Nach 17 Jahren Funkstille: Israel und Venezuela öffnen wieder die Tür

Nach 17 Jahren Funkstille: Israel und Venezuela öffnen wieder die Tür


Israel und Venezuela nehmen erstmals seit 2009 wieder offizielle konsularische Beziehungen auf. Ausgerechnet Israels Hilfe nach den verheerenden Erdbeben wurde zum Ausgangspunkt einer Annäherung, die bald noch weiter gehen könnte.

Nach 17 Jahren Funkstille: Israel und Venezuela öffnen wieder die Tür
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Siebzehn Jahre lang gab es zwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und Venezuela praktisch keinen offiziellen diplomatischen Kanal. Jetzt beginnt sich diese Tür wieder zu öffnen. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen und Caracas haben vereinbart, einen gemeinsamen Mechanismus für konsularische Dienstleistungen einzurichten und die bereits bestehende technische Zusammenarbeit fortzusetzen. Vollständige diplomatische Beziehungen sind damit noch nicht wiederhergestellt, doch nach fast zwei Jahrzehnten politischer Eiszeit ist der Schritt von erheblicher Bedeutung.

Die Annäherung wurde am Dienstag nach Gesprächen zwischen Israels Außenminister Gideon Sa'ar und seinem venezolanischen Amtskollegen Félix Plasencia bekanntgegeben. Künftig sollen Bürger beider Länder wieder einen offiziellen Weg erhalten, konsularische Angelegenheiten zu regeln. Für israelische Staatsbürger in Venezuela und Venezolaner mit Beziehungen nach Israel beendet dies zumindest teilweise einen Zustand, in dem selbst gewöhnliche Verwaltungsfragen durch den Abbruch der Beziehungen erheblich erschwert waren.

Gerade für die jüdische Gemeinschaft Venezuelas besitzt die Entscheidung deshalb weit mehr als symbolischen Wert.

Noch bemerkenswerter ist jedoch, wie es überhaupt zu dieser Entwicklung kam.

Israel kam nach dem Erdbeben, obwohl es keine Beziehungen gab

Am 24. Juni erschütterten zwei schwere Erdbeben Venezuela. Tausende Menschen starben, Zehntausende wurden verletzt oder verloren ihre Wohnungen. Die Katastrophe stellte das Land vor enorme Aufgaben bei Rettung, Begutachtung beschädigter Gebäude und Wiederaufbau.

Israel reagierte, obwohl zwischen beiden Staaten seit 2009 keine diplomatischen Beziehungen bestanden.

Eine israelische Delegation aus Experten des Außenministeriums, des Heimatfrontkommandos und der nationalen Katastrophenschutzbehörde wurde nach Venezuela entsandt. Ihre Aufgabe bestand nicht nur darin, unmittelbar nach der Katastrophe zu helfen. Israelische Fachleute untersuchten beschädigte Gebäude, arbeiteten mit venezolanischen Behörden zusammen und entwickelten schließlich einen nationalen Wiederaufbauplan für besonders schwer getroffene Gebiete. Das israelische Außenministerium bestätigte, dass auf venezolanische Bitte zusätzliche Experten hinzugezogen wurden.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu brachte die politische Bedeutung dieser Mission bereits Anfang Juli auf eine bemerkenswert klare Formel. Bei einem Gespräch mit den Verantwortlichen der israelischen Delegation erklärte er, sie würden nicht nur die Trümmer beseitigen, sondern gleichzeitig die Beziehungen wiederaufbauen. Der von Israel erarbeitete Wiederaufbauplan war zu diesem Zeitpunkt bereits der amtierenden venezolanischen Präsidentin vorgelegt und von ihr gebilligt worden.

Genau das geschieht nun.

Humanitäre Hilfe hat einen politischen Kanal geöffnet, der fast zwei Jahrzehnte verschlossen war.

Miguel Truzman von der Confederation of Jewish Associations of Venezuela bezeichnete die Entwicklung als Beginn einer neuen Ära. Nach seiner Darstellung entstand Vertrauen gerade durch die israelische und jüdische Hilfe nach der Erdbebenkatastrophe. Der jetzige konsularische Schritt könne der Anfang einer vollständigen Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen sein.

Für die jüdische Gemeinschaft Venezuelas ist das keine abstrakte Außenpolitik. Familienverbindungen nach Israel, Reisen, Dokumente und andere konsularische Angelegenheiten wurden durch den Abbruch der Beziehungen wesentlich komplizierter. Mitglieder der Gemeinde äußerten gegenüber israelischen Medien entsprechend Hoffnung, dass nun wieder Normalität entstehen könne.

Die Geschichte dahinter reicht bis 2009 zurück.

Damals brach die Regierung von Hugo Chávez die diplomatischen Beziehungen zu Israel während des GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Krieges ab. Der israelische Botschafter wurde ausgewiesen. Venezuela entwickelte sich in den folgenden Jahren unter Chávez und Nicolás Maduro zugleich zu einem engen politischen Partner der Islamischen Republik Iran und gehörte international zu den besonders scharfen Gegnern Israels.

Dass Caracas nun wieder einen offiziellen Kanal nach Jerusalem öffnet, ist deshalb kein kleiner konsularischer Verwaltungsvorgang.

Es ist ein politisches Signal.

Venezuelas Außenpolitik beginnt sich zu bewegen

Die Annäherung findet in einem Venezuela statt, dessen Außenpolitik sich derzeit stark verändert. Nach dem Machtverlust Nicolás Maduros und unter der amtierenden Führung von Delcy Rodríguez hat Caracas begonnen, zuvor eingefrorene Beziehungen neu zu ordnen. Auch die Vereinigten Staaten und Venezuela vereinbarten im März die Wiederaufnahme diplomatischer und konsularischer Beziehungen.

Reuters bewertet auch die Annäherung an Israel vor diesem Hintergrund als Teil einer größeren geopolitischen Verschiebung. Venezuela war über Jahre eng mit Teheran verbunden. Inzwischen sucht die Regierung stärker die Zusammenarbeit mit Washington und anderen internationalen Partnern.

Israel hat dabei einen ungewöhnlichen Einstieg gefunden.

Nicht politischer Druck und nicht eine große diplomatische Konferenz haben den ersten Durchbruch gebracht, sondern israelische Rettungsfachleute, Ingenieure und Katastrophenschützer.

Das sollte nicht unterschätzt werden.

Israel besitzt mit dem Heimatfrontkommando große Erfahrung im Umgang mit eingestürzten Gebäuden, schweren Erdbeben und komplexen Rettungsoperationen. Diese Fähigkeiten wurden über Jahrzehnte auch bei internationalen Katastropheneinsätzen eingesetzt. In Venezuela entstand daraus offenbar etwas, das politische Gespräche zuvor nicht erreichen konnten: praktische Zusammenarbeit und Vertrauen.

Die venezolanische Regierung nahm israelische Hilfe an, obwohl es keine normalen diplomatischen Beziehungen gab. Israel wiederum entschied sich zu helfen, obwohl Caracas über viele Jahre einen ausgesprochen feindseligen politischen Kurs gegenüber Jerusalem verfolgt hatte.

Das war richtig.

Humanitäre Hilfe sollte nicht davon abhängen, ob eine Regierung Israel zuvor freundlich behandelt hat. Gleichzeitig zeigt dieser Fall, dass Hilfe auch politische Mauern überwinden kann.

Nun kommt es darauf an, was aus dem ersten Schritt wird.

Ein Mechanismus für konsularische Dienstleistungen ist noch keine Botschaft. Israel und Venezuela haben ihre vollständigen diplomatischen Beziehungen bislang nicht wiederhergestellt. Es gibt noch keine Rückkehr zu jenem Zustand, der vor 2009 bestand.

Aber Diplomatie beginnt häufig genau so: zunächst technische Zusammenarbeit, dann konsularische Kontakte, anschließend politische Vertretungen.

Die jüdische Gemeinschaft Venezuelas hofft bereits offen auf diesen nächsten Schritt.

Für Israel wäre eine vollständige Normalisierung auch strategisch interessant. Lateinamerika war über Jahre ein Raum, in dem Iran erheblichen politischen Einfluss aufbauen konnte. Venezuela gehörte zu den wichtigsten Partnern Teherans in der westlichen Hemisphäre. Jede politische Öffnung zwischen Caracas und Jerusalem schwächt deshalb zumindest die Vorstellung, Venezuela müsse dauerhaft zum antiisraelischen Lager gehören.

Dabei wäre es verfrüht, von einem grundlegenden Bündniswechsel zu sprechen.

Die neue venezolanische Regierung unterhält weiterhin Beziehungen zu Staaten und politischen Kräften, deren Interessen nicht mit denen Israels übereinstimmen. Auch die innenpolitische Entwicklung Venezuelas bleibt kompliziert.

Doch das macht die Entscheidung vom Dienstag nicht kleiner.

Siebzehn Jahre lang fehlte selbst ein offizieller Mechanismus, über den Israel und Venezuela alltägliche Angelegenheiten ihrer Bürger regeln konnten.

Jetzt gibt es ihn wieder.

Und möglicherweise ist gerade der Weg dorthin die stärkste Botschaft dieser Geschichte.

Als Venezuela nach den schweren Erdbeben Hilfe benötigte, kam Israel, obwohl Caracas die Beziehungen einst abgebrochen hatte.

Wo vorher politische Feindschaft herrschte, arbeiteten israelische und venezolanische Fachleute plötzlich gemeinsam an beschädigten Gebäuden und am Wiederaufbau ganzer Regionen.

Wenige Wochen später sitzen die Außenminister beider Staaten miteinander im Gespräch.

Die vollständige Normalisierung ist noch nicht erreicht.

Aber nach 17 Jahren ist die Tür wieder offen.




Autor: Redaktion
Mittwoch, 12 August 2026

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