Israel lässt fünf Libanesen frei: Beirut hilft bei der Suche nach ermordeten JudenIsrael lässt fünf Libanesen frei: Beirut hilft bei der Suche nach ermordeten Juden
Jüdische Gemeindeführer wurden im Libanon entführt und ermordet. Vier Jahrzehnte später wird ihr Schicksal Teil der Gespräche zwischen Jerusalem und Beirut.

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Fast vierzig Jahre nach einer Serie von Entführungen und Morden an führenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde im Libanon versucht IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, eines der lange verdrängten Kapitel des libanesischen Bürgerkriegs zu schließen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Freilassung von fünf libanesischen Zivilisten gebilligt. Im Gegenzug unterstützt Beirut nach israelischen Angaben die Suche nach den sterblichen Überresten jüdischer Gemeindeführer, die Mitte der 1980er Jahre von Terrororganisationen verschleppt und ermordet wurden.
Der Vorgang ist mehr als eine diplomatische Geste. Israel hat den Libanesen nach Angaben der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post Karten, Luftaufnahmen und Hinweise auf Friedhöfe sowie andere mögliche Grabstätten übergeben. Libanesische Stellen sollen diese Orte überprüfen und bereits konkrete Suchmaßnahmen durchgeführt haben. Die Gespräche darüber sind inzwischen Teil der laufenden Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon unter amerikanischer Vermittlung. Auch bei den jüngsten Gesprächen in Rom war die Suche nach den Ermordeten Thema.
Die fünf Libanesen waren in den vergangenen Monaten in Gebieten im Südlibanon festgenommen worden, die von der israelischen Armee kontrolliert werden. Entscheidend ist dabei: Nach Abschluss ihrer Befragungen stellte sich laut Büro des Ministerpräsidenten heraus, dass sie keiner Terrororganisation angehören und nicht an terroristischen Aktivitäten beteiligt waren. Israel sah deshalb keinen sicherheitsrelevanten Grund mehr für ihre weitere Inhaftierung. Es handelt sich damit ausdrücklich nicht um die Freilassung von HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen Terroristen.
Am Donnerstag wurde zunächst Malek Ghazi über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz an die libanesische Armee übergeben. Die Übergabe der übrigen vier Personen wurde nach einem Bericht des libanesischen Senders LBCI auf Freitag verschoben. Ein Grund für die Verzögerung wurde zunächst nicht genannt.
Netanjahu kämpft seit 1986 um die verschwundenen Juden
Für Benjamin Netanjahu ist der Fall kein neues politisches Dossier. Bereits am 4. März 1986 wandte er sich als israelischer Botschafter bei den Vereinten Nationen an den damaligen Generalsekretär. In seinem Schreiben berichtete er über neun Mitglieder der alten jüdischen Gemeinde des Libanon, die bis zu diesem Zeitpunkt entführt worden waren. Vier von ihnen waren bereits ermordet worden, fünf befanden sich nach damaligem Kenntnisstand noch in der Gewalt ihrer Entführer.
Netanjahu beschrieb die Opfer damals als unbewaffnete Zivilisten, darunter Ärzte, Händler und Gemeindefunktionäre. Sie seien nicht wegen militärischer oder politischer Aktivitäten verschleppt worden, sondern weil sie Juden waren. Israel forderte die internationale Gemeinschaft schon damals auf, Druck auf den Libanon auszuüben und die verbliebenen Geiseln zu schützen.
Die Gewalt traf eine jüdische Gemeinschaft, deren Geschichte im Libanon weit älter war als der Staat Israel. Noch vor dem Bürgerkrieg lebten Tausende Juden im Land, insbesondere in Beirut. Krieg, islamistischer Terror und gezielte Entführungen beschleunigten ihren nahezu vollständigen Exodus. Das ANU Museum des jüdischen Volkes dokumentiert elf prominente Mitglieder der Gemeinde, die zwischen 1984 und 1987 entführt wurden. Zu ihnen gehörte auch Isaac Sasson, der damalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Mehrere der Opfer wurden ermordet, bei anderen blieb der Verbleib ihrer sterblichen Überreste über Jahrzehnte ungeklärt.
Wie konkret die Bedrohung durch die damals aufsteigende Terrororganisation Hisbollah war, zeigen zeitgenössische Berichte. Bereits im September 1985 berichtete die Jewish Telegraphic Agency unter Berufung auf einen hohen libanesischen Regierungsvertreter, sechs entführte prominente Juden befänden sich lebend in den Händen der Hisbollah. Unter ihnen waren der Arzt Elie Hallak, Gemeindevorsitzender Isaac Sasson und weitere bekannte Vertreter der jüdischen Gemeinschaft.
Später wurden weitere Morde bekannt. Terrorgruppen veröffentlichten Erklärungen über die angebliche Hinrichtung jüdischer Geiseln und versuchten, ihre Opfer als israelische Agenten darzustellen. Für solche Anschuldigungen wurden keine belastbaren Belege vorgelegt. Die Entführungsserie traf vielmehr Menschen, deren entscheidendes gemeinsames Merkmal ihre jüdische Herkunft war.
Aus einem Grenzkonflikt wird vorsichtige Zusammenarbeit
Dass israelische und libanesische Vertreter heute gemeinsam an der Suche arbeiten, wäre noch vor kurzer Zeit kaum vorstellbar gewesen. Die Kontakte zwischen beiden Staaten haben sich 2026 deutlich intensiviert. Unter amerikanischer Vermittlung wird über Sicherheitsregelungen im Südlibanon, die Rolle der libanesischen Armee, einen möglichen weiteren israelischen Rückzug und vor allem die Entwaffnung der Hisbollah verhandelt.
Israel hat dabei keinen Grund, seine Sicherheitsforderungen aufzugeben. Die Terrororganisation Hisbollah bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor. Solange sie über eigene Waffen, Raketen und militärische Strukturen verfügt, kann Beirut keine vollständige staatliche Kontrolle über sein Territorium garantieren.
Doch die Suche nach den ermordeten Juden zeigt eine andere Seite dieser Gespräche. Zwischen Israel und dem Libanon geht es inzwischen nicht mehr ausschließlich darum, wo Soldaten stehen oder welche Waffen beseitigt werden müssen. Erstmals wird auch versucht, ein historisches Unrecht aufzuklären, das jahrzehntelang praktisch ungelöst blieb.
Nach Angaben aus Israel übergab die israelische Seite den libanesischen Vertretern umfangreiches Material über mögliche Grabstätten. Inzwischen sollen israelische Stellen sogar Bildmaterial erhalten haben, das Sucharbeiten auf libanesischem Gebiet dokumentiert. Noch wurden keine sterblichen Überreste gefunden. Doch Jerusalem bewertet die bisherigen Bemühungen Beiruts offenbar als ernsthaft genug, um seinerseits einen konkreten Schritt zu machen.
Gerade darin liegt die Bedeutung der Freilassung. Israel gibt keine Terroristen frei und verzichtet nicht auf eine sicherheitsrelevante Position. Es entlässt fünf Menschen, bei denen nach eigener Prüfung kein Grund für eine weitere Inhaftierung besteht, und verbindet diesen Schritt mit der Hoffnung, jüdischen Familien nach vier Jahrzehnten endlich Gewissheit zu geben.
Für die Angehörigen ist die Geschichte nicht abgeschlossen, solange ihre Ermordeten irgendwo im Libanon verscharrt liegen. Was 1986 mit verzweifelten Appellen bei den Vereinten Nationen begann, ist vierzig Jahre später wieder Gegenstand direkter Verhandlungen.
Diesmal besteht zumindest die Chance, dass auf Worte tatsächlich eine Antwort folgt.
Autor: Redaktion
Freitag, 04 September 2026