Wir brauchen Ihre Hilfe: haOlam.de arbeitet ohne Verlag. Damit wir unsere Arbeit in gewohnter Qualität fortsetzen und laufende Aufgaben abschließen können, sind wir weiter auf Unterstützung angewiesen.
Netanyahu bremst Libanon-Schlag trotz Hisbollah-Beschuss

Netanyahu bremst Libanon-Schlag trotz Hisbollah-Beschuss


Während die Hisbollah weiter Nordisrael angreift, wächst im israelischen Kabinett der Druck auf Netanyahu. Der Ministerpräsident hält wegen Trump vorerst an enger Abstimmung mit Washington fest.

Netanyahu bremst Libanon-Schlag trotz Hisbollah-Beschuss
Bildnachweis: The White House / Quelle

In IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wächst der Streit über den richtigen Kurs im Libanon. Während die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen den von US-Präsident Donald Trump verkündeten Rahmen für eine Waffenruhe zurückweist und weiter Raketen und Drohnen auf den Norden Israels abfeuert, wird Ministerpräsident Benjamin Netanyahu im eigenen Kabinett von mehreren Seiten unter Druck gesetzt. Minister fordern eine deutlich härtere militärische Antwort, teils sogar eine breite Bodenoperation im Libanon. Netanyahu bremst jedoch und verweist auf die strategische Abstimmung mit Washington.

Damit steht Israel vor einem Dilemma, das sich seit Monaten verschärft. Einerseits kann kein Staat dauerhaft hinnehmen, dass seine nördlichen Gemeinden unter Beschuss bleiben, dass Familien nicht sicher zurückkehren können und dass eine vom Iran gestützte Terrororganisation über Krieg und Ruhe an der Grenze entscheidet. Andererseits ist Israel in der aktuellen Phase auf die enge Abstimmung mit den Vereinigten Staaten angewiesen. Trump ist für JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen kein gewöhnlicher ausländischer Gesprächspartner, sondern der wichtigste strategische Verbündete in einer Lage, in der Iran, Hisbollah, GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, die GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen und internationale Diplomatie miteinander verwoben sind.

Nach israelischen Berichten verlief die Sitzung des erweiterten Kabinetts am Donnerstagabend besonders angespannt. Mehrere Minister warfen der Regierung faktisch vor, zu zögerlich auf die Angriffe der Hisbollah zu reagieren. Der Satz eines Ministers, ein normaler Staat hätte der Hisbollah längst „die Form zerlegt“, bringt die Stimmung im Raum auf den Punkt: Viele in der Regierung sehen die Zurückhaltung nicht mehr als kluge Strategie, sondern als gefährliches Zeichen von Schwäche.

Die Hisbollah lehnt ab und schießt weiter

Der politische Hintergrund ist brisant. Trump hatte einen Rahmen für eine Waffenruhe ins Spiel gebracht. Doch die Hisbollah machte schnell deutlich, dass sie sich nicht an diese Logik gebunden sieht. Sie lehnt nach israelischer Darstellung den Ansatz ab, wonach Ruhe im Südlibanon gegen Ruhe in Nordisrael stehen könnte, und setzt ihre Angriffe fort. Damit wird die Schwäche jeder Vereinbarung sichtbar, die nicht die entscheidende Frage beantwortet: Wer zwingt die Hisbollah, ihre Waffen, ihre Feuerstellungen und ihren Einfluss südlich des Litani wirklich aufzugeben?

Genau daran entzündet sich die Wut im Kabinett. Minister forderten, Israel müsse den Grenzverlauf faktisch verändern und eine neue militärische Realität schaffen. Einige drängten auf eine breite Bodenoperation. Verteidigungsminister Israel Katz und der Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben Gvir sollen eine bereits von der IDF ausgearbeitete operative Planung für ein umfangreiches Vorgehen im Libanon unterstützt haben. Ihre Argumentation: Die Hisbollah werde sich nicht freiwillig hinter den Litani zurückziehen, und die libanesische Regierung sei zu schwach, um ein Abkommen gegen die Terrororganisation durchzusetzen.

Das ist schwer von der Hand zu weisen. Der libanesische Staat ist seit Jahren nicht in der Lage, die Hisbollah zu entwaffnen oder ihr Handeln zu kontrollieren. Beirut kann verhandeln, aber die Hisbollah entscheidet oft über Feuer und Waffen. Genau dieses Missverhältnis macht jede Waffenruhe brüchig. Wenn Israel die Vereinbarung respektiert, die Hisbollah aber weiter schießt oder sich neu ordnet, entsteht keine Stabilität. Es entsteht eine Pause zugunsten der Terrororganisation.

Netanyahu widersprach dem Druck jedoch. Nach den Berichten erklärte er den Ministern, Trump sei Israels strategischer Partner. Man könne nicht frontal gegen den amerikanischen Partner handeln. Israel müsse die breiteren gemeinsamen Interessen mit Washington berücksichtigen. Diese Antwort überzeugte offenbar viele Kabinettsmitglieder nicht. Sie empfinden die Lage so, als binde Israel sich selbst die Hände, während die Hisbollah weiter Fakten schafft.

Nordisrael lebt die Gefahr, während Jerusalem taktiert

Besonders bitter ist der Gegensatz zwischen politischer Sprache und Alltag im Norden. Während in Jerusalem über Waffenruhe, Wiederaufbau und diplomatische Formeln gesprochen wird, leben die Menschen an der Grenze weiter mit Alarmen, Drohnen, Einschlägen und der Frage, ob Schulen, Straßen und Gemeinden wirklich sicher sind. Die Regierungssitzung mit Vertretern aus dem Norden fand aus Sicherheitsgründen in einem geschützten Raum einer Schule in Schlomi statt. Gleichzeitig befanden sich Schüler in normalen Klassenräumen.

Dieser Widerspruch ist kaum zu erklären. Wenn Minister und Regierungsvertreter aus Sicherheitsgründen in einem geschützten Raum tagen müssen, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, wie Eltern ihren Kindern vertrauen sollen, wenn der Schulalltag angeblich normal weiterläuft. Weniger als zwanzig Minuten nach Ende der Sitzung wurden in Schlomi erneut Warnsirenen ausgelöst. Auch im oberen Galiläa gab es Alarm. Mehrere Abschüsse aus dem Libanon wurden gemeldet, mindestens acht Abfangvorgänge waren in der Region zu sehen.

Das zeigt die ganze Absurdität der Lage. Auf diplomatischer Ebene wird über Ruhe gesprochen. Auf militärischer Ebene wird über mögliche Rückzüge aus Orten im Südlibanon berichtet. Auf israelischer Seite sollen Gemeinden zur Normalität zurückfinden. Aber die Hisbollah schießt weiter. Für die Bewohner des Nordens zählt nicht, welche Formulierung in Washington, Beirut oder Jerusalem gerade diskutiert wird. Für sie zählt, ob ihre Kinder sicher in der Schule sitzen, ob sie auf die Straße gehen können und ob der nächste Alarm wieder nur Sekunden lässt.

Aus israelischer Sicht ist diese Realität nicht hinnehmbar. Die Rückkehr der Bewohner des Nordens kann nicht auf diplomatische Hoffnungen gegründet werden. Sie braucht eine veränderte Sicherheitslage. Wenn die Hisbollah bewaffnet bleibt, wenn sie weiter Raketen und Drohnen einsetzen kann und wenn sie jederzeit entscheidet, ob Nordisrael ruhig bleibt oder wieder brennt, dann ist keine echte Rückkehr möglich.

Iran zieht im Hintergrund die Fäden

Hinter der Hisbollah steht Iran. Genau das macht die Lage so gefährlich. Teheran betrachtet den Libanon nicht als fremde Bühne, sondern als Teil seines regionalen Machtapparats. Die Hisbollah ist der wichtigste militärische Arm Irans an Israels Nordgrenze. Sie dient als Abschreckung, Druckmittel und Erpressungsinstrument. Deshalb ist jede Libanon-Vereinbarung zugleich Teil der Iran-Frage.

Nach den israelischen Berichten verlangen Iran und Hisbollah denselben Kernpunkt: Die IDF soll aus dem Libanon abziehen und ihre Angriffe einstellen. Gleichzeitig versucht Teheran offenbar, die Libanon-Frage in den größeren amerikanisch-iranischen Gesprächsrahmen hineinzuziehen. Iran will nicht, dass Israel und Libanon mit amerikanischer Unterstützung eine eigene Achse der Verständigung bilden. Teheran will selbst Einfluss auf die Bedingungen nehmen und den Eindruck erzeugen, ohne iranische Zustimmung gebe es keine Ruhe.

Das erklärt auch, warum Trump Netanyahu zuletzt gedrängt haben soll, einen Angriff auf die Dahiya in Beirut nicht auszuführen. Iran hatte gedroht, ein israelischer Schlag gegen Libanon könne die Kommunikation mit den USA gefährden. Damit versucht Teheran, Israel indirekt über Washington einzuschränken. Die Botschaft ist klar: Wenn Israel zu hart gegen die Hisbollah vorgeht, belastet Iran die amerikanische Diplomatie.

Für Jerusalem ist das ein gefährliches Spiel. Israel versucht, die Libanon-Front von den Gesprächen zwischen Washington und Teheran zu trennen. Iran versucht das Gegenteil. Teheran will Libanon, Hisbollah, Waffenruhe und amerikanisch-iranische Verhandlungen miteinander verknüpfen. Wenn das gelingt, bekommt Iran ein Vetorecht über Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen im Norden. Genau das darf Israel nicht akzeptieren.

Zwischen amerikanischer Rücksicht und israelischer Abschreckung

Netanyahu steht damit zwischen zwei Zwängen. Er darf Trump nicht vor den Kopf stoßen, weil die amerikanische Unterstützung für Israel in der Iran-Frage, im UN-System, bei Waffenlieferungen und in der regionalen Abschreckung zentral bleibt. Zugleich darf er der Hisbollah nicht erlauben, den Norden Israels weiter zu bedrohen und die Bewohner in einen Zustand dauerhafter Unsicherheit zu zwingen.

Die Minister, die jetzt eine harte Antwort fordern, sprechen einen realen Schmerz aus. Israel hat zu lange erlebt, dass Terrororganisationen internationale Pausen nutzen, um sich neu zu bewaffnen, neu zu ordnen und die nächste Runde vorzubereiten. Eine Waffenruhe, die nur Israel bindet, aber die Hisbollah nicht entwaffnet, wäre keine Lösung. Sie wäre eine gefährliche Illusion.

Doch auch ein breiter Bodenkrieg im Libanon wäre keine einfache Entscheidung. Er könnte hohe Verluste bringen, die Region weiter öffnen und die amerikanisch-israelische Abstimmung belasten. Netanyahu weiß das. Deshalb bremst er. Aber Bremsen allein ist noch keine Strategie. Wenn die Hisbollah weiter schießt, muss Israel irgendwann beweisen, dass Zurückhaltung nicht Schwäche bedeutet.

Der entscheidende Punkt bleibt: Eine Waffenruhe hat nur dann Wert, wenn sie Sicherheit schafft. Nicht auf dem Papier, sondern in Kirjat Schmona, Metulla, Schlomi, Manara und entlang der gesamten Nordgrenze. Wenn die Hisbollah nach jedem internationalen Vorschlag weiter feuert, dann zeigt sie selbst, dass sie keinen Frieden will. Sie will Zeit, Einfluss und die Fähigkeit, Israel jederzeit zu bedrohen.

Israel kann sich nicht leisten, diese Realität schönzureden. Die enge Abstimmung mit Trump ist wichtig. Aber auch Washington muss verstehen: Ein amerikanischer Plan, der die Hisbollah nicht wirklich stoppt, wird Nordisrael nicht retten. Und ein Abkommen, das Iran indirekt Mitsprache über Israels Sicherheit gibt, wäre ein strategischer Fehler.

Die Kabinettssitzung hat deshalb nicht nur einen politischen Streit offenbart. Sie hat den Kern der israelischen Lage gezeigt. Das Land will nicht gegen seinen wichtigsten Verbündeten handeln, aber es kann auch nicht zulassen, dass seine Bürger im Norden weiter als Druckmittel einer iranischen Terrorarmee leben. Zwischen Diplomatie und Abschreckung bleibt nur eine Linie tragfähig: Israel muss mit Washington arbeiten, aber am Ende muss Nordisrael sicher sein.




Autor: Redaktion
Freitag, 05 Juni 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage