Iran bedroht alle: Arabische Stimmen brechen ihr SchweigenIran bedroht alle: Arabische Stimmen brechen ihr Schweigen
Menschen aus Saudi-Arabien, Bahrain und Jordanien sprechen gegenüber einem israelischen Sender offen über ihre Angst vor Teheran. Ihre Botschaft ist eindeutig: Der iranischen Gewalt darf nicht länger ausgewichen werden.

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Es sind nur drei Stimmen, keine repräsentative Umfrage und kein vollständiges Bild der arabischen Öffentlichkeit. Dennoch besitzt das Gespräch, das N12 mit Menschen aus Saudi-Arabien, Bahrain und Jordanien geführt hat, eine besondere Bedeutung. In einer Zeit, in der iranische Raketen auf arabische Staaten fliegen, erklären Bürger dieser Länder gegenüber einem israelischen Medium offen, wen sie als unmittelbare Gefahr betrachten.
Nicht IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen steht im Mittelpunkt ihrer Angst, sondern das Regime in Teheran.
Der ehemalige saudische General Abdullah Ghanem al-Qahtani beschreibt die iranische Politik als Gefahr für die Stabilität, die Zukunft und die kommenden Generationen der gesamten Region. Iran wolle, so seine drastische Einschätzung, nicht von der politischen Bühne verschwinden, ohne zuvor möglichst viele andere mit in den Abgrund zu reißen. Zugleich stellt er fest, dass Teheran Israel nicht besiegen könne, der Region aber bereits schweren Schaden zugefügt habe.
Diese Aussage trifft einen wunden Punkt. Das iranische Regime hat seinen Machtanspruch über Jahrzehnte als Kampf gegen Israel verkauft. In Wirklichkeit bedroht es längst nicht nur den jüdischen Staat. Seine Raketen fliegen auf Bahrain, Kuwait und Jordanien. Seine Angriffe gefährden Häfen, Energieanlagen, Wasseraufbereitung, Flughäfen, Handelswege und die wirtschaftliche Lebensgrundlage von Millionen Menschen.
Wer heute in Manama, Amman oder Kuwait-Stadt einen Luftalarm hört, erlebt die iranische Revolution nicht mehr als entferntes ideologisches Projekt. Er erlebt sie als Flugkörper am Himmel.
Die Angst ist real, die Zurückhaltung ebenso
Die bahrainische Schriftstellerin und Aktivistin Fatma al-Harbi schildert eine angespannte Stimmung in ihrem Land. Jeder weitere iranische Angriff könne Unschuldige treffen, wichtige Einrichtungen beschädigen und die ohnehin empfindliche Wirtschaft des kleinen Inselstaates belasten. Nach ihrer Darstellung wächst in Bahrain die Wut auf Iran. Sie fordert eine wirksame Abschreckung und spricht sich dafür aus, die amerikanischen Militäreinsätze fortzusetzen, solange die iranische Bedrohung nicht beseitigt ist.
Diese Worte fallen nicht im luftleeren Raum. Der Golfkooperationsrat erklärte am 18. Juli, Iran habe neben militärischen Zielen auch Infrastruktur und zivile Einrichtungen in Bahrain, Kuwait und Jordanien angegriffen. Wegen der Verletzung ziviler Arbeiter in Kuwait bezeichnete Generalsekretär Jasem Mohamed al-Budaiwi das Vorgehen sogar als mögliche Kriegsverbrechen, die international verfolgt werden müssten.
Bereits zuvor hatten die GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen gemeinsam festgestellt, dass Angriffe auf ein Mitglied als Angriff auf alle zu betrachten seien. Sie beriefen sich ausdrücklich auf das Recht zur individuellen und gemeinsamen Selbstverteidigung. Zudem machten sie Iran für die Gefährdung des internationalen Schiffsverkehrs, der Energieversorgung und der wirtschaftlichen Stabilität verantwortlich.
Damit ist die offizielle Sprache der arabischen Staaten inzwischen deutlich schärfer als noch vor wenigen Monaten. Dennoch folgt aus scharfen Erklärungen bislang kaum eine direkte militärische Antwort.
Der jordanische Journalist Mustafa al-Zouati beschreibt gegenüber N12 den Grund für diese Vorsicht. Jordanien könne sich weder eine offene Feindschaft zu Iran noch eine bedingungslose Nähe zu den Vereinigten Staaten leisten. Das Königreich sei wirtschaftlich und politisch zu verwundbar, um die möglichen Folgen einer solchen Festlegung zu tragen. Deshalb versuche Amman, zwischen den Seiten zu bestehen.
Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar, aber sie schützt Jordanien nicht. Allein zwischen dem 14. und 18. Juli meldeten die jordanischen Streitkräfte die Abwehr von mindestens 28 iranischen Raketen. Am 16. Juli wurden acht Geschosse abgefangen, am 18. Juli weitere zehn. Trümmerteile mussten an mehreren Orten durch militärische Spezialkräfte gesichert werden.
Jordanien bemüht sich um Ausgleich, während Iran seine Souveränität wiederholt verletzt. Genau darin liegt das Dilemma vieler arabischer Staaten: Sie wollen nicht Teil des Krieges werden, doch Teheran trifft diese Entscheidung längst für sie.
Israel ist nicht die Ursache des iranischen Machtanspruchs
Bemerkenswert ist auch der Teil des Interviews, in dem al-Qahtani Israel auffordert, die palästinensische Frage zu lösen und die Beziehungen zu den arabischen Staaten zu verbessern. Er wirft Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, derzeit keinen Frieden anzustreben, der allen Seiten Sicherheit garantiere.
Diese Kritik gehört vollständig berichtet. Sie darf jedoch nicht dazu führen, Irans Verantwortung erneut zu verschieben.
Das Regime in Teheran greift Bahrain, Kuwait und Jordanien nicht an, weil zwischen Israel und den Palästinensern keine Einigung besteht. Iranische Raketen fliegen nicht auf arabische Infrastruktur, weil in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen eine bestimmte Regierung amtiert. Das Regime handelt aus einem eigenen revolutionären Machtanspruch, aus Feindschaft gegenüber den Vereinigten Staaten und aus dem Willen, die politische Ordnung der Region zu beherrschen.
Die palästinensische Frage dient Teheran seit Jahrzehnten als Rechtfertigung für eine Politik, die vor allem Iran selbst, seine Stellvertreter und seine militärischen Interessen stärkt. Die Menschen in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, im Libanon, in Syrien, im Jemen und inzwischen in den Golfstaaten bezahlen dafür den Preis.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass arabische Stimmen den Blick nicht länger ausschließlich auf Israel richten. Wer in Bahrain Angst vor iranischen Raketen hat, wer in Jordanien Trümmerteile von Flugkörpern bergen muss und wer in Kuwait um Wasser- und Energieanlagen fürchtet, erkennt eine Wirklichkeit, die in Teilen der westlichen Öffentlichkeit noch immer verdrängt wird: Iran ist kein Verteidiger der Region, sondern eine ihrer größten Gefahren.
Dass die drei Gesprächspartner bereit waren, mit israelischen Journalisten zu sprechen, ist selbst eine Nachricht. Solche Interviews sind in politisch angespannten Zeiten nicht selbstverständlich. Sie zeigen, dass jenseits offizieller Erklärungen ein Interesse an einem anderen regionalen Gespräch besteht.
Israel und viele arabische Staaten stehen nicht in allen Fragen auf derselben Seite. Das müssen sie auch nicht. Doch sie stehen derselben iranischen Bedrohung gegenüber. Teheran greift ihre Sicherheit an, gefährdet ihre Wirtschaft und versucht, aus ihrer Vorsicht einen strategischen Vorteil zu gewinnen.
Die amerikanische Militärpräsenz bleibt deshalb für viele Staaten der Region unverzichtbar, auch wenn ihre Regierungen dies nicht immer offen aussprechen. Sie benötigen amerikanische Luftverteidigung, Aufklärung und Abschreckung, weil ihre eigenen Möglichkeiten begrenzt sind und weil ein einzelnes Land die iranische Raketenmacht kaum allein zurückdrängen kann.
Die Bürger, die gegenüber N12 gesprochen haben, formulieren damit etwas, das ihre Regierungen vorsichtiger ausdrücken: Schweigen schützt nicht vor Iran. Nachgeben beruhigt das Regime nicht. Und wer dessen Angriffe folgenlos lässt, lädt die Führung in Teheran lediglich zum nächsten Versuch ein.
Autor: Redaktion
Montag, 20 Juli 2026