Trump: Iran wohl hinter Angriff auf Saudi-Arabiens wichtigste ÖlrouteTrump: Iran wohl hinter Angriff auf Saudi-Arabiens wichtigste Ölroute
Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline sollte Hormus umgehen. Nach Drohnenangriffen liegt ausgerechnet diese strategische Ausweichroute still. Trump hält Iran für den wahrscheinlichen Verantwortlichen.

Bildnachweis: NASA Kennedy Space Center / NASA/John Kraus /
QuelleUS-Präsident Donald Trump hat Iran öffentlich mit dem schweren Angriff auf Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline in Verbindung gebracht. Auf die Frage von Journalisten in Dublin, ob Teheran verantwortlich sei, antwortete Trump, das sei wahrscheinlich der Fall. Einen Beweis nannte er zunächst nicht. Zugleich bestätigte er ein Gespräch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.
Der Zeitpunkt macht Trumps Aussage besonders brisant. Bei dem angegriffenen Leitungssystem handelt es sich nicht um irgendeine saudische Energieanlage. Die Ost-West-Pipeline ist eine der wichtigsten Möglichkeiten des Königreichs, Erdöl aus seinen Fördergebieten im Osten quer durch das Land zum Roten Meer zu transportieren und dabei die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen vollständig zu umgehen.
Genau diese Route ist im laufenden Konflikt zu einer strategischen Lebensader geworden.
Das saudische Energieministerium bestätigte, dass die Pipeline am Donnerstag, dem 10. September, in den Regionen Riad und Medina mehrfach angegriffen wurde. Sie wurde daraufhin vorsorglich abgeschaltet. Es gab Verletzte. Saudi-Arabien teilte später mit, mehrere Drohnen seien aus dem Irak gestartet und hätten Schäden verursacht.
Damit steht inzwischen fest, von welchem Staatsgebiet die Angriffe ausgingen. Nicht belegt ist bislang öffentlich, wer die Drohnen gestartet, gesteuert oder den Angriff angeordnet hat. Trumps Zuschreibung an Iran geht deshalb über den derzeit veröffentlichten saudischen Ermittlungsstand hinaus.
Irans Druck erreicht Saudi-Arabiens Ausweichroute
Die strategische Bedeutung lässt sich an den Mengen ablesen. Saudi Aramco hatte die Ost-West-Pipeline bereits im ersten Quartal 2026 auf ihre maximale Kapazität von rund sieben Millionen Barrel pro Tag hochgefahren. Nach Angaben der US-Energiebehörde können davon rund fünf Millionen Barrel täglich für Exporte über die saudische Westküste genutzt werden.
Während die Straße von Hormus durch den Krieg und iranische Angriffe massiv beeinträchtigt wurde, leitete Saudi-Arabien deshalb immer größere Ölmengen nach Yanbu am Roten Meer um. Noch im zweiten Quartal verwies Aramco ausdrücklich darauf, dass die Ost-West-Pipeline zur Sicherung der Lieferströme genutzt werde.
Reuters berichtet, dass vor dem Angriff zuletzt etwa vier bis fünf Millionen Barrel täglich durch die Leitung transportiert wurden. Das entspricht einer Größenordnung von ungefähr fünf Prozent des weltweiten Ölangebots. Die Abschaltung trifft damit nicht nur Saudi-Arabien. Sie trifft einen Markt, der bereits unter gestörten Lieferwegen und Ölpreisen von mehr als 100 Dollar je Barrel leidet.
Die Entwicklung fügt sich zugleich in ein Muster, über das haOlam bereits mehrfach berichtet hat.
Iran übt militärischen Druck auf die Straße von Hormus aus. Gleichzeitig rücken die vom Iran unterstützten HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terroristen im Jemen immer näher an den Bab al Mandab heran. Inzwischen haben sie nach Angaben jemenitischer Regierungsquellen sogar die strategische Insel Perim unmittelbar in der Meerenge erreicht beziehungsweise eingenommen.
Damit geraten beide Enden der saudischen Ausweichstrategie unter Druck.
Im Osten liegt Hormus.
Im Westen führt die Pipeline zwar zum Roten Meer, doch von dort müssen viele Tanker weiter durch den Bab al Mandab. Genau dort wächst der militärische Einfluss der Huthi-Terrororganisation.
Nun wurde zusätzlich die Pipeline selbst angegriffen.
Das bedeutet noch nicht, dass eine zentral gesteuerte iranische Operation gegen alle drei Korridore bewiesen wäre. Die strategische Wirkung ist jedoch unabhängig davon bemerkenswert: Saudi-Arabiens Möglichkeiten, iranischem Druck auf Hormus auszuweichen, werden gleichzeitig an mehreren Stellen bedroht.
Riad hält noch still, Bagdad gerät unter Druck
Saudi-Arabien hat bislang auf einen unmittelbaren Gegenschlag verzichtet. Das Außenministerium erklärte, der irakische Ministerpräsident habe um Zeit gebeten, damit Bagdad gegen die Verantwortlichen vorgehen könne. Riad akzeptierte diese Bitte vorerst, betonte aber ausdrücklich sein Recht, alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz seiner Souveränität und seiner kritischen Infrastruktur zu ergreifen.
Im Irak hat der Vorfall bereits Konsequenzen. Nach Reuters-Angaben wurde ein für die Provinz Maysan zuständiger Militärkommandeur entlassen, nachdem Ermittlungen ergeben hatten, dass die Drohnen von irakischem Gebiet gestartet worden waren. Bagdad ließ außerdem den Grenzübergang Shalamcheh zum Iran schließen und leitete eine größere Fahndung nach den Verantwortlichen ein.
Der Irak steht damit erneut vor einem Problem, das seine staatliche Souveränität seit Jahren untergräbt: bewaffnete, teilweise eng mit Iran verbundene Milizen können von irakischem Gebiet aus regionale Konflikte verschärfen und Bagdad anschließend mit den politischen Folgen zurücklassen.
Trump brachte am Samstag noch einen weiteren Akteur ins Spiel. Nach seinen Angaben hätten die Huthis Kontakt mit seiner Regierung aufgenommen und signalisiert, dass sie keine direkte amerikanische Beteiligung am Konflikt wollten. Die Terrororganisation lasse die meisten Schiffe passieren und habe vor allem mit einem bestimmten Land ein Problem, sagte Trump. Welches Land er meinte, nannte er dabei nicht.
Die Aussage ist auffällig, weil Saudi-Arabien Washington erst kurz zuvor um militärische Unterstützung gegen die wachsende Huthi-Bedrohung gebeten hatte. Trump lehnte nach Reuters-Angaben direkte amerikanische Angriffe zunächst ab, sagte Riad aber Unterstützung bei Aufklärung und Zielinformationen zu.
Damit entsteht ein zunehmend gefährliches Bild.
Iran steht unter massivem amerikanischem militärischem und wirtschaftlichem Druck. Gleichzeitig werden aus dem Irak Drohnen gegen Saudi-Arabiens wichtigste Pipeline gestartet. Die Huthis gewinnen Gelände am Bab al Mandab. Saudi-Arabiens wichtigste Route zur Umgehung von Hormus fällt zumindest vorübergehend aus.
Ob Iran den Pipeline-Angriff tatsächlich angeordnet hat, muss noch bewiesen werden.
Dass der Angriff Teherans strategischen Interessen nutzt, ist dagegen kaum zu übersehen.
Denn je unsicherer Hormus, die Ost-West-Pipeline und der Bab al Mandab gleichzeitig werden, desto größer wird der Druck auf Saudi-Arabien, die Vereinigten Staaten und den gesamten internationalen Energiemarkt.
Autor: Redaktion
Samstag, 12 September 2026