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Houthi-Angriffe lassen Schiffsverkehr im Roten Meer einbrechen

Houthi-Angriffe lassen Schiffsverkehr im Roten Meer einbrechen


Nur elf Frachtschiffe passierten am Sonntag die Meerenge Bab al-Mandab, so wenige wie seit Monaten nicht. Während auch Hormus fast leer bleibt, geraten zwei Lebensadern des Welthandels gleichzeitig unter militärischen Druck.

Houthi-Angriffe lassen Schiffsverkehr im Roten Meer einbrechen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die Drohungen der HouthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terrororganisation wirken. Nach den von ihr behaupteten Angriffen auf saudische Ölanlagen in Dschisan und Yanbu ist der Schiffsverkehr am südlichen Eingang des Roten Meeres deutlich zurückgegangen. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten am Sonntag nur elf Frachtschiffe mit Rohstoffen oder Energieladungen die Meerenge Bab al-Mandab. Das war der niedrigste erfasste Tageswert seit Monaten.

Diese Zahl bedeutet nicht, dass überhaupt nur elf Schiffe durch die Meerenge fuhren. Kpler erfasst für diese Auswertung bestimmte Handelsschiffe und ist auf deren Positionsdaten angewiesen. Einzelne Schiffe können ihre Transponder abschalten oder mit Verzögerung erkannt werden. Dennoch ist der Rückgang ein deutliches Signal: Reedereien, Versicherer und Kapitäne reagieren auf die wachsende Gefahr und meiden eine Route, die eigentlich zu den wichtigsten Verbindungen zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa gehört.

Sieben der elf erfassten Schiffe waren Öltanker. Drei von ihnen fuhren in das Rote Meer hinein. Zwei sehr große Rohöltanker, sogenannte VLCC, waren auf dem Weg nach Yanbu, um dort saudisches Öl zu laden. Das dritte Schiff wurde als russlandnah beschrieben. Vier Tanker verließen das Rote Meer in Richtung Golf von Aden und Indischer Ozean. Darunter befand sich die unter der Flagge Hongkongs fahrende „New Explorer“ mit rund zwei Millionen Barrel saudischem und emiratischem Rohöl für China. Weitere Tanker transportierten russisches Öl nach China und saudisches Rohöl nach Pakistan.

Saudi-Arabiens Ausweichroute wird selbst zum Angriffsziel

Der Zeitpunkt ist für Saudi-Arabien besonders gefährlich. Wegen der anhaltenden Unsicherheit in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen hatte Riad einen größeren Teil seiner Exporte über die Ost-West-Pipeline an die Küste des Roten Meeres verlagert. Die Leitung kann gewöhnlich rund fünf Millionen Barrel Rohöl am Tag transportieren und ihre Leistung zeitweise weiter erhöhen. Sie verbindet die Fördergebiete im Osten des Königreichs mit dem Hafen Yanbu.

Diese Pipeline soll Saudi-Arabien unabhängiger von Hormus machen. Für Lieferungen nach Europa können Tanker von Yanbu nach Norden durch den Suezkanal fahren. Für die wichtigen asiatischen Absatzmärkte müssen sie jedoch nach Süden und durch Bab al-Mandab. Genau dort versuchen die vom Iran unterstützten Houthis nun, eine zweite maritime Front aufzubauen.

Die Terrororganisation hatte bereits eine angebliche Seeblockade gegen Saudi-Arabien ausgerufen und Reedereien damit gedroht, Schiffe überall innerhalb ihrer militärischen Reichweite anzugreifen, wenn sie saudische Häfen anlaufen. Mehrere Tanker änderten daraufhin ihren Kurs oder fuhren zunächst nach Norden in Richtung Suezkanal, statt die gefährdete Meerenge zu passieren.

Am Samstag behauptete Houthi-Militärsprecher Yahya Saree, Ziele des staatlichen saudischen Ölkonzerns Aramco in Dschisan und Yanbu angegriffen zu haben. Das genaue Ausmaß möglicher Schäden war zunächst nicht unabhängig bestätigt. Für den Schiffsverkehr genügte jedoch bereits die glaubhafte Möglichkeit weiterer Raketen- und Drohnenangriffe. Reedereien müssen nicht warten, bis ein Tanker brennt oder Seeleute sterben. Sie rechnen das Risiko vorher in Routen, Versicherungsprämien und Frachtpreise ein.

Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation hat die Houthi-Angriffe auf Handelsschiffe wiederholt als rechtswidrig verurteilt. Sie gefährden nicht nur Schiffe und Ladungen, sondern vor allem Besatzungen, die mit den politischen und militärischen Forderungen der Terrororganisation nichts zu tun haben.

Auch Hormus bleibt fast leer

Während Bab al-Mandab immer unsicherer wird, hat sich der Verkehr durch die Straße von Hormus trotz einer vorübergehenden Pause der amerikanischen und iranischen Angriffe kaum erholt. Nach Kpler-Daten passierten am Wochenende täglich weniger als zehn erfasste Rohstoffschiffe die Meerenge.

Am Sonntag wurden sieben Durchfahrten registriert. Darunter waren drei mit Iran verbundene Produktentanker, die den Persischen Golf verließen. Am Samstag passierten lediglich drei Schiffe die Meerenge, offenbar mit abgeschalteten Transpondern. Am Freitag waren es sieben, überwiegend auf dem Weg aus dem Golf.

Die Zahlen zeigen, dass eine Feuerpause allein nicht genügt, um Vertrauen wiederherzustellen. Ein Reeder entscheidet nicht danach, ob in den vergangenen Stunden geschossen wurde. Er muss bewerten, ob ein Schiff im Wert von weit über 100 Millionen Euro samt Ladung und Besatzung auch in den kommenden Tagen sicher durchfahren kann.

Solange Iran Hormus als politischen Druckhebel behandelt und die Houthis zugleich Bab al-Mandab bedrohen, bleibt dieses Vertrauen gering. Damit stehen erstmals zwei entscheidende Seewege gleichzeitig unter massivem Druck. Die eine Meerenge kontrolliert den Zugang zum Persischen Golf, die andere den südlichen Zugang zum Roten Meer und zum Suezkanal.

Bereits vor der aktuellen Angriffswelle war der Verkehr im Roten Meer stark zurückgegangen. Nach Angaben der amerikanischen Energiebehörde sank der Ölhandel durch Bab al-Mandab von durchschnittlich 8,7 Millionen Barrel am Tag im Jahr 2023 auf rund vier Millionen Barrel in den ersten acht Monaten des Jahres 2024. Viele Reedereien hatten ihre Schiffe nach früheren Houthi-Angriffen um das Kap der Guten Hoffnung geschickt.

Diese Umleitung kostet Zeit und Geld. Eine Fahrt um Afrika kann sich um etwa einen Monat verlängern und bei einem großen Tanker rund 2,5 Millionen Dollar zusätzliche Kosten verursachen. Mehr Treibstoff, höhere Versicherungsprämien, zusätzliche Heuertage und knappere verfügbare Transportkapazitäten verteuern am Ende nicht nur Öl, sondern zahlreiche Waren.

Der Schaden beginnt deshalb nicht erst, wenn eine Rakete ihr Ziel trifft. Schon die Drohung zwingt Schiffe zu Umwegen, verlängert Lieferzeiten und treibt Kosten nach oben. Genau darauf zielen Iran und seine Houthi-Verbündeten. Sie wollen die Weltwirtschaft spüren lassen, welchen Preis sie für den militärischen Druck auf Teheran zahlen soll.

Die Houthis besitzen kein Recht, saudische Häfen zu blockieren oder internationalen Unternehmen vorzuschreiben, wo sie Fracht laden dürfen. Ihre Erklärung ist keine rechtmäßige maritime Maßnahme. Sie ist eine Terrordrohung gegen zivile Schiffe.

Dass am Sonntag nur elf erfasste Frachtschiffe Bab al-Mandab passierten, zeigt, wie wirksam diese Form der Erpressung bereits ist. Die Terrororganisation muss nicht jedes Schiff versenken. Sie muss nur erreichen, dass Reedereien aus Angst selbst verschwinden.

Bleiben Hormus und Bab al-Mandab gleichzeitig unsicher, drohen nicht nur Saudi-Arabien Verluste. China, Indien, Japan, Europa und zahlreiche ärmere Importstaaten wären von längeren Transportwegen, höheren Preisen und möglichen Lieferausfällen betroffen. Der Angriff auf saudische Anlagen ist deshalb kein entfernter Konflikt am Rand des Roten Meeres. Er ist ein Angriff auf eine der Grundlagen des weltweiten Handels.




Autor: Redaktion
Montag, 27 Juli 2026

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