Sechs Raketen auf Jordanien: Der Iran trägt den Krieg vor Israels GrenzeSechs Raketen auf Jordanien: Der Iran trägt den Krieg vor Israels Grenze
Vier iranische Raketen wurden über Jordanien abgefangen, zwei weitere schlugen in unbewohnten Gebieten ein. Israel blieb ungetroffen, doch der Angriff zeigt: Teheran zieht seine Nachbarn immer tiefer in den Krieg.

Die Explosionen waren am Mittwochmorgen bis nach Eilat zu hören. Über dem jordanischen Akaba stiegen Rauchwolken auf, Videos in sozialen Netzwerken erweckten zunächst den Eindruck, Geschosse oder Trümmer könnten auf israelischem Gebiet niedergegangen sein. Wenig später folgte die Entwarnung: In IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wurden keine Einschläge registriert. Die Aufnahmen stammten aus Jordanien.
Nach Angaben der jordanischen Streitkräfte hatte der Iran sechs Raketen in Richtung des Königreichs abgefeuert. Vier Geschosse wurden von der Luftverteidigung abgefangen, zwei weitere gingen in unbewohnten Gebieten nieder. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Mindestens ein Geschoss wurde nach israelischen Angaben erfolgreich durch amerikanische Kräfte abgefangen. Die weithin sichtbaren Rauchwolken entstanden durch herabfallende Trümmerteile über jordanischem Gebiet.
Für die Menschen in Eilat war der Angriff dennoch unmittelbar spürbar. Die Detonationen hallten über den Golf von Akaba, und eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft Arkia, die sich im Landeanflug auf Eilat befand, musste zunächst abdrehen und in der Luft warten. Zeitweise wurde damit gerechnet, dass in Ortschaften entlang der Arava Warnsirenen ausgelöst werden könnten.
Der Vorfall macht deutlich, wie wenig sich die iranische Kriegsführung noch auf amerikanische Militäranlagen beschränken lässt. Wer ballistische Raketen über bewohnte Gebiete und in die Nähe einer internationalen Hafenregion schießt, gefährdet nicht nur Soldaten. Akaba und Eilat liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Hotels, Wohngebiete, Häfen, Verkehrswege und Flughäfen befinden sich in einem eng begrenzten Raum. Schon Trümmer eines abgefangenen Geschosses können Menschen töten.
Teheran greift amerikanische Stützpunkte in mehreren Staaten an
Der Angriff auf Jordanien war Teil einer neuen iranischen Angriffswelle gegen amerikanische Einrichtungen in der Region. Die iranische Armee erklärte, erneut den Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti bei Al Azraq angegriffen zu haben. Dort sind amerikanische Soldaten und Flugzeuge stationiert. Nach iranischer Darstellung galten die Angriffe Unterkünften, Materiallagern und militärischen Anlagen.
An diesem Stützpunkt waren bereits wenige Tage zuvor drei amerikanische Soldaten infolge iranischer Angriffe ums Leben gekommen. Weitere Militärangehörige wurden verletzt. Einer der getöteten Soldaten galt zunächst als vermisst, bevor das US-Verteidigungsministerium davon ausging, dass auch er bei dem Angriff ums Leben gekommen war.
Auch der Luftwaffenstützpunkt Scheich Isa in Bahrain wurde nach iranischen Angaben mit unbemannten Flugkörpern des Typs Arash angegriffen. Dort befinden sich amerikanische Einrichtungen, Wartungshallen und Materiallager. In Kuwait trat die Luftverteidigung ebenfalls gegen iranische Drohnen in Aktion. Unabhängig überprüfen ließen sich die iranischen Behauptungen über Treffer und Schäden zunächst nicht vollständig.
Damit ist unübersehbar, dass das Regime in Teheran den Krieg auf das Gebiet mehrerer arabischer Staaten trägt. Jordanien, Bahrain und Kuwait sind keine Randgebiete des Iran. Es handelt sich um souveräne Länder, deren Luftraum und Bevölkerung durch iranische Raketen und Drohnen bedroht werden. Das Regime nimmt diese Gefährdung bewusst in Kauf, um amerikanische Kräfte anzugreifen und den politischen Druck auf Washingtons Partner zu erhöhen.
Für Israel ist das eine ernste Entwicklung. Der Iran versucht seit Jahren, seine Angriffe über Terrororganisationen und verbündete Milizen ausführen zu lassen. Nun werden Staaten in der unmittelbaren Nachbarschaft Israels offen zu Schauplätzen direkter iranischer Angriffe. Dass am Mittwoch keine Rakete auf Eilat niederging, war das Ergebnis erfolgreicher Abwehr und kein Beleg für iranische Zurückhaltung.
Die USA zerstören Drohnenlager und Marinefähigkeiten
Wenige Stunden vor dem Angriff auf Jordanien hatte das amerikanische Zentralkommando die elfte aufeinanderfolgende Nacht mit Angriffen auf militärische Ziele im Iran abgeschlossen. Nach Angaben von CENTCOM wurden militärische Führungsstellen, Flugzeughallen, Lager für Drohnen, maritime Fähigkeiten und logistische Einrichtungen getroffen.
Das erklärte Ziel besteht darin, die Fähigkeit des Iran zu schwächen, die Handelsschifffahrt in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen anzugreifen. Nach amerikanischen Angaben hat der Iran innerhalb von drei Monaten mehr als 30 Handelsschiffe bedroht oder angegriffen. Hunderte Seeleute seien dadurch in Gefahr gebracht worden. Amerikanische und verbündete Kräfte hätten seit Anfang Mai die Durchfahrt von rund 900 Handelsschiffen und den Transport von etwa 450 Millionen Barrel Rohöl abgesichert.
Aus dem Iran wurden in der Nacht Explosionen aus mehreren Landesteilen gemeldet. In Teheran sei die Luftverteidigung gegen sogenannte feindliche Ziele aktiviert worden. Weitere Berichte betrafen Mahschahr, Täbris, Sirik sowie mehrere Ziele in der Provinz Buschehr. Ein iranischer Provinzvertreter berichtete außerdem von amerikanischen Angriffen in den Gebieten Behbahan und Omidieh. Welche Einrichtungen tatsächlich getroffen und wie schwer sie beschädigt wurden, war zunächst nicht in allen Fällen feststellbar.
Die wirtschaftlichen Folgen sind längst weltweit zu spüren. Der Preis für ein Barrel Rohöl stieg auf mehr als 91 Dollar. Zusätzlich zur Bedrohung der Straße von Hormus versuchen die vom Iran unterstützten HouthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terroristen, auch den Schiffsverkehr am südlichen Zugang zum Roten Meer unter Druck zu setzen. Drei Tanker mit saudischem Rohöl für Abnehmer in China und Indien änderten bereits ihren Kurs.
Damit geraten zwei der wichtigsten Wege des weltweiten Energiehandels gleichzeitig unter Druck. Das ist kein zufälliger Nebeneffekt der Kämpfe. Teheran und seine Verbündeten benutzen den freien Schiffsverkehr als Waffe und hoffen, durch steigende Energiepreise politischen Widerstand gegen die amerikanischen Angriffe zu erzeugen.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte, Washington bleibe grundsätzlich zu Verhandlungen bereit. Der Iran verhalte sich jedoch nicht ernsthaft. Falls Teheran zu wirklichen Gesprächen bereit sei, gelte dies auch für die Vereinigten Staaten. Andernfalls werde Washington alles Notwendige unternehmen, um die eigenen Interessen und die Interessen seiner Verbündeten zu schützen.
Die iranische Antwort bestand nicht in einem glaubwürdigen diplomatischen Angebot, sondern in weiteren Raketen, Drohnen und Drohungen. Die militärische Führung in Teheran kündigte an, einen amerikanischen Angriff auf Atomanlagen mit Schlägen gegen amerikanische Interessen und deren Verbündete zu beantworten.
Diese Drohung richtet sich nicht nur gegen Soldaten. Sie betrifft Menschen in Jordanien, Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien und Israel. Am Mittwochmorgen hatte Eilat Glück. Doch ein Regime, das seine Raketen in diese dicht besiedelte Region schickt, darf nicht damit rechnen, dass jede Abwehr gelingt und jeder Trümmerteil in unbewohntem Gelände landet.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 22 Juli 2026