit, Gefangenschaft, erzwungenes Schweigen und die systematische Entwürdigung einzelner Menschen.

Dass Herkin sein Buch „Kommt ans Licht“ nennt, ist deshalb mehr als ein Titel. Es ist eine Antwort auf die Dunkelheit der Tunnel. Was versteckt werden musste, wird nun ausgesprochen. Was die Hamas kontrollieren wollte, wird öffentlich. Was in der Gefangenschaft nur heimlich existieren durfte, wird Teil der israelischen Erinnerung. Das Licht ist hier kein billiges Bild, sondern eine präzise Gegenbewegung: gegen das Verstecken, gegen die Lüge, gegen die Gewalt und gegen die Anmaßung der Terroristen, über das Leben anderer verfügen zu dürfen.

Noch liegt das Buch nur auf Hebräisch vor. Herkin hofft nach den Berichten auf eine spätere englische Ausgabe. Eine deutsche Ausgabe wäre ebenso wichtig. Gerade in Deutschland muss verstanden werden, was der 7. Oktober und die Geiselhaft in Gaza für Israel bedeuten. Nicht als abstraktes Nahostthema, nicht als Material für politische Relativierung, sondern als menschliche und nationale Erschütterung. Herkins Tagebuch ist ein Zeugnis aus der Tiefe dieser Erschütterung.

Am Ende steht die Würde eines Mannes, der in der Gewalt der Hamas seine Wahrheit bewahrte. Maxim Herkin überlebte nicht, weil die Terroristen Menschlichkeit zeigten. Er überlebte, weil er sich selbst nicht aufgab, weil er sein Geheimnis schützte, weil er beobachtete, schwieg, hoffte und irgendwann zurückkehrte. Jetzt spricht er. Und genau darin liegt die Kraft dieses Buches: Die Hamas wollte ihn zum Objekt machen. Sein Tagebuch macht ihn wieder zum Erzähler seiner eigenen Geschichte.




Autor: Redaktion
Dienstag, 02 Juni 2026

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