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Iran bringt den Krieg an die nächste Meerenge

Iran bringt den Krieg an die nächste Meerenge


Kommandeure der Revolutionsgarden, Raketenteile und Gold sollen mit einer iranischen Maschine nach Jemen gebracht worden sein. Kurz darauf drohten die Huthi mit einer Blockade im Roten Meer und meldeten Angriffe auf saudische Öltanker.

Iran bringt den Krieg an die nächste Meerenge
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Ein einzelner Flug kann harmlos wirken. Eine Maschine startet in Teheran, landet einige Stunden später im jemenitischen Hodeidah, Passagiere steigen aus, Fracht wird entladen. Doch was sich am 13. Juli nach Angaben mehrerer Quellen an Bord einer Maschine von Mahan Air befand, war offenbar kein gewöhnlicher Reiseverkehr.

Zwischen zehn und 21 Angehörige der iranischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen sollen nach Jemen gebracht worden sein, darunter ranghohe Kommandeure und militärische Berater. Dazu kamen nach Informationen von Reuters Bauteile für Raketen, Teile für Drohnen und Gold, mit dem die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen ihre Operationen finanzieren können.

Sollten sich diese Angaben bestätigen, hat Iran seine Stellvertreter im Jemen nicht nur mit neuem Material versorgt. Das Regime hat Männer geschickt, die wissen, wie man die Waffen einsetzt, wie man Einheiten ausbildet und wie man aus einer bewaffneten Miliz eine Bedrohung für den internationalen Schiffsverkehr macht.

Der ursprüngliche Zielflughafen war Sanaa. Weil der Flughafen der von den Huthi beherrschten Hauptstadt kurz zuvor angegriffen worden war, wich die Maschine nach Hodeidah aus. Die Hafenstadt liegt direkt am Roten Meer und besitzt für die Huthi enorme Bedeutung. Von dort aus können sie Schiffe beobachten, bedrohen und angreifen, die auf dem Weg zum Suezkanal oder in Richtung Indischer Ozean sind.

Die Angaben stammen laut Reuters von vier Quellen. Unter ihnen befinden sich zwei iranische Informanten, ein regionaler Sicherheitsexperte und Moammar al-Iryani, Informationsminister der international anerkannten jemenitischen Regierung. Öffentlich überprüfen lassen sich noch nicht alle Einzelheiten. Doch der Zeitpunkt des Fluges und die Ereignisse der folgenden Tage ergeben ein Bild, das sich kaum als Zufall abtun lässt.

Erst der Flug, dann die Drohungen

Drei Tage nach der Landung berichtete Reuters, Teheran habe die Huthi angewiesen, sich auf eine Sperrung der Meerenge Bab al-Mandab vorzubereiten. Auslöser für eine solche Blockade solle ein möglicher amerikanischer Angriff auf iranische Energieanlagen sein.

Bab al-Mandab ist keine abgelegene Wasserstraße, die nur Fachleute kennen. Die Meerenge verbindet den Golf von Aden mit dem Roten Meer und damit mit dem Suezkanal. Tag für Tag fahren dort Tanker und Frachtschiffe entlang, die Öl, Gas, Lebensmittel, Rohstoffe und Waren zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa transportieren.

Wird diese Route gefährlich oder unpassierbar, müssen Schiffe weite Umwege um Afrika nehmen. Fahrten dauern länger, Versicherungen werden teurer, Treibstoffkosten steigen. Am Ende bezahlen nicht Regierungen den Preis, sondern Familien, Unternehmen und Verbraucher in vielen Teilen der Welt.

Genau darauf setzt Iran. Das Regime weiß, dass es den Vereinigten Staaten und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen militärisch nicht auf Augenhöhe begegnen kann. Deshalb versucht es, den Preis jeder Gegenwehr für möglichst viele Staaten zu erhöhen. Wird Iran angegriffen, sollen Schiffe brennen, Lieferketten stocken und Energiepreise steigen.

Die Huthi sind für diese Strategie das ideale Werkzeug. Sie kontrollieren weite Teile des westlichen Jemen, besitzen Raketen, Drohnen und bewaffnete Boote und haben bereits bewiesen, dass sie bereit sind, zivile Schiffe anzugreifen. Dabei trafen sie wiederholt auch Schiffe, die keinerlei Verbindung zu Israel hatten.

Ihre angebliche Unterstützung für die Palästinenser war von Beginn an ein Vorwand. Wer wahllos Frachter beschießt, Seeleute gefährdet und den Handel zwischen Kontinenten angreift, führt keinen Befreiungskampf. Er benutzt das Leid der Palästinenser, um iranische Machtinteressen durchzusetzen.

Nur wenige Tage nach dem Flug aus Teheran kündigten die Huthi eine sogenannte Seeblockade gegen Saudi-Arabien an. Am Donnerstag behaupteten sie zudem, zwei saudische Öltanker angegriffen zu haben. Ob und wie schwer die Schiffe getroffen wurden, war zunächst nicht abschließend geklärt. Klar ist jedoch, dass aus der Drohung erneut konkrete Gewalt geworden ist.

Teherans zivile Tarnung

Iran und die Huthi weisen den Bericht zurück. Der iranische Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei erklärte, mit dem Flug seien lediglich Mitglieder einer Huthi-Delegation und jemenitische Patienten zurückgebracht worden. Die Delegation habe zuvor an der Beisetzung des getöteten iranischen Machthabers Ali Chamenei teilgenommen.

Ein Vertreter der Huthi, der nach eigener Aussage selbst in der Maschine saß, sprach von Lügen und Erfindungen. Alle Passagiere seien Zivilisten gewesen. Die Huthi entwickeln ihre Waffen nach eigener Darstellung selbst und handeln unabhängig von Teheran.

Diese Behauptung wird durch jahrelange Erfahrungen widerlegt.

Immer wieder wurden Waffenlieferungen mit iranischen Bauteilen abgefangen. Immer wieder fanden Ermittler technische Übereinstimmungen zwischen iranischen Raketen, Drohnen und den von den Huthi eingesetzten Systemen. Immer wieder tauchten Hinweise auf iranische Berater, Finanzierungswege und Schmuggelnetzwerke auf.

Auch die verwendete Fluggesellschaft ist nicht unverdächtig. Mahan Air wird von den Vereinigten Staaten seit Jahren sanktioniert. Das amerikanische Finanzministerium wirft dem Unternehmen vor, Personal, Waffen, Ausrüstung und Geld für die Quds-Brigaden der Revolutionsgarden transportiert zu haben.

Mahan Air war nach amerikanischen Erkenntnissen an iranischen Operationen in Syrien beteiligt und unterstützte auch die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon. Eine Maschine dieser Gesellschaft ist daher nicht einfach ein ziviles Flugzeug, das zufällig zwischen Teheran und einem von einer iranischen Terrororganisation kontrollierten Gebiet unterwegs ist.

Das Muster ist bekannt. Waffen werden nicht immer vollständig geliefert. Oft kommen einzelne Bauteile, Baupläne, Fachleute und elektronische Komponenten getrennt ans Ziel. Vor Ort werden daraus Raketen und Drohnen zusammengebaut. Anschließend behauptet die jeweilige Miliz, sie habe alles selbst entwickelt.

So kann Iran militärische Fähigkeiten aufbauen, ohne die Verantwortung für spätere Angriffe offen übernehmen zu müssen.

Für die Huthi ist diese Unterstützung entscheidend. Sie verfügen zwar über eigene Werkstätten und haben im Laufe der Jahre technische Erfahrung gesammelt. Doch ohne iranische Hilfe hätten sie kaum jene Reichweite und Genauigkeit erreicht, mit der sie heute Israel, Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr bedrohen.

Auch Israel kennt die Folgen. Raketen und Drohnen aus Jemen wurden bereits in Richtung Eilat abgefeuert. Schiffe wurden angegriffen, weil die Huthi ihnen eine Verbindung zu Israel zuschrieben. Andere wurden getroffen, obwohl eine solche Verbindung nicht bestand.

Mit jedem dieser Angriffe versucht Iran, den Krieg räumlich auszudehnen. Die Huthi sollen nicht nur Jemen kontrollieren. Sie sollen Israel im Süden bedrohen, Saudi-Arabien unter Druck setzen und den Welthandel als Geisel nehmen.

Der Flug vom 13. Juli passt genau in diese Strategie. Kommandeure bringen Wissen. Raketenteile bringen Reichweite. Drohnenkomponenten bringen neue Angriffsmöglichkeiten. Gold sorgt dafür, dass Kämpfer, Schmuggler und Helfer bezahlt werden können.

Teheran liefert damit nicht nur Waffen. Es liefert die Voraussetzungen für den nächsten Angriff.

Wenn Bab al-Mandab geschlossen oder dauerhaft unsicher wird, spüren die Folgen nicht nur Israel und Saudi-Arabien. Sie erreichen Häfen in Europa, Fabriken in Asien und Haushalte, die für Energie und Waren mehr bezahlen müssen.

Iran möchte, dass die Welt vor diesem Preis zurückschreckt. Das Regime setzt darauf, dass Handelsschiffe, Besatzungen und Verbraucher zu Schutzschilden seiner militärischen Infrastruktur werden.

Die Huthi mögen behaupten, sie handelten unabhängig. Doch wenn iranische Maschinen Kommandeure, Raketenteile und Gold nach Hodeidah bringen, wird die Wahrheit sichtbar: Der Krieg wird in Teheran geplant, im Jemen vorbereitet und auf dem Roten Meer ausgetragen.




Autor: Redaktion
Freitag, 24 Juli 2026

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