Fünf Tage nach Israels Angriff: Mossad-Chef trifft Syriens Außenminister

Fünf Tage nach Israels Angriff: Mossad-Chef trifft Syriens Außenminister


Der israelische Mossad-Chef Roman Gofman und Syriens Außenminister Asaad al-Shaibani haben sich zu direkten Gesprächen getroffen. Nur wenige Tage nach dem Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Abu al-Duhur wird damit ein bemerkenswerter Gesprächskanal wieder geöffnet. Im Hintergrund steht vor allem die wachsende Rolle der Türkei in Syrien.

Fünf Tage nach Israels Angriff: Mossad-Chef trifft Syriens Außenminister
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Noch am Samstag erklärte Syriens Außenminister Asaad al-Shaibani, nach dem israelischen Angriff auf Abu al-Duhur sei der Kontakt zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen unterbrochen worden. Einen Tag später saß er bereits mit dem Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad zusammen.

Nach übereinstimmenden Berichten von N12 und Axios trafen sich Roman Gofman und al-Shaibani am Sonntag zu einem hochrangigen Gespräch, um die Spannungen zwischen Israel und Syrien wieder zu reduzieren. Zwei mit dem Vorgang vertraute Quellen bestätigten das Treffen. Eine Quelle sagte, das Gespräch sei „gut“ verlaufen. Axios berichtet, dass das Treffen in Jordanien stattfand. Das israelische Büro des Ministerpräsidenten wollte sich offiziell nicht äußern.

Allein der Zeitpunkt ist bemerkenswert.

Am Dienstag hatte Israel den syrischen Luftwaffenstützpunkt Abu al-Duhur im Nordwesten Syriens angegriffen. Mindestens acht Bomben trafen nach amerikanischen und israelischen Angaben Startbahnen und Hangars. Israel übernahm später die Verantwortung und erklärte, Syrien habe kurz davor gestanden, einen bestehenden sicherheitspolitischen Status quo zu verletzen, indem türkischen Streitkräften eine Stationierung auf dem Stützpunkt ermöglicht werde.

Syrien und die Türkei bestreiten diese Darstellung.

Al-Shaibani räumte allerdings ein, dass türkische Offiziere den Luftwaffenstützpunkt wenige Tage vor dem israelischen Angriff besucht hatten. Nach seiner Darstellung ging es dabei lediglich um die bereits bestehende militärische Zusammenarbeit zwischen Ankara und Damaskus, insbesondere Ausbildung und Erfahrungsaustausch. Eine dauerhafte türkische Basis oder die Stationierung türkischer Truppen in Abu al-Duhur sei nicht geplant gewesen.

Israel bewertete die Lage anders. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen teilte Washington vor dem Angriff mit, es gebe Erkenntnisse über eine bevorstehende Lieferung fortschrittlicher türkischer Waffensysteme und einen möglichen weiteren militärischen Ausbau des Stützpunktes. Israel sieht insbesondere türkische Luftabwehr, Radarsysteme und eine dauerhafte türkische Militärpräsenz in Syrien als mögliche Einschränkung seiner eigenen Handlungsfreiheit.

Damit geht es längst um mehr als einen syrischen Militärflugplatz.

Syrien wird zum Schauplatz des israelisch-türkischen Machtkampfs

Seit dem Sturz des Assad-Regimes hat Ankara seinen Einfluss auf die neue syrische Führung erheblich ausgebaut. Präsident Ahmed al-Sharaa ist auf türkische Unterstützung angewiesen, während Syrien gleichzeitig versucht, seine Streitkräfte wieder aufzubauen.

Für Israel entsteht damit eine neue strategische Lage. Eine iranische Militärpräsenz in Syrien konnte Jerusalem über Jahre hinweg mit Luftangriffen bekämpfen. Bei türkischen Soldaten, Radarsystemen oder Luftabwehrstellungen wäre die Situation erheblich komplizierter. Die Türkei ist NATO-Mitglied und verfügt über eine der größten Streitkräfte des Bündnisses.

Genau deshalb ist das Treffen zwischen Gofman und al-Shaibani wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Es ist nicht einmal der erste direkte Kontakt der beiden. Bereits am 14. August telefonierte der Mossad-Chef mit dem syrischen Außenminister. Dabei ging es nach Angaben mehrerer mit dem Gespräch vertrauter Personen ausdrücklich um die türkische Militärpräsenz in Syrien, mögliche Truppenstationierungen sowie Waffen und Drohnen. Vier Tage später griff Israel Abu al-Duhur an.

Nun sprechen beide Seiten wieder miteinander.

Das zeigt gleichzeitig zwei Dinge: Israel ist offenbar bereit, seine militärischen roten Linien auch mit Gewalt durchzusetzen. Jerusalem hat aber offensichtlich kein Interesse daran, daraus einen dauerhaften Konflikt mit der neuen syrischen Führung entstehen zu lassen.

Auch Damaskus scheint den Gesprächskanal nicht abbrechen zu wollen.

Al-Shaibani erklärte Reuters unmittelbar vor dem Treffen, Syrien sehe weiterhin eine „historische Gelegenheit“ für Diplomatie mit Israel. Nach seinen Angaben waren die Verhandlungen über ein Sicherheitsabkommen bereits weit fortgeschritten. Anfang dieses Jahres habe man sich „auf dem Papier über fast alles“ verständigt. Der Entwurf soll verschiedene Sicherheitszonen im Süden Syriens und Regelungen über die Präsenz syrischer Kräfte nahe der israelischen Grenze vorgesehen haben.

Die syrische Regierung fordert im Gegenzug ein Ende israelischer Angriffe und einen israelischen Rückzug aus Gebieten, die nach dem Sturz Assads unter israelische Kontrolle gebracht wurden. Israel wiederum verlangt verlässliche Sicherheitsgarantien und will verhindern, dass sich neue militärische Bedrohungen unmittelbar vor seiner Nordgrenze etablieren.

Dazwischen steht die Türkei.

Und genau darin liegt möglicherweise die überraschendste Entwicklung der vergangenen Monate: Ausgerechnet Syrien könnte für Israel zu einem notwendigen Gesprächspartner werden, um eine direkte Konfrontation mit Ankara zu verhindern.

Das bedeutet weder Vertrauen noch Frieden. Al-Shaibani sagte selbst am Samstag ausdrücklich, Syrien vertraue Israel derzeit nicht. Auch Israel hat angesichts der Vergangenheit der neuen syrischen Führung allen Grund zur Vorsicht.

Aber fünf Tage nach einem israelischen Luftangriff treffen sich der syrische Außenminister und der Mossad-Chef persönlich.

Das ist für zwei Staaten, die formal noch immer keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, alles andere als gewöhnlich.

Und es zeigt, dass Bomben und Diplomatie in diesem Fall nicht zwangsläufig Gegensätze sind. Israel hat eine militärische Grenze gezogen. Syrien hat protestiert. Anschließend setzen sich beide Seiten wieder an einen Tisch.

Ob daraus tatsächlich ein Sicherheitsabkommen entsteht, ist offen.

Dass der Gesprächskanal den Angriff von Abu al-Duhur überlebt hat, ist dagegen bereits jetzt ein wichtiges Signal.




Autor: Redaktion
Montag, 24 August 2026

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