Israel ans europäische Stromnetz: USA stärken strategische Achse mit Zypern und GriechenlandIsrael ans europäische Stromnetz: USA stärken strategische Achse mit Zypern und Griechenland
Israel, Zypern und Griechenland treiben ihre Stromverbindung nach Europa voran. USA und Frankreich geben dem Projekt neuen Schub. Der größte politische Störfaktor bleibt Erdogans Türkei.

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IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen könnte erstmals direkt an das europäische Stromnetz angeschlossen werden. Der seit Jahren geplante Great Sea Interconnector soll über rund 1.200 Kilometer Seekabel von Israel nach Zypern und weiter über Kreta nach Griechenland führen. Nach langen Verzögerungen bekommt das strategisch wichtige Projekt nun neuen Schub: Die USA unterstützen die Energiekooperation ausdrücklich, französisches Kapital steigt ein und der Kabelhersteller Nexans hat eine neue Technologie für extreme Meerestiefen qualifiziert. Für Israel geht es dabei um weit mehr als den Handel mit Elektrizität. Die Verbindung würde die Widerstandsfähigkeit der eigenen Energieversorgung erhöhen und Israel dauerhaft infrastrukturell mit Zypern, Griechenland und damit der Europäischen Union verbinden.
Gerade die jüngsten Auseinandersetzungen mit Iran haben gezeigt, wie verwundbar Energieanlagen in einem Krieg werden können. Ein bislang weitgehend isoliertes nationales Stromnetz bedeutet im Ernstfall, dass Ausfälle ausschließlich aus eigener Kraft ausgeglichen werden müssen. Eine Verbindung nach Europa schafft dagegen zusätzliche Möglichkeiten für Stromimporte und Exporte und erhöht damit langfristig die Versorgungssicherheit. Das israelische Energie- und Infrastrukturministerium bezeichnet den Great Sea Interconnector deshalb ausdrücklich als strategisch. Nach dem derzeitigen Zeitplan soll der israelische Teil der Verbindung bis 2034 Strom übertragen können. Zuvor müssen allerdings Kosten-Nutzen-Prüfungen abgeschlossen, die Finanzierung zwischen Israel und Zypern ausgehandelt und weitere regulatorische Fragen geklärt werden.
Der entscheidende Impuls kommt derzeit aus Europa und den Vereinigten Staaten. Anfang August vereinbarte der französische Infrastrukturinvestor Meridiam den Einstieg als Mehrheitsgesellschafter in die Projektgesellschaft. Griechenlands Übertragungsnetzbetreiber ADMIE bleibt strategischer Partner. Parallel wurde mit Nexans vereinbart, die notwendigen Untersuchungen des Meeresbodens zu beschleunigen. Der französische Hersteller meldete wenige Wochen später einen technischen Durchbruch: Ein 525-Kilovolt-Hochspannungs-Gleichstromkabel wurde für eine Installation in bis zu 3.000 Metern Wassertiefe qualifiziert. Gerade diese extremen Tiefen gehören zu den größten technischen Herausforderungen der Verbindung zwischen Kreta und Zypern.
Auch Washington stellt sich inzwischen deutlich hinter die Energieachse Israel-Zypern-Griechenland. Das US-Energieministerium gründete bereits im Juni gemeinsam mit den drei Ländern und der Rice University das Eastern Mediterranean Energy Center in Houston. Ziel ist eine engere Zusammenarbeit bei Energiesicherheit, kritischer Infrastruktur, Technologie und Investitionen. Zusätzlich forderte eine überparteiliche Gruppe amerikanischer Abgeordneter Außenminister Marco Rubio auf, den Great Sea Interconnector stärker zu unterstützen. Eine konkrete amerikanische Finanzierungszusage für das Kabel ist damit noch nicht verbunden, politisch ist die Richtung aber eindeutig.
Für Zypern besitzt das Projekt ebenfalls enorme Bedeutung. Die Republik ist das einzige EU-Land, dessen Stromnetz noch nicht physisch mit dem europäischen Verbundnetz verbunden ist. Der Interconnector würde diese Isolation beenden. Für Griechenland wiederum entsteht eine zusätzliche strategische Energieachse im östlichen Mittelmeer. Israel, Zypern und Griechenland würden damit nicht nur politisch und militärisch enger kooperieren, sondern durch eine kritische Infrastruktur dauerhaft miteinander verbunden.
Erdogan will im östlichen Mittelmeer mitbestimmen
Der größte politische Störfaktor bleibt die Türkei. Dabei wäre es zu kurz gegriffen, den Konflikt lediglich als komplizierten Streit über Seegrenzen und Festlandsockel zu behandeln. Hinter Ankaras Widerstand steht ein wesentlich größerer regionaler Führungsanspruch, den die Regierung von Recep Tayyip Erdogan seit Jahren verfolgt.
Erdogans Außenpolitik verbindet türkischen Nationalismus, islamistische Rhetorik und eine immer wieder offen zur Schau gestellte neo-osmanische Vorstellung türkischer Größe. Das bedeutet nicht, dass Ankara buchstäblich das Osmanische Reich wiedererrichten könnte oder wollte. Sehr wohl aber beansprucht die Türkei unter Erdogan in Gebieten, die früher zum osmanischen Einflussraum gehörten, eine herausgehobene politische, militärische und wirtschaftliche Rolle. Syrien, Libyen, Nordzypern, die Ägäis und das östliche Mittelmeer sind immer wieder Schauplätze dieser Machtprojektion.
Auf See besitzt dieser Anspruch längst einen eigenen Namen: Mavi Vatan, die „Blaue Heimat“. Das Konzept erhebt weitreichende türkische maritime Ansprüche in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer. Die Regierung arbeitet inzwischen sogar daran, Elemente dieser Doktrin gesetzlich stärker zu verankern. Griechenlands Außenminister Giorgos Gerapetritis zählt „Blue Homeland“, sogenannte graue Zonen und Forderungen nach einer Demilitarisierung griechischer Inseln ausdrücklich zu jenen türkischen Positionen, die Athen als historisch und rechtlich unbegründet zurückweist.
Hier liegt auch der Kern des Streits um das Stromkabel. Ankara ist kein Teilnehmer des Projekts. Israel, Zypern und Griechenland wollen eine strategische Infrastruktur durch das östliche Mittelmeer errichten, ohne von der Türkei abhängig zu sein. Gerade das kollidiert mit Erdogans Anspruch, dass wesentliche Energie- und Sicherheitsfragen der Region kaum an Ankara vorbei entschieden werden können.
Die Türkei ist dem UN-Seerechtsübereinkommen UNCLOS nicht beigetreten und vertritt insbesondere bei den Rechten griechischer Inseln auf Festlandsockel und ausschließliche Wirtschaftszonen Positionen, die erheblich von denen Athens abweichen. Griechenland wiederum betrachtet das internationale Seerecht als Grundlage seiner Ansprüche. Diese juristische Auseinandersetzung ist real und lässt sich nicht einfach dadurch entscheiden, dass eine Seite ihre Position als selbstverständlich erklärt.
Doch Ankara beschränkt sich längst nicht auf juristische Schriftsätze.
Bereits frühere Vermessungsarbeiten für die Stromverbindung östlich der griechischen Inseln Kasos und Karpathos führten zu massiven türkischen Protesten und militärischen Spannungen. Die Arbeiten wurden zeitweise unterbrochen. Noch 2025 bezeichneten türkische Quellen griechische Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der Untersuchungen als Verletzung vermeintlicher türkischer maritimer Rechte.
Genau dieses Muster hat haOlam bereits mehrfach beschrieben. Ankara formuliert einen weitreichenden Anspruch, verbindet ihn mit politischem oder militärischem Druck und erwartet anschließend, dass Nachbarstaaten ihre eigenen Entscheidungen an türkischen Interessen ausrichten. Unter Erdogan entsteht dabei immer wieder der Eindruck, im östlichen Mittelmeer müsse erst Ankara gefragt werden, bevor andere Staaten Seegrenzen festlegen, Energieprojekte entwickeln, Verteidigungskooperationen schließen oder Infrastruktur auf dem Meeresboden errichten.
Der Great Sea Interconnector widerspricht diesem Selbstverständnis fundamental.
Israel braucht keine türkische Transitroute. Zypern wird aus seiner energetischen Isolation gelöst. Griechenland wird zum europäischen Anschluss dieser neuen Achse. Französisches Kapital und französische Technologie sind beteiligt. Die Europäische Union unterstützt die Verbindung zwischen Griechenland und Zypern, und die Vereinigten Staaten stellen sich politisch hinter eine engere Energiepartnerschaft genau dieser drei Staaten.
Erdogan sitzt dabei nicht am Schaltpult.
Griechenland zeigt Ankara inzwischen deutlicher Grenzen
Dass sich die Lage verändert hat, zeigt auch der zunehmend selbstbewusste Ton aus Athen. Nach neuen türkischen Dekreten vom 15. August, mit denen Ankara zwei sogenannte nationale Meeresparks in der nordöstlichen Ägäis und im östlichen Mittelmeer ausweisen will, reagierte das griechische Außenministerium ungewöhnlich deutlich. Soweit die türkischen Schutzgebiete über türkische Hoheitsgewässer hinausreichen oder nach griechischer Auffassung in den griechischen Festlandsockel eingreifen, seien sie rechtswidrig und könnten keine rechtlichen Tatsachen schaffen, erklärte Athen.
Gerapetritis machte wenige Tage später klar, dass Griechenland zur früheren Politik diplomatischer Passivität nicht zurückkehren werde. Athen wolle seine Rechte auf Grundlage des internationalen Rechts aktiv verteidigen. Gleichzeitig bietet Griechenland der Türkei weiterhin an, den tatsächlich justiziablen Streit über die Abgrenzung von Festlandsockel und ausschließlicher Wirtschaftszone vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Erdogans machtpolitischem Auftreten: Griechenland versucht, seinen Anspruch durch internationales Recht und europäische Strukturen abzusichern. Ankara setzt parallel auf eine eigene maritime Doktrin, politischen Druck und die permanente Ausweitung seines regionalen Handlungsspielraums.
Für Israel ist deshalb die Partnerschaft mit Griechenland und Zypern inzwischen weit mehr als Zweckgemeinschaft. Alle drei Staaten haben ein Interesse an einer Ordnung des östlichen Mittelmeers, in der kein einzelner regionaler Akteur darüber bestimmen kann, welche Energieprojekte oder strategischen Kooperationen andere Länder eingehen dürfen.
Das macht auch die amerikanische Unterstützung so bedeutsam. Ein Streit zwischen Ankara und Athen über ein Forschungsschiff kann von Erdogan noch als bilaterale Auseinandersetzung behandelt werden. Ein Infrastrukturprojekt, hinter dem Israel, Griechenland, Zypern, Frankreich, die Europäische Union und zunehmend auch Washington stehen, lässt sich wesentlich schwerer unter türkischen Vorbehalt stellen.
Noch ist der Great Sea Interconnector nicht gebaut. Technische Schwierigkeiten, hohe Kosten, offene Finanzierungsfragen und die geopolitische Lage können weitere Verzögerungen verursachen. Gerade deshalb sollte aus dem neuen Schwung keine bereits vollendete Strombrücke gemacht werden.
Aber das strategische Bild wird immer klarer.
Israel, Griechenland und Zypern bauen ihre Zusammenarbeit nicht nur mit gemeinsamen Erklärungen aus. Sie schaffen Verbindungen bei Verteidigung, Sicherheit, Energie und Infrastruktur. Der Great Sea Interconnector könnte diese Partnerschaft buchstäblich auf dem Meeresboden verankern.
Für Erdogan ist das unangenehm, weil es seiner über Jahre gepflegten Vorstellung einer türkisch dominierten Ordnung im östlichen Mittelmeer Grenzen setzt.
Das östliche Mittelmeer gehört nicht der Türkei. Ankara besitzt kein Vetorecht darüber, mit wem Israel, Griechenland und Zypern ihre Stromnetze verbinden.
Genau darin liegt neben der energiewirtschaftlichen Bedeutung die strategische Kraft dieses Projekts.
Autor: Redaktion
Montag, 31 August 2026