Jerusalem: Sieben Festnahmen nach Angriffen auf christliche und muslimische StättenJerusalem: Sieben Festnahmen nach Angriffen auf christliche und muslimische Stätten
In Jerusalems Altstadt wurden sieben Verdächtige festgenommen. Vier sollen auf den Komplex des armenischen Patriarchats gespuckt, drei weitere muslimische Gräber beschädigt haben.

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Die israelische Polizei ist am Wochenende gegen mehrere mutmaßliche Angriffe auf christliche und muslimische Stätten in der Jerusalemer Altstadt vorgegangen. Insgesamt wurden sieben Verdächtige festgenommen beziehungsweise vorübergehend in Gewahrsam genommen. Vier von ihnen sollen auf den Komplex des armenischen Patriarchats gespuckt haben, drei weitere werden verdächtigt, muslimische Gräber beschädigt zu haben. Nach ihren Vernehmungen wurden alle sieben unter Auflagen wieder freigelassen.
Nach Angaben der Polizei wurden die vier Verdächtigen, denen das Spucken in Richtung des armenischen Patriarchats vorgeworfen wird, unmittelbar während der mutmaßlichen Tat gestellt. Der Komplex im Armenischen Viertel beherbergt unter anderem die St.-Jakobus-Kathedrale und gehört zu den bedeutendsten Einrichtungen der jahrhundertealten armenisch-christlichen Gemeinschaft Jerusalems. Medien hatten bereits zuvor Aufnahmen eines Spuckvorfalls an der Kathedrale veröffentlicht. Die Polizei macht allerdings deutlich, dass die nun Festgenommenen wegen späterer Vorfälle in derselben Woche angehalten wurden.
Bei dem zweiten Fall handelt es sich nach Polizeiangaben um drei erwachsene Verdächtige, denen die Schändung muslimischer Gräber vorgeworfen wird. Von der Polizei veröffentlichtes Bildmaterial soll drei Personen an einem Grabstein zeigen, wobei zwei von ihnen dagegen treten. Weitere Einzelheiten über das betroffene Gräberfeld oder das mögliche Motiv wurden zunächst nicht mitgeteilt. Entsprechend wäre es voreilig, den Vorgang ohne weitere Ermittlungsergebnisse einer bestimmten politischen oder religiösen Ideologie zuzuordnen.
Die Taten sind dennoch nicht als belanglose Provokationen abzutun. Wer Kirchen bespuckt oder Gräber beschädigt, greift bewusst Orte an, die für andere Menschen religiöse und persönliche Bedeutung besitzen. Gerade JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen, wo jüdische, christliche und muslimische Heiligtümer auf engstem Raum liegen, kann solche Übergriffe nicht hinnehmen.
Erneuter Vorfall am armenischen Patriarchat
Besonders problematisch ist, dass es sich bei den Vorwürfen gegen das armenische Patriarchat nicht um den ersten solchen Fall in diesem Monat handelt. Bereits Anfang August nahm die Polizei sechs Verdächtige fest, fünf Minderjährige und einen Erwachsenen. Sie sollen den Eingang des St.-Jakobus-Klosters bespuckt, gegen ihn geschlagen und Steine gegen den Komplex geworfen haben. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie ein Beteiligter Steine schleuderte. Nach Angaben eines armenischen Journalisten wurde zudem eine Armenierin, die den Vorfall filmte, beschimpft und ihr Fenster mit Steinen beworfen.
Drei der damals Festgenommenen erhielten ein 15-tägiges Verbot, die Jerusalemer Altstadt zu betreten. Bei den übrigen drei beantragte die Polizei eine Verlängerung des Gewahrsams. Die israelische Polizei erklärte seinerzeit ausdrücklich, sie betrachte Gewalt und Rassismus mit größter Schwere und werde gegen Verantwortliche vorgehen.
Dass wenige Wochen später erneut Verdächtige wegen Spuckens auf den armenischen Kirchenkomplex festgenommen werden mussten, zeigt allerdings, dass das Problem mit polizeilichen Einzelmaßnahmen noch nicht erledigt ist. Berichte über das Bespucken christlicher Geistlicher und kirchlicher Einrichtungen in der Altstadt gibt es seit längerem. Israels Präsident Isaac Herzog hatte Anfang August erklärt, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen gehe gegen solche Vorfälle entschieden vor.
Hier sollte es keine politischen Ausflüchte geben. Israel beansprucht zu Recht, Religionsfreiheit und freien Zugang zu den heiligen Stätten Jerusalems zu gewährleisten. Dieser Anspruch verpflichtet den Staat aber ebenso dazu, christliche und muslimische Einrichtungen vor Übergriffen jüdischer Extremisten zu schützen und Täter konsequent zur Verantwortung zu ziehen.
Die schnelle Festnahme der Verdächtigen ist deshalb richtig. Ebenso wichtig ist nun, die einzelnen Vorwürfe sauber aufzuklären und, sofern sie sich bestätigen, entsprechende Konsequenzen zu ziehen.
Die Achtung religiöser Stätten darf in Jerusalem nicht davon abhängen, welcher Religion sie gehören.
Autor: Redaktion
Sonntag, 30 August 2026