US-Hilfe für Peschmerga vor dem Aus: Kurden warnen vor strategischem Geschenk an IranUS-Hilfe für Peschmerga vor dem Aus: Kurden warnen vor strategischem Geschenk an Iran
Washington erwägt offenbar, die direkte Militärhilfe für die kurdischen Peschmerga auslaufen zu lassen. Ausgerechnet jetzt, da Iran die autonome Region angreift, wächst die Sorge vor einem gefährlichen Machtvakuum.

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Die USA könnten ihre direkte Militärhilfe für einen ihrer wichtigsten Partner im Kampf gegen den Islamischen Staat deutlich zurückfahren. Nach einem Bericht der BBC plant die Trump-Regierung, das Ende September auslaufende Unterstützungsabkommen mit den Peschmerga der autonomen Region Kurdistan im Irak nicht in seiner bisherigen Form zu verlängern. Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen, und aus Erbil heißt es, Washington habe die kurdische Seite bislang nicht offiziell über ein Ende der Hilfen informiert.
Gerade diese Ungewissheit sorgt für Unruhe. Die Peschmerga waren seit dem Aufstieg des IS 2014 einer der verlässlichsten militärischen Partner der Vereinigten Staaten im Irak. Sie verhinderten damals den Vormarsch der Terrororganisation auf Erbil, verteidigten Hunderttausende Vertriebene und beteiligten sich später an Operationen zur Rückeroberung von Sindschar, Kirkuk und Gebieten rund um Mossul. Anschließend bauten die USA ihre militärische Unterstützung, Ausbildung und Ausrüstung der kurdischen Kräfte erheblich aus.
Das Pentagon bestätigte 2022 bei der Verlängerung des entsprechenden Memorandum of Understanding ausdrücklich, dass die Peschmerga ein wichtiger Bestandteil der gemeinsamen Strategie zur dauerhaften Niederlage des IS seien. Das zunächst 2016 geschlossene Abkommen sollte zugleich helfen, die kurdischen Streitkräfte zu professionalisieren und ihre historisch gewachsenen Parteistrukturen zu überwinden.
Nun läuft diese Vereinbarung am 30. September aus. Nach Angaben der BBC erhielten die rund 180.000 Peschmerga im Haushaltsjahr 2026 etwa 61 Millionen Dollar für Waffen, Ausbildung und Soldzahlungen aus dem amerikanischen Anti-IS-Programm. Das Pentagon habe für 2027 vorgeschlagen, diese direkte Unterstützung umzuschichten, weil der sogenannte Islamische Staat territorial besiegt sei. Gleichzeitig soll Washington prüfen, in welcher Form eine sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit dem Irak und der autonomen Region Kurdistan auch nach dem Abzug der Koalitionstruppen fortgesetzt werden kann.
Noch keine offizielle Mitteilung aus Washington
Die Meldung über ein bevorstehendes Ende der Unterstützung ist allerdings keineswegs gleichbedeutend mit einer bereits beschlossenen vollständigen Aufgabe der Peschmerga.
Das kurdische Nachrichtenportal Rudaw berichtet unter Berufung auf drei informierte Quellen aus dem Peschmerga-Ministerium, dass aus Washington bislang keine offizielle Mitteilung über die Einstellung der Finanzhilfe eingegangen sei. Das bestehende Abkommen endet zwar am 30. September, doch werde in den kommenden Tagen noch über die weitere Zusammenarbeit gesprochen. Auch die August- und Septemberzahlungen würden weiterhin erwartet.
Ein hochrangiger kurdischer Vertreter erklärte zudem, dass die multinationale Beratungsstruktur, die den Reformprozess der Peschmerga begleitet, an einem neuen Modell der Zusammenarbeit arbeite. Nach kurdischen Angaben erwägt auch Deutschland, nach dem Ende des bisherigen Koalitionsmandats unter einer veränderten Missionsstruktur weiter mit den Peschmerga zusammenzuarbeiten.
Auch andere Berichte aus der Region sprechen deshalb eher von einer Neuordnung als von einem vollständigen Abbruch sämtlicher Sicherheitsbeziehungen. Kurdische Regierungsvertreter betonen, das Auslaufen des bisherigen Abkommens bedeute nicht automatisch das Ende der amerikanisch-kurdischen Partnerschaft.
Trotzdem wäre der Verlust der direkten amerikanischen Finanzierung ein erheblicher Einschnitt. Nicht unbedingt wegen der absoluten Summe von 61 Millionen Dollar, die gemessen an einer Streitmacht von rund 180.000 Männern und Frauen überschaubar ist. Wichtiger sind die politische Signalwirkung, die amerikanische Ausbildung, die logistische Unterstützung und die Einbindung der Peschmerga in eine westliche Sicherheitsarchitektur.
Das ungelöste Problem der kurdischen Parteiarmeen
Ganz ohne eigene Verantwortung ist die kurdische Führung an der jetzigen Situation allerdings nicht. Ein wesentliches Ziel der amerikanischen Unterstützung war seit Jahren die Vereinigung und Professionalisierung der Peschmerga. Dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen.
Die Streitkräfte sind historisch eng mit den beiden großen kurdischen Parteien verbunden. Die Kurdistan Democratic Party verfügt über die traditionell als Einheit 80 bezeichneten Kräfte, während die Patriotic Union of Kurdistan mit der Einheit 70 über eine eigene militärische Machtbasis verfügt. Beide Seiten kooperieren gegen gemeinsame Feinde, doch politische Rivalitäten erschweren eine einheitliche Befehlskette und den Aufbau tatsächlich überparteilicher Streitkräfte.
Genau daran knüpfte auch das amerikanische Abkommen von 2022 an. Washington verlangte weitere institutionelle Reformen und eine stärkere Unterstellung der Verbände unter das Peschmerga-Ministerium. Ein Bericht der amerikanischen Aufsichtsbehörden bestätigte noch für die Jahre 2024 und 2025, dass das Memorandum ausdrücklich auf eine einheitliche, nicht parteigebundene Militärorganisation zielte.
Doch der Fortschritt verlief langsamer als erhofft. Noch in diesem Jahr warnten kurdische Spitzenpolitiker selbst, dass die Vereinigung nicht wie vorgesehen vorankomme. Politische Blockaden zwischen KDP und PUK haben damit ausgerechnet in einer Phase wichtige Zeit gekostet, in der sich die strategische Lage der Region massiv verschlechtert hat.
Das ist eine unbequeme Wahrheit: Die Kurden haben guten Grund, von Washington Verlässlichkeit zu verlangen. Washington wiederum hat guten Grund, nach zehn Jahren Unterstützung Ergebnisse bei einer Reform einzufordern, die wesentlich langsamer voranschreitet als vereinbart.
Ausgerechnet Iran könnte profitieren
Problematisch ist vor allem der Zeitpunkt eines möglichen amerikanischen Rückzugs. Die autonome Region Kurdistan liegt unmittelbar an der iranischen Grenze und ist in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel iranischer Raketen- und Drohnenangriffe geworden. Gleichzeitig verfügen mit Teheran verbündete schiitische Milizen im IrakSchiitenmilizen: Irans bewaffnete Netzwerke im Nahen OstenSchiitenmilizen sind bewaffnete Gruppen mit schiitischem Hintergrund, die besonders im Irak und in Syrien aktiv sind. Viele von ihnen werden vom Iran unterstützt, ausgebildet oder politisch beeinflusst und gehören zum regionalen Netzwerk der Quds-Einheit und der Revolutionsgarden.Mehr lesen weiterhin über erheblichen politischen und militärischen Einfluss.
Kurdish officials quoted by the BBC therefore warn that a weakening of the Peshmerga could create precisely the vacuum that Iran wants to exploit. Yerevan Saeed of the Global Kurdish Initiative for Peace warned that abandoning forces that had shed considerable blood alongside the Americans would benefit Iran as well as China and Russia.
Diese Warnung verdient Aufmerksamkeit. Die Frage ist nicht, ob Washington seine Unterstützung auf ewige Zeit unverändert fortsetzen muss. Auch Partner müssen Reformzusagen erfüllen und zunehmend Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen. Die strategische Alternative darf jedoch nicht darin bestehen, einen vergleichsweise prowestlichen Akteur zu schwächen, während Teheran versucht, seinen Einfluss im Irak auszubauen.
Hinzu kommt, dass der amerikanische Abzug aus dem Irak ebenfalls für den 30. September vorgesehen ist. Damit würden gleichzeitig das bisherige Unterstützungsabkommen auslaufen und die verbliebenen Koalitionstruppen das Land verlassen. Nach BBC-Angaben soll auch der letzte amerikanische Stützpunkt in Erbil im Zuge dieses Prozesses geschlossen werden.
Für die Region ist das eine erhebliche strategische Zäsur. Der IS kontrolliert zwar kein Kalifat mehr wie 2014, doch die jihadistische Bedrohung ist damit nicht verschwunden. Gleichzeitig steht Kurdistan zwischen einem zunehmend aggressiven Iran, iranisch unterstützten Milizen im Irak und türkischen Militäroperationen im Norden.
Die Peschmerga sind dabei keineswegs ein perfekter Partner. Ihre parteipolitische Zersplitterung ist ein ernstes Problem und nach Jahren internationaler Unterstützung kaum noch zu entschuldigen. Gerade deshalb sollte die weitere amerikanische Hilfe stärker an nachprüfbare Reformfortschritte geknüpft werden.
Ein vollständiger Rückzug wäre jedoch etwas anderes.
Die USA haben in den vergangenen Jahren im Nahen Osten oft erlebt, was geschieht, wenn ein Machtvakuum schneller entsteht, als lokale Partner es füllen können. Bei den Peschmerga geht es zudem um Kräfte, die nicht erst versprochen haben, gegen den Islamischen Staat zu kämpfen. Sie haben es getan und dafür erhebliche Verluste getragen.
Washington muss deshalb entscheiden, ob es eine Partnerschaft reformieren oder sie auslaufen lassen will. Ersteres kann Druck auf die kurdische Führung erzeugen und gleichzeitig amerikanischen Einfluss erhalten. Letzteres könnte den finanziellen Aufwand kurzfristig verringern, aber langfristig genau jene Akteure stärken, deren Einfluss die USA eigentlich zurückdrängen wollen.
Wenn sich Washington ausgerechnet jetzt aus der Sicherheitsarchitektur Kurdistans zurückzieht, könnte die größte Entlastung am Ende nicht beim amerikanischen Haushalt ankommen, sondern in Teheran.
Autor: Redaktion
Sonntag, 30 August 2026