Die Welt kauft Israels Kriegserfahrung: Rüstungsexporte auf Rekordniveau

Die Welt kauft Israels Kriegserfahrung: Rüstungsexporte auf Rekordniveau


19,2 Milliarden Dollar in einem Jahr, Europa ist der größte Absatzmarkt. Systeme wie Arrow 3, Spike und Trophy machen aus Israels Sicherheitszwang einen global gefragten Technologievorsprung.

Die Welt kauft Israels Kriegserfahrung: Rüstungsexporte auf Rekordniveau
Bildnachweis: United States Missile Defense Agency / Quelle

Während IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen international politisch unter erheblichem Druck steht, bestellen ausgerechnet viele jener Staaten israelische Militärtechnik, die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen regelmäßig kritisieren. Die Zahlen sprechen eine bemerkenswert klare Sprache: Israels Rüstungsexporte erreichten 2025 mit 19,2 Milliarden Dollar einen historischen Rekord. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von fast 30 Prozent. Innerhalb von fünf Jahren hat sich das Exportvolumen mehr als verdoppelt, innerhalb eines Jahrzehnts sogar vervierfacht.

Besonders bemerkenswert ist, wohin die Waffen und Systeme verkauft werden. Europa stand 2025 für 36 Prozent des gesamten israelischen Rüstungsexports und war damit noch vor Asien und dem Pazifikraum mit 32 Prozent der wichtigste Absatzmarkt. Der Nahe Osten und Nordafrika kamen auf 15 Prozent, Nordamerika auf 13 Prozent. Raketen, Flugkörper und Luftverteidigung machten mit 29 Prozent den größten einzelnen Bereich aus.

Das ist nicht einfach die Erfolgsgeschichte einer florierenden Industrie. Ein erheblicher Teil der heute weltweit begehrten israelischen Technik entstand, weil Israel Lösungen für konkrete Bedrohungen entwickeln musste, für die andere Staaten lange kaum Antworten benötigten. Raketenangriffe auf Städte, Panzerabwehrraketen gegen israelische Fahrzeuge, ballistische Flugkörper aus Iran und dem Jemen sowie Drohnen zwangen das Land über Jahrzehnte zu Entwicklungen, die heute auch andere Armeen dringend benötigen.

Vom israelischen Problem zur internationalen Standardlösung

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Spike Familie von Rafael. Ihre Ursprünge reichen zu den militärischen Lehren nach dem Jom Kippur Krieg zurück. Heute existieren Varianten für Infanterie, Fahrzeuge, Schiffe und Kampfhubschrauber. Moderne Versionen erlauben nicht nur den Angriff auf Ziele außerhalb der direkten Sichtlinie, sondern übertragen während des Fluges Sensordaten an den Bediener. Dieser kann dadurch den Angriff überwachen und je nach Variante die Zielwahl noch während des Fluges verändern.

Nach Angaben, die Rafael veröffentlicht hat und auf die sich israelische Medien berufen, wurden inzwischen rund 50.000 Spike Flugkörper verkauft. Etwa 10.000 wurden im Kampf oder bei Übungen eingesetzt. Mehr als 40 Staaten nutzen Systeme der Familie. Auch Deutschland gehört zu den wichtigsten Kunden. Über das Gemeinschaftsunternehmen EuroSpike ist die israelische Technologie längst eng mit der europäischen Rüstungsindustrie verbunden.

Ähnlich verlief die Entwicklung bei Trophy, in Israel als Meil Ruach bekannt. Das aktive Schutzsystem wurde geschaffen, um Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge gegen anfliegende Raketen und Panzerabwehrflugkörper zu schützen. Sensoren erkennen die Bedrohung, berechnen deren Flugbahn und lösen eine Gegenmaßnahme aus, bevor der Flugkörper das Fahrzeug trifft.

Was ursprünglich israelische Merkava Panzer schützen sollte, findet sich inzwischen auch auf amerikanischen Abrams und europäischen Leopard Panzern. Nach Angaben von EuroTrophy wurde Anfang 2026 ein Vertrag über 330 Millionen Euro für Trophy Systeme für Leopard 2A8 von Litauen, den Niederlanden, Tschechien und Kroatien geschlossen. Mehr als 2.000 Systeme wurden nach Angaben des Unternehmens bereits ausgeliefert.

Noch deutlicher wird Israels neue Rolle bei Arrow 3. Das gemeinsam mit den Vereinigten Staaten entwickelte System soll ballistische Raketen außerhalb der Erdatmosphäre abfangen. Deutschland nahm im Dezember 2025 in der Annaburger Heide die erste Einsatzbefähigung seines Arrow Systems in Betrieb. Die Bundeswehr bezeichnet die Fähigkeit ausdrücklich als Schutz gegen weitreichende ballistische Raketen.

Die ursprüngliche deutsche Bestellung wurde inzwischen erheblich erweitert. Nach Angaben von Israel Aerospace Industries soll der Gesamtwert des Arrow Geschäfts mehr als 6,5 Milliarden Dollar erreichen. Damit handelt es sich um den größten Rüstungsexportvertrag in der Geschichte Israels.

Iron Dome ist nur das sichtbarste Symbol

International dürfte kaum ein israelisches Waffensystem bekannter sein als Iron Dome. Am 7. April 2011 gelang die erste operative Abfangaktion gegen eine aus dem GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen abgefeuerte Grad Rakete. Seitdem hat sich das System in jahrelangem Einsatz gegen Raketen, Drohnen und weitere Luftbedrohungen weiterentwickelt. Das israelische Verteidigungsministerium berichtete erst im Juni 2026 über eine neue umfangreiche Testserie mit zusätzlichen Fähigkeiten.

Weniger bekannt ist, dass auch ein wesentlicher Bestandteil von Iron Dome längst selbst zum internationalen Exportprodukt geworden ist. Das von IAI Tochter Elta entwickelte Radar ELM-2084 gehört zur MMR Familie und kann unterschiedliche Luftziele erkennen, klassifizieren und verfolgen. Es wird nicht nur bei Iron Dome, sondern unter anderem auch bei David's Sling eingesetzt. IAI vermarktet Varianten des Radars weltweit für Luftverteidigung, Artillerieortung und weitere Aufgaben.

Hinzu kommen israelische unbemannte Fluggeräte wie die Heron Familie von IAI und Hermes von Elbit. Gerade auf diesem Markt ist der Vorsprung nicht unangreifbar. Die Konkurrenz aus der Türkei, China, den USA und inzwischen zahlreichen weiteren Staaten wächst. Doch Israel besitzt einen Vorteil, den man nicht einfach durch größere Fabriken oder niedrigere Preise herstellen kann: jahrzehntelange operative Erfahrung unter realen Bedingungen.

Genau darin liegt auch die unbequeme Ironie des israelischen Exportbooms. Viele dieser Systeme wurden nicht entwickelt, weil Israel nach einem lukrativen Markt suchte. Sie entstanden, weil israelische Soldaten und Zivilisten angegriffen wurden und bestehende Technik nicht ausreichte. Trophy reagierte auf die Bedrohung gepanzerter Fahrzeuge. Iron Dome auf den massenhaften Raketenbeschuss israelischer Städte. Arrow auf die Gefahr ballistischer Raketen. Spike auf die Anforderungen eines kleinen Landes, das gegnerische Kräfte möglichst früh und präzise bekämpfen muss.

Was für Israel eine Frage des Überlebens war, wird für andere Staaten zunehmend zur Beschaffungsentscheidung.

Dass gerade Europa inzwischen zum wichtigsten Markt geworden ist, zeigt, wie grundlegend sich die sicherheitspolitische Lage verändert hat. Deutschland vertraut beim Schutz vor ballistischen Raketen auf israelische Technologie. Europäische Armeen statten ihre Leopard Panzer mit Trophy aus. Spike ist in zahlreichen NATO Staaten im Einsatz. Parallel dazu entstehen neue industrielle Kooperationen und Produktionskapazitäten auf europäischem Boden.

Politische Erklärungen über Israel und militärische Beschaffungsentscheidungen folgen damit zunehmend zwei verschiedenen Logiken. Regierungen können Jerusalem öffentlich kritisieren. Wenn es jedoch darum geht, die eigenen Soldaten, Städte und kritische Infrastruktur gegen Raketen, Drohnen und moderne Panzerabwehrwaffen zu schützen, fällt die Wahl immer häufiger auf Systeme aus Israel.

19,2 Milliarden Dollar Exportvolumen sind deshalb mehr als ein wirtschaftlicher Rekord. Sie zeigen, dass israelische Verteidigungstechnologie zu einem strategischen Faktor weit über den Nahen Osten hinaus geworden ist. Aus Entwicklungen, die unter permanentem militärischem Druck entstanden, wurden Produkte, auf die sich inzwischen NATO Staaten und andere Armeen verlassen.

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Autor: Redaktion
Samstag, 12 September 2026

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