Hamas-Kontakt und Anschlagsplan: Israeli soll Ben-Gvir ins Visier genommen habenHamas-Kontakt und Anschlagsplan: Israeli soll Ben-Gvir ins Visier genommen haben
Ein 29-jähriger Sicherheitsmitarbeiter aus Nazareth soll die Hamas um Aufnahme und Unterstützung gebeten haben. Nach Erkenntnissen von Schin Bet und Polizei plante er, Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir anzugreifen.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet und die Polizei haben nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Anschlagsplan gegen Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir vereitelt. Festgenommen wurde Muhammad Awad, ein 29 Jahre alter israelischer Staatsbürger aus Nazareth. Die Ermittler verdächtigen ihn, Kontakt zur Terrororganisation HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen aufgenommen und um Mittel für terroristische Aktivitäten gebeten zu haben.
Nach Abschluss der bisherigen Ermittlungen reichte die Staatsanwaltschaft des Nordbezirks beim zuständigen Gericht in Nof HaGalil und Nazareth eine sogenannte Erklärung der Staatsanwaltschaft ein. Damit kündigt sie die bevorstehende Erhebung einer Anklage an. Ein rechtskräftiges Urteil liegt nicht vor. Für Awad gilt die Unschuldsvermutung.
Der öffentlich bekannte Stand des Verfahrens ist dennoch alarmierend. Nach der gemeinsamen Mitteilung von Schin Bet und Polizei soll Awad nicht lediglich PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen der Hamas konsumiert oder Sympathie für die Terrororganisation geäußert haben. Er soll sich selbst an die Organisation gewandt haben, um sich ihr anzuschließen und Unterstützung für die Vorbereitung terroristischer Aktivitäten zu erhalten. Zu diesen Plänen habe auch ein Angriff auf einen amtierenden israelischen Minister gehört. Gemeint war Itamar Ben-Gvir.
Ein Sicherheitsmitarbeiter unter Terrorverdacht
Awad arbeitete nach Angaben der Ermittler vor seiner Festnahme für ein Sicherheitsunternehmen in Afula. Ynet berichtet allgemein von einer Tätigkeit in der Sicherheitsbranche, während Channel 14 unter Berufung auf die Polizei schreibt, er sei als unbewaffneter Wachmann am zentralen Busbahnhof der Stadt eingesetzt gewesen.
Diese berufliche Stellung macht den Verdacht besonders ernst. Ein Sicherheitsmitarbeiter bewegt sich in einem Umfeld, in dem Aufmerksamkeit, Zuverlässigkeit und der Schutz anderer Menschen vorausgesetzt werden. Ob Awad aufgrund seiner Tätigkeit Zugang zu sicherheitsrelevanten Informationen, Gebäuden oder Personen besaß, wurde bislang nicht veröffentlicht. Ebenso ist nicht bekannt, wie weit seine mutmaßlichen Planungen bereits fortgeschritten waren, welche Mittel er von der Hamas verlangte oder ob die Organisation auf seine Anfrage reagierte.
Genau diese offenen Fragen müssen Gegenstand des Strafverfahrens werden. Die bisherige Mitteilung nennt weder einen konkreten geplanten Tatort noch eine Tatzeit oder bereits beschaffte Waffen. Sie belegt daher noch keinen unmittelbar bevorstehenden Anschlag. Sie beschreibt jedoch nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden den Versuch eines israelischen Staatsbürgers, eine Verbindung zur Hamas herzustellen und einen Angriff auf ein Mitglied der Regierung vorzubereiten.
Die Hamas richtet ihre Gewalt nicht allein gegen Soldaten oder staatliche Einrichtungen. Ihr Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 zeigte, dass sie gezielt Zivilisten ermordet, Menschen verschleppt und jede erreichbare Struktur für ihren Terror nutzt. Der mutmaßliche Versuch, einen Bürger Israels innerhalb des Landes für einen Angriff zu gewinnen, entspricht der seit Jahren bekannten Strategie der Organisation, Unterstützer über persönliche Kontakte und digitale Kanäle zu rekrutieren.
Schin Bet und Polizei erklärten, jede Beteiligung israelischer Bürger an Aktivitäten, die den Staat und seine Bevölkerung gefährden, werde mit äußerster Schwere behandelt. Die Behörden kündigten an, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um Beteiligte vor Gericht zu bringen.
Diese Formulierung richtet sich über den einzelnen Fall hinaus an mögliche Nachahmer. Israelische Staatsbürger besitzen Bewegungsfreiheit, Zugang zum öffentlichen Leben und häufig bessere Möglichkeiten, sich unauffällig im Land zu bewegen als Terroristen, die von außen eindringen. Wer diese Stellung zur Unterstützung einer feindlichen Organisation missbraucht, kann für Sicherheitsbehörden eine besondere Herausforderung darstellen.
Ben-Gvir spricht vom neunten Anschlagsversuch
Ben-Gvir erklärte nach Bekanntgabe der Festnahme, dies sei bereits das neunte Mal, dass Terrororganisationen ihn als Ziel ausgewählt oder versucht hätten, ihm zu schaden. Eine unabhängige Aufstellung sämtlicher von ihm genannten Fälle veröffentlichte der Minister nicht. Er dankte Schin Bet, Polizei und weiteren Sicherheitsstellen dafür, einen Angriff auf ihn und seine Familie verhindert zu haben.
Der Minister machte zugleich deutlich, dass er seinen politischen Kurs nicht ändern werde. Er nannte unter anderem seine Gefängnispolitik, den Abriss illegal errichteter Häuser, die von ihm unterstützte Todesstrafe für Terroristen, seine Politik auf dem TempelbergJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen sowie den Ausbau bewaffneter kommunaler Bereitschaftseinheiten. „Ihr werdet mir keine Angst machen“, erklärte er sinngemäß.
Ben-Gvir gehört zu den umstrittensten Politikern Israels. Seine Gegner werfen ihm vor, Spannungen zu verschärfen und mit demonstrativer Härte politische Aufmerksamkeit zu suchen. Diese politische Auseinandersetzung ist in einer Demokratie legitim. Ein geplanter Angriff ist es nicht.
Wer einen gewählten Minister mit Gewalt ausschalten will, greift nicht nur eine Person an. Er versucht, politische Entscheidungen durch Terror statt durch Wahlen, parlamentarische Arbeit und öffentliche Debatten zu verändern. Die Haltung zu Ben-Gvir darf deshalb für die Bewertung des Verdachts keine Rolle spielen. Sein Leben und das seiner Familie müssen ebenso geschützt werden wie das jedes anderen Bürgers.
Der Fall darf zugleich nicht dazu missbraucht werden, die arabischen Bürger Israels kollektiv unter Verdacht zu stellen. Awad wird als Einzelperson beschuldigt. Seine Herkunft aus Nazareth sagt nichts über die Haltung der Stadt oder der arabischen Bevölkerung Israels aus. Unter den arabischen Israelis dienen Polizisten, Ärzte, Rettungskräfte und Soldaten, während andere die Regierung scharf kritisieren. Persönliche Verantwortung darf nicht durch pauschale Zuschreibungen ersetzt werden.
Gerade darin unterscheidet sich ein Rechtsstaat von der Ideologie der Hamas. Die Terrororganisation erklärt ganze Bevölkerungsgruppen zu Feinden. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen muss dagegen Beweise prüfen, individuelle Schuld feststellen und auch bei schwersten Vorwürfen ein ordentliches Verfahren gewährleisten.
Die Staatsanwaltschaft muss nun darlegen, welche Kontakte Awad tatsächlich aufgenommen haben soll, welche Antworten er erhielt und wie konkret der mutmaßliche Plan gegen Ben-Gvir war. Erst eine Anklageschrift wird zeigen, auf welche Straftatbestände und Beweismittel sich das Verfahren stützt.
Der Erfolg der Sicherheitsbehörden liegt vorerst darin, eine mögliche Gefahr erkannt und den Verdächtigen festgenommen zu haben, bevor ein Mensch verletzt wurde. Ob aus dem Verdacht eine Verurteilung wird, entscheidet allein das Gericht. Doch die bekannte Richtung des Falls ist eindeutig: Die Hamas versucht weiterhin, ihren Terror in das Innere Israels zu tragen. Jeder vereitelte Plan verhindert, dass aus einer Nachricht ein weiterer Name auf einer Opferliste wird.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 22 Juli 2026