Marokko schickt erste Offiziere für Gaza: Trumps Friedensplan tritt in die gefährliche Wirklichkeit einMarokko schickt erste Offiziere für Gaza: Trumps Friedensplan tritt in die gefährliche Wirklichkeit ein
Mit der Ankunft marokkanischer Offiziere in Israel bekommt die internationale Stabilisierungstruppe für Gaza erste Konturen. Doch ohne Entmachtung der Hamas bleibt jeder Wiederaufbau verwundbar.

Bildnachweis: The White House /
QuelleDie Nachricht klingt zunächst klein: Vier marokkanische Offiziere sollen in Süd-IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen eingetroffen sein, um am Aufbau der International Stabilization Force für GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen mitzuwirken. Kein großes Truppenkontingent, keine sichtbare Machtverschiebung, keine fertige Ordnung für den GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Und doch liegt in diesem Schritt eine politische Bedeutung, die weit über die Zahl der Soldaten hinausgeht. Zum ersten Mal wird aus der Idee einer internationalen Stabilisierungstruppe ein sichtbarer, wenn auch noch vorsichtiger Anfang. Marokko ist damit nicht nur Teilnehmer einer diplomatischen Konstruktion, sondern ein arabischer Staat, der öffentlich in eine Nachkriegsordnung für Gaza eintritt, in der Israel, die Vereinigten Staaten, arabische Staaten und weitere Partner gemeinsam Verantwortung übernehmen sollen.
Das Board of Peace, das unter dem Vorsitz von US-Präsident Donald Trump geschaffen wurde, steht Ende Juni vor einem wichtigen Treffen auf Zypern. Am 30. Juni und 1. Juli sollen dort Vertreter zusammenkommen, um die bisher schleppende Umsetzung des Gaza Plans neu zu ordnen. Zypern selbst betont, weder Veranstalter noch Mitveranstalter zu sein. Auch das sagt viel über die Empfindlichkeit des Vorhabens. Jeder Staat will helfen, kaum jemand will sich politisch verbrennen. Gaza ist nicht nur ein zerstörter Raum. Gaza ist ein Machtfeld, in dem jede Entscheidung sofort von HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, Iran, Katar, Ägypten, Israel, Washington, europäischen Regierungen und palästinensischen Gruppen gedeutet wird.
Der marokkanische Schritt ist deshalb mehr als Symbolpolitik. Marokko unterhält seit den Abraham Abkommen offenere Beziehungen zu Israel, verfügt über sicherheitspolitische Erfahrung und hat enge Verbindungen zu den Vereinigten Staaten. Dass Rabat nun Offiziere entsendet, passt in diese Linie. Es zeigt, dass der Gaza Plan nicht nur auf westlicher Diplomatie beruhen soll, sondern arabische Beteiligung braucht. Für Israel ist das entscheidend. Eine Ordnung in Gaza, die ausschließlich von Israel getragen würde, wäre politisch kaum haltbar und militärisch dauerhaft riskant. Eine Ordnung, die Hamas zurückkehren lässt, wäre keine Ordnung, sondern die Vorbereitung der nächsten Katastrophe.
Genau hier liegt die eigentliche Schwierigkeit. Die International Stabilization Force soll nicht einfach Uniformen in den Gazastreifen bringen. Sie soll helfen, einen Raum zu schaffen, in dem Hamas nicht mehr herrscht, Waffen nicht wieder in Wohnvierteln versteckt werden, Hilfsgüter nicht durch eine Terrororganisation kontrolliert werden und eine neue palästinensische Verwaltung überhaupt arbeiten kann. Das klingt selbstverständlich. In Wahrheit ist es der härteste Teil des gesamten Plans. Denn Hamas hat Gaza nicht nur militärisch kontrolliert. Sie hat über Jahre Verwaltung, Angst, soziale Abhängigkeiten, PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen, Schulen, Tunnel, Sicherheitsdienste und Bewaffnung miteinander verwoben. Eine solche Herrschaft verschwindet nicht, weil ein internationales Gremium sie für beendet erklärt.
Die UN Resolution 2803 gab dem Board of Peace und der Stabilisierungstruppe einen internationalen Rahmen. Sie kann aber keine Realität erzwingen, wenn die Akteure vor Ort ausweichen. Der ursprüngliche Anspruch war groß: Zehntausende internationale Kräfte, dazu eine neu ausgebildete palästinensische Polizei, Unterstützung durch Ägypten und Jordanien, Beteiligung aus Staaten wie Marokko, Kosovo, Albanien, Kasachstan und Indonesien. Inzwischen zeigt sich, wie schwer dieser Aufbau ist. Viele Zusagen bleiben vorsichtig, erste Erkundungsteams sind klein, und gerade große muslimische Staaten wägen ab, wie viel politisches Risiko sie tragen wollen.
Das hat auch mit dem Iran Krieg 2026 zu tun. Die offenen israelischen und amerikanischen Schläge gegen Iran, die brüchige Feuerpause und die regionalen Stellvertreterfronten haben die Bereitschaft vieler Staaten belastet, sichtbar an einer von den USA geführten Gaza Ordnung mitzuwirken. Wer Truppen oder Polizeikräfte entsendet, steht nicht nur vor logistischen Fragen. Er stellt sich in ein Spannungsfeld, in dem Hamas und ihre Unterstützer jede Beteiligung als Verrat brandmarken können. Gleichzeitig wissen viele arabische Regierungen sehr genau, dass eine Rückkehr der Hamas für Gaza keine Befreiung wäre, sondern die Fortsetzung einer Herrschaft, die den eigenen Menschen kaum eine Zukunft lässt.
Besonders brisant ist der Zeitpunkt auch wegen der angekündigten Protestaufrufe gegen Hamas im Gazastreifen. Palästinensische Aktivisten haben für den 26. Juni zu Demonstrationen gegen die Herrschaft der Terrororganisation aufgerufen. Ob diese Proteste in größerem Umfang stattfinden können, bleibt offen. Hamas hat in der Vergangenheit Gegner eingeschüchtert, misshandelt und verfolgt. Schon der bloße Aufruf zeigt jedoch, dass die Erzählung vom geschlossenen Gaza hinter Hamas nicht stimmt. Viele Menschen dort sind erschöpft, wütend und gefangen zwischen den Ruinen des Krieges und einer Organisation, die den Gazastreifen in den Terror geführt hat.
Für Israel ist dieser Moment entscheidend. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen kann nicht zulassen, dass Gaza erneut zur Angriffsplattform wird. Kein anderer Staat würde akzeptieren, dass an seiner Grenze eine bewaffnete Terrororganisation nach einem Massaker wieder Schulen, Krankenhäuser, Hilfslager und Wohnhäuser als Deckung für ihre Macht nutzt. Wer von Israel Rückzug und Zurückhaltung verlangt, muss beantworten, wer danach verhindert, dass Hamas sich neu bewaffnet. Genau diese Frage wird in Zypern nicht mit schönen Formeln zu lösen sein.
Die Ankunft der marokkanischen Offiziere macht Hoffnung, aber sie löst noch nichts. Sie zeigt, dass einzelne arabische Partner bereit sind, Verantwortung zu prüfen. Sie zeigt auch, dass der Trump Plan zumindest institutionell weiterlebt. Doch der Abstand zwischen einem Hauptquartier in Süd-Israel und stabilen Verhältnissen in Gaza bleibt gewaltig. Es braucht klare Befehlsstrukturen, robuste Mandate, Zugriff auf Informationen, Schutz vor Hamas Einschüchterung, eine glaubwürdige palästinensische Verwaltung und eine Polizei, die nicht zur Tarnung alter Machtapparate wird.
Die kommenden Tage werden deshalb mehr zeigen als diplomatische Kulissen. Wenn das Board of Peace auf Zypern nur Erklärungen produziert, wird Hamas Zeit gewinnen. Wenn es aber gelingt, konkrete Einsatzschritte, Zuständigkeiten und Sicherheitslinien festzulegen, könnte der marokkanische Anfang tatsächlich mehr sein als ein Foto für soziale Medien. Dann wäre er der erste kleine Baustein einer Ordnung, in der Gaza nicht länger von Terror verwaltet und Israel nicht länger aus Gaza bedroht wird.
Marokko hat sich sichtbar bewegt. Nun müssen andere zeigen, ob sie es ernst meinen. Gaza braucht Hilfe, ja. Aber Hilfe ohne Sicherheit wird geplündert, politisch missbraucht oder in neue Gewalt verwandelt. Der Wiederaufbau beginnt nicht mit Beton, sondern mit der Entmachtung derjenigen, die Gaza in Ruinen geführt haben. Genau daran wird sich das Board of Peace messen lassen müssen.
Autor: Redaktion
Freitag, 26 Juni 2026