Alija trotz Krieg: Westliche Juden entscheiden sich bewusst für IsraelAlija trotz Krieg: Westliche Juden entscheiden sich bewusst für Israel
Die Gesamtzahl der Einwanderer nach Israel ist 2025 gesunken. Doch aus den USA, Frankreich, Großbritannien und Kanada kommen deutlich mehr Juden – viele jung, gut ausgebildet und bereit, ihr Leben ausgerechnet jetzt in Israel aufzubauen.

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22.522 Menschen wanderten 2025 nach IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ein rund 10.000 weniger als im Jahr zuvor. Auf den ersten Blick klingt das nach Rückgang, nach Kriegsmüdigkeit, nach Unsicherheit. Doch der zweite Blick zeigt etwas anderes: Während die Gesamtzahl sank, stieg die AlijaAliyah: Die jüdische Rückkehr nach IsraelAliyah bedeutet wörtlich „Aufstieg“ und bezeichnet die Einwanderung von Juden nach Israel. Der Begriff ist eng mit Zionismus, jüdischer Diaspora, Rückkehr nach Zion und dem israelischen Rückkehrgesetz von 1950 verbunden.Mehr lesen aus westlichen Ländern deutlich. Aus den USA, Frankreich, Großbritannien und Kanada kamen 25 Prozent mehr Einwanderer als im Vorjahr; ihr Anteil an der gesamten Alija wuchs von 21 auf 38 Prozent.
Das ist die eigentliche Nachricht. Israel verliert nicht seine Anziehungskraft. Im Gegenteil: Gerade dort, wo jüdisches Leben lange als sicher, wohlhabend und selbstverständlich galt, wächst die Bereitschaft, die eigene Zukunft in Israel zu suchen. Wer aus Paris, London, Toronto oder New York nach Israel zieht, entscheidet sich nicht aus Mangel an Alternativen. Er entscheidet sich trotz Alternativen. Und gerade deshalb ist diese Entwicklung so bedeutsam.
Die stärkste Zunahme verzeichnete nach den vorliegenden Regierungsdaten die jüdische Einwanderung aus Frankreich. Auch aus den USA setzte sich der Aufwärtstrend fort: 3.781 amerikanische Juden machten 2025 Alija. Insgesamt kamen 8.499 Einwanderer aus den USA, Frankreich, Großbritannien und Kanada. Das sind keine anonymen Wanderungsbewegungen. Dahinter stehen Familien, Studenten, Ärzte, junge Erwachsene, Alleinstehende, Soldaten und Menschen, die nach dem 7. Oktober offenbar eine Frage neu beantwortet haben: Wo gehört jüdisches Leben hin, wenn die Welt wieder unsicherer wird?
Natürlich hat der Krieg Spuren hinterlassen. Die Gesamtzahl der Einwanderer ging zurück, vor allem weil aus manchen Herkunftsländern weniger Menschen kamen. Israel lebt seit dem 7. Oktober unter einer Dauerbelastung: GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, Nordfront, Iran, Raketen, Drohnen, internationale Anfeindung. Wer in dieser Lage Alija macht, kommt nicht in ein bequemes Land. Er kommt in ein Land, das kämpft, trauert, streitet und dennoch weiter baut.
Genau darin liegt die Kraft dieser Zahlen. Viele neue Einwanderer sind jung. Etwa ein Drittel aller Olim war zwischen 18 und 35 Jahre alt; unter den Einwanderern aus westlichen Ländern lag der Anteil bei rund 40 Prozent. Auch die Zahl der Studenten stieg. Im akademischen Jahr 2024/25 studierten 5.535 neue Einwanderer an israelischen Hochschulen, unter anderem an der Reichman University, der Bar-Ilan-Universität, der Hebräischen Universität JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen und der Universität Tel Aviv.
Das ist ein starkes Zeichen. Junge Juden sehen Israel nicht nur als Zuflucht, sondern als Zukunft. Sie kommen nicht nur, weil es anderswo gefährlicher wird. Sie kommen auch, weil sie an diesem Land teilhaben wollen. Sie wollen studieren, arbeiten, Hebräisch lernen, dienen, Familien gründen, Firmen aufbauen, Krankenhäuser stärken, Forschung betreiben. Alija ist nicht nur Flucht vor AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Sie ist auch Zustimmung zu Israel.
Besonders sichtbar wird das im Gesundheitswesen. 541 Ärzte wanderten 2025 nach Israel ein. In einer Zeit, in der Israel medizinisch, militärisch und gesellschaftlich enorm belastet ist, ist das keine Randnotiz. Jeder Arzt, jede Ärztin, jede Pflegekraft, jeder Wissenschaftler und jeder junge Student stärkt ein Land, das unter Druck steht und trotzdem Menschen anzieht, die gebraucht werden.
Auch der Dienst in der israelischen Armee bleibt ein Teil dieser Geschichte. Zwar ging die Zahl der Einwanderer, die zum Militärdienst kamen, zurück, doch 3.165 neue Einwanderer dienten 2025 in der israelischen Armee; 43 Prozent von ihnen waren sogenannte Lone Soldiers, also Soldaten ohne enge Familienstruktur im Land. Das ist kein romantisches Detail. Es zeigt, dass junge Juden nicht nur nach Israel kommen, um Schutz zu suchen. Manche kommen, um Schutz mitzutragen.
Die wichtigsten Wohnorte der neuen Einwanderer waren Tel Aviv, Netanya, Jerusalem und Haifa; westliche Olim zogen besonders häufig nach Jerusalem, Beit Shemesh und Ra’anana. Auch das sagt etwas über die Art dieser Alija. Sie ist nicht nur wirtschaftlich, nicht nur religiös, nicht nur sicherheitspolitisch. Sie ist vielfältig. Sie führt in Großstädte, Gemeinden, Universitäten, Familienviertel und Arbeitsmärkte.
Für Israel ist diese Entwicklung mehr als demografisch erfreulich. Sie ist politisch und seelisch wichtig. Während internationale Medien Israel häufig als isoliert, angeklagt und erschöpft darstellen, entscheiden sich Tausende Juden aus westlichen Demokratien für genau dieses Land. Nicht irgendwann, wenn alles ruhig ist. Nicht erst nach dem nächsten Friedensvertrag. Sondern jetzt.
Das ist die Antwort auf jene, die glauben, Israel könne durch Druck, Kampagnen, Boykotte, Campushetze und diplomatische Kälte ausgehöhlt werden. Der jüdische Staat bleibt nicht nur ein Ort der Zuflucht. Er bleibt ein Ort der Entscheidung. Wer Alija macht, sagt: Ich sehe die Gefahr, aber ich sehe auch die Zukunft. Ich sehe die Sirenen, aber auch die Universitäten. Ich sehe die Raketen, aber auch die Kinder. Ich sehe den Krieg, aber auch das Land, das weiterlebt.
Aliyah- und Integrationsminister Ofir Sofer nannte die Alija einen der wichtigsten Wachstumsmotoren Israels. Das klingt nach Regierungssprache, ist aber im Kern richtig. Einwanderer stärken Wirtschaft, Gesundheitswesen, Wissenschaft, Sicherheit und Gemeinden. Sie bringen Sprachen, Berufe, Erfahrungen, Geld, Bildung, Mut und manchmal auch Wunden mit. Israel nimmt sie nicht nur auf. Israel wird durch sie verändert und gestärkt.
Die Zahlen für 2025 erzählen deshalb keine einfache Erfolgsgeschichte. Sie erzählen eine widersprüchliche, aber tief israelische Geschichte: weniger Einwanderung insgesamt, mehr Alija aus dem Westen; weniger Sicherheit, aber mehr Entschlossenheit; mehr Druck auf jüdisches Leben weltweit, aber auch mehr Bindung an den jüdischen Staat.
Israel ist im Krieg. Und trotzdem kommen sie.
Autor: Redaktion
Dienstag, 30 Juni 2026