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Trump beschimpft Netanyahu und Iran spielt weiter auf Zeit

Trump beschimpft Netanyahu und Iran spielt weiter auf Zeit


Donald Trump bestätigt einen harten Anruf mit Benjamin Netanyahu wegen israelischer Angriffe im Libanon. Dahinter steht ein größeres Problem: Teheran hält Washington wieder hin, ohne seine Linie erkennbar zu ändern.

Trump beschimpft Netanyahu und Iran spielt weiter auf Zeit
Bildnachweis: The White House / Quelle

US-Präsident Donald Trump hat bestätigt, dass er Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in einem angespannten Telefonat wegen der israelischen Angriffe im Libanon scharf attackiert hat. In einem Interview mit „Pod Force One“ der New York Post räumte Trump ein, Netanyahu als „verrückt“ bezeichnet zu haben. Zugleich betonte er, er sei nicht wirklich wütend gewesen, sondern „etwas verärgert“ über Netanyahus ständiges Kämpfen im Libanon. Danach fügte er hinzu, er möge „Bibi“ sehr. Er sei ein Präsident in Kriegszeiten, Netanyahu ein Regierungschef in Kriegszeiten.

Der Satz ist typisch Trump: grob, persönlich, theatralisch und dennoch politisch aufschlussreich. Denn hinter der Beschimpfung steht ein echter Konflikt zwischen Washington und JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen. Trump will verhindern, dass israelische Angriffe auf Beirut oder auf Ziele der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon seine laufenden Bemühungen gegenüber Iran gefährden. Netanyahu dagegen steht vor einer anderen Realität: Die Hisbollah bedroht den Norden Israels, wird von Iran gestützt und nutzt jede Pause, um sich neu zu ordnen. Für Jerusalem ist Zurückhaltung nur dann vertretbar, wenn daraus Sicherheit entsteht. Nicht, wenn sie der Hisbollah Zeit verschafft.

Der eigentliche Störfaktor heißt Iran

Trump sprach in dem Interview auch über die laufenden Kontakte mit Teheran. Er sagte, die Iraner hätten ihm mitgeteilt, Mojtaba Khamenei treffe inzwischen Entscheidungen. Zugleich räumte er ein, dessen tatsächliche Rolle nicht bestätigen zu können. Außerdem erklärte Trump, die Lage ändere sich so schnell, dass eine Aussage schon zwanzig Minuten später überholt sein könne. Das klingt nach Beweglichkeit. Es zeigt aber auch ein Problem, das bei Iran seit Jahren bekannt ist: Teheran verhandelt, verzögert, droht, setzt neue Bedingungen, verschiebt Zuständigkeiten und wartet ab, bis die Gegenseite politisch unter Druck gerät.

Genau dieses Muster ist für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen gefährlich. Iran hat in früheren Verhandlungen immer wieder gezeigt, wie geschickt das Regime Zeit gewinnen kann, ohne seine strategischen Ziele wirklich aufzugeben. Es spricht über Entspannung, während es seine Stellvertreter nutzt. Es spricht über Diplomatie, während Raketen, Drohnen, Milizen und maritime Drohungen weiter Teil seiner Politik bleiben. Es fordert Gegenleistungen, ohne selbst klar und dauerhaft zurückzuweichen. Am Ende entsteht oft kein Ergebnis, sondern nur die nächste Runde von Gesprächen, Erklärungen und Erwartungen.

Für Trump ist das besonders heikel, weil er sichtbar Ergebnisse will. Er will sagen können, dass er einen Krieg begrenzt, Iran an den Tisch gebracht, die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen stabilisiert und Israel zugleich im Zaum gehalten hat. Doch Iran kennt diese politische Sehnsucht nach einem Deal. Genau deshalb kann Teheran die Gespräche nutzen, um Zeit zu gewinnen und Druck auf Washington aufzubauen.

Israel darf nicht zur Verhandlungsmasse werden

Netanyahu hat in diesem Spiel wenig Raum für diplomatische Geduld. Wenn die Hisbollah aus dem Libanon weiter Druck auf Nordisrael ausübt, wenn Iran über Beirut und Teheran zugleich Einfluss nimmt und wenn Washington vor allem das große Abkommen retten will, entsteht für Israel eine gefährliche Lage. Dann wird jeder israelische Schlag als Störung der Diplomatie behandelt, während die iranische Seite mit Drohungen und Verzögerungen arbeiten kann.

Trump widersprach ausdrücklich der Darstellung, Netanyahu habe ihn in den Krieg hineingezogen. Er sagte, er selbst habe gehandelt, weil Iran keine Atomwaffe besitzen dürfe. Das ist eine wichtige Klarstellung. Sie zeigt, dass Washingtons Iran-Politik nicht nur aus Rücksicht auf Israel entsteht, sondern aus einem eigenen amerikanischen Sicherheitsinteresse. Zugleich bleibt Trumps Satz, ohne ihn gäbe es kein Israel, eine überzogene Selbstinszenierung. Israel ist kein amerikanisches Gnadenprojekt. Aber es ist wahr, dass amerikanische Unterstützung für Israels Abschreckung gegenüber Iran von großer Bedeutung bleibt.

Der Streit zwischen Trump und Netanyahu ist deshalb kein einfacher Bruch. Er ist Ausdruck einer angespannten Allianz. Trump will den Libanon-Konflikt begrenzen, um seine Iran-Linie nicht zu gefährden. Netanyahu will verhindern, dass Israel am Ende Rücksicht auf Verhandlungen nehmen muss, die Iran ohnehin immer weiter verschleppt. Beide Seiten wissen, dass Teheran versucht, alles miteinander zu verbinden: Libanon, Hisbollah, Atomfrage, Sanktionen, Golf, amerikanische Truppen und regionale Gespräche.

Für Israel zählt am Ende nicht, ob Trump im Interview wieder eine harte Formulierung zurücknimmt oder relativiert. Entscheidend ist, ob Washington erkennt, dass Iran nicht durch endlose Gesprächsschleifen gestoppt wird. Teheran bewegt sich selten, weil es freundlich gebeten wird. Es bewegt sich, wenn der Preis für Verzögerung, Drohung und StellvertreterkriegStellvertreterkrieg: Irans indirekter Krieg gegen IsraelEin Stellvertreterkrieg ist ein Konflikt, in dem ein Staat oder Akteur andere bewaffnete Gruppen unterstützt, um eigene Ziele zu verfolgen, ohne selbst vollständig offen Krieg zu führen. Im Nahen Osten nutzt Iran dieses Modell besonders gegen Israel.Mehr lesen zu hoch wird.

Der bestätigte Wutausbruch Trumps ist damit nur die Oberfläche. Darunter liegt die eigentliche Frage: Lässt sich Washington erneut von Teheran in ein langes Hin und Her ziehen, während Israel im Norden weiter unter Bedrohung steht? Für Jerusalem wäre das die schlechteste aller Lösungen. Denn eine Diplomatie, die Iran Zeit gibt und Israel Zurückhaltung abverlangt, schafft keinen Frieden. Sie vertagt nur den nächsten Angriff.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 03 Juni 2026

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