Netanjahu bei Trump: Iran stoppen und Saudi-Arabien in den Friedenskreis holenNetanjahu bei Trump: Iran stoppen und Saudi-Arabien in den Friedenskreis holen
Israels Regierungschef ist im Weißen Haus eingetroffen. Hinter verschlossenen Türen geht es um Irans Atomprogramm, die amerikanische Angriffspause und ein mögliches historisches Abkommen mit Saudi-Arabien.

Bildnachweis: The White House /
QuelleMinisterpräsident Benjamin Netanjahu ist am Dienstag im Weißen Haus eingetroffen und hat sein Gespräch mit US-Präsident Donald Trump begonnen. Wenige Minuten zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das Gebäude nach einem eigenen Treffen mit Trump verlassen. Die Unterredung zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem israelischen Regierungschef findet bislang ohne Presseöffentlichkeit statt.
Netanjahus Delegation umfasst Israels Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, Stabschef Ido Norden, Militärsekretär Generalmajor Guy Markezano sowie die Berater Ophir Falk und Caroline Glick. Es handelt sich um das achte persönliche Treffen zwischen Trump und Netanjahu seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus und um die erste direkte Begegnung seit Beginn des Krieges gegen Iran.
Im Zentrum steht die Frage, ob die Vereinigten Staaten ihre militärische Pause nutzen, um Iran zu einem tragfähigen Abkommen zu zwingen, oder ob Teheran die gewonnene Zeit zur Wiederherstellung seiner militärischen und nuklearen Fähigkeiten verwendet. Daneben wollen beide Regierungschefs über eine mögliche Ausweitung der Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen auf Saudi-Arabien sowie über die Sicherheitsordnung im Libanon sprechen.
Netanjahu will verhindern, dass Iran die Pause zur Rettung nutzt
Vor seinem Abflug hatte Netanjahu Iran ausdrücklich als wichtigstes Thema des Treffens bezeichnet. In den gegenwärtigen, komplizierten Zeiten müsse IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen mit Entschlossenheit und zugleich mit Weisheit handeln. Ziel sei es, Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen zu schützen und den Kreis des Friedens in der Region zu erweitern.
Trump verfolgt derzeit eine andere unmittelbare Priorität. Nach fast zwei Wochen amerikanischer Angriffe hat er die Bombardierungen ausgesetzt und erklärt, Washington führe gute Gespräche mit Teheran. Der Präsident sieht nach eigenen Worten eine realistische Chance auf eine Vereinbarung, droht aber zugleich mit einer Wiederaufnahme und erheblichen Ausweitung der Angriffe, sollte Iran keine tragfähigen Zugeständnisse machen.
Für Israel besteht die Gefahr darin, dass Teheran erneut ein begrenztes Abkommen unterschreibt, während entscheidende Fähigkeiten verborgen bleiben. Netanjahu will Trump deshalb offenbar aktuelle Geheimdienstinformationen über Aktivitäten am sogenannten Pickaxe Mountain vorlegen. Der tief unter einem Berg gelegene Komplex befindet sich in der Nähe von Natanz und könnte Iran die Möglichkeit geben, Teile seines Atomprogramms noch besser gegen Luftangriffe zu schützen.
Trump reagierte bereits vor dem Treffen ungewöhnlich scharf auf die israelischen Warnungen. Er erklärte in einem Interview mit Fox News, er wisse genau, was am Pickaxe Mountain geschehe. Netanjahu müsse ihm diese Erkenntnisse nicht erst erklären und solle sensible Warnungen nicht öffentlich verkünden, sondern direkt mit ihm besprechen. Trump stellte die Aktivitäten in der Anlage zugleich als gegenwärtig beherrschbares Problem dar.
Die Äußerungen zeigen, dass es zwischen Washington und JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen weniger Streit über die vorhandenen Informationen als über deren politische und militärische Bewertung gibt.
Israel sieht eine befestigte iranische Atomanlage als mögliche strategische Bedrohung, die bekämpft werden muss, bevor sie nahezu unangreifbar wird. Trump will offenbar zunächst prüfen, ob er mit der Drohung weiterer Angriffe ein Abkommen erzwingen kann, ohne die Vereinigten Staaten erneut in eine längere militärische Eskalation zu führen.
Die entscheidende Frage des Treffens lautet deshalb: Welche iranischen Zugeständnisse würden Trump genügen, um die Angriffe dauerhaft einzustellen?
Eine bloße Zusicherung Teherans, keine Bombe bauen zu wollen, kann für Israel nicht ausreichen. Notwendig wären überprüfbare Beschränkungen, vollständige Inspektionen, die Offenlegung unterirdischer Anlagen und eine Begrenzung jener Fähigkeiten, mit denen Iran sein Programm nach einer kurzen Unterbrechung wieder aufnehmen könnte.
Trump will den historischen Durchbruch mit Saudi-Arabien
Das zweite große Thema ist Saudi-Arabien. Trump will das Königreich in die Abraham-Abkommen aufnehmen und damit den bedeutendsten diplomatischen Durchbruch zwischen Israel und einem arabischen Staat seit Jahrzehnten erreichen.
Die Vereinigten Staaten hatten zuletzt ein Abkommen über zivile nukleare Zusammenarbeit mit Riad vorbereitet. Trump erklärte anschließend, die amerikanische Unterstützung werde davon abhängen, dass Saudi-Arabien Israel anerkennt und den Abraham-Abkommen beitritt. Reuters und Axios berichten allerdings, dass eine solche Bedingung bislang nicht ausdrücklich in dem zur Prüfung vorgesehenen Vertragstext enthalten sein soll.
Netanjahu muss deshalb darauf drängen, dass Washington seinen wichtigsten Hebel nicht aus der Hand gibt.
Saudi-Arabien wünscht amerikanische Sicherheitsgarantien, moderne Waffen und Unterstützung beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms. Die USA dürfen diese strategischen Leistungen nicht vollständig gewähren und erst anschließend auf eine mögliche Normalisierung mit Israel hoffen.
Die Reihenfolge ist entscheidend: Anerkennung IsraelsExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen und verbindliche Sicherheitsvereinbarungen müssen Teil des Gesamtpakets sein, nicht eine unverbindliche Erwartung für eine spätere Zukunft.
Riad hält bislang an seiner Forderung nach einem glaubwürdigen Weg zu einem palästinensischen Staat fest. Israel wiederum kann keiner Vereinbarung zustimmen, die seine Sicherheit gefährdet oder nach dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen die Entstehung eines von HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, Iran oder anderen Terrororganisationen beeinflussten Staates erzwingt.
Ein Friedensabkommen mit Saudi-Arabien wäre dennoch von historischer Bedeutung. Es könnte die regionale Zusammenarbeit gegen Iran stärken, Israels wirtschaftliche und diplomatische Einbindung vertiefen und anderen muslimischen Staaten den Weg zu offiziellen Beziehungen mit Jerusalem erleichtern.
Netanjahu will Trump deshalb nicht von der Normalisierung abbringen. Er will verhindern, dass Israel dafür einen unvertretbaren Preis zahlen muss.
Das Verhältnis ist belastet, aber weiterhin entscheidend
Das Treffen findet vor dem Hintergrund sichtbarer Spannungen statt. Trump bestätigte, dass es zwischen ihm und Netanjahu bei der Iran-Politik gewisse Unterschiede gebe, betonte aber zugleich, beide lägen weiterhin nah beieinander.
In den ersten Monaten des Krieges sprachen die beiden Regierungschefs nahezu täglich. In den vergangenen Wochen wurden die Kontakte nach Berichten amerikanischer Medien seltener. Trump konzentriert sich stärker auf Verhandlungen und eine Beendigung des Krieges. Netanjahu warnt davor, Iran durch eine zu frühe Entspannung die Möglichkeit zur militärischen Erholung zu geben.
Hinzu kommen Differenzen über israelische Angriffe auf die vom Iran unterstützte HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon und über einen möglichen amerikanischen Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei. Netanjahu betrachtet beide Fragen als unmittelbare Bestandteile der israelischen Sicherheitsarchitektur.
Die Hisbollah darf eine Kampfpause nicht zur Wiederbewaffnung nutzen. Gleichzeitig würde eine Lieferung modernster Tarnkappenflugzeuge an die Türkei das militärische Kräfteverhältnis verändern. Präsident Recep Tayyip ErdoÄŸan verfolgt eine offen israelfeindliche Politik und unterstützt Hamas-Strukturen. Dass die Türkei NATO-Mitglied ist, macht diese Entwicklung für Israel nicht automatisch ungefährlich.
Netanjahu braucht mehr als ein gemeinsames Foto
Reuters berichtet unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen, Netanjahu hoffe auch auf politische Unterstützung Trumps vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober. Ein öffentlich sichtbares Zeichen enger Beziehungen könnte dem Ministerpräsidenten innenpolitisch helfen.
Die Begegnung wurde jedoch zunächst für die Presse geschlossen. Damit fehlt vorerst genau das gemeinsame Bild, das Netanjahu nach israelischen Berichten erreichen wollte.
Ob das Treffen ein politischer Erfolg wird, entscheidet sich ohnehin nicht an der Zahl der Kameras.
Netanjahu braucht Klarheit darüber, welche Bedingungen Trump Iran stellen wird. Er muss verhindern, dass die Vereinigten Staaten einen unzureichenden Vertrag als Frieden präsentieren, während das Regime seine gefährlichsten Fähigkeiten im Untergrund bewahrt.
Er braucht außerdem eine verbindliche Verbindung zwischen amerikanischer Nuklearhilfe für Saudi-Arabien und einer Normalisierung mit Israel.
Und er muss sicherstellen, dass die Suche nach schnellen diplomatischen Erfolgen nicht zu Einschränkungen der israelischen Handlungsfreiheit gegen Iran, Hisbollah und andere Terrorarme des Regimes führt.
Trump wiederum erwartet von Netanjahu Unterstützung für eine regionale Ordnung, die den Krieg beendet, die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen stabilisiert und Saudi-Arabien in die Abraham-Abkommen führt.
Beide Regierungschefs brauchen einander. Ihre Ziele sind jedoch nicht mehr in jedem Punkt identisch.
Gerade deshalb ist dieses Treffen entscheidend.
Ein schlechtes Abkommen könnte Iran Zeit verschaffen und Israels Feinde stärken. Eine klare gemeinsame Strategie könnte dagegen das iranische Atomprogramm dauerhaft begrenzen und zugleich den Weg zu einem historischen Frieden mit Saudi-Arabien öffnen.
Autor: Redaktion
Dienstag, 28 Juli 2026