Huthis am Bab al Mandab, saudische Ölpipeline stillgelegt: Trump sucht den Ausstieg aus dem Krieg mit Iran

Huthis am Bab al Mandab, saudische Ölpipeline stillgelegt: Trump sucht den Ausstieg aus dem Krieg mit Iran


Während Trump über ein Ende des Krieges spricht, verschärft sich die Lage auf See. Die Huthis gewinnen strategisches Gelände, Saudi-Arabiens wichtigste Umgehungsroute fällt aus und selbst vor Irans Küste werden erneut Schiffe angegriffen.

Huthis am Bab al Mandab, saudische Ölpipeline stillgelegt: Trump sucht den Ausstieg aus dem Krieg mit Iran
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der Krieg mit Iran entwickelt sich für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten zunehmend zu einem Kampf um Verkehrswege, Energieversorgung und politischen Handlungsspielraum. Während US-Präsident Donald Trump offen darüber spricht, den Konflikt nach den amerikanischen Zwischenwahlen beenden zu wollen, verschiebt sich die militärische Lage an zwei der wichtigsten Meerengen der Welt zugunsten Teherans und seiner Verbündeten.

Besonders sichtbar ist das im Jemen. Die vom Iran unterstützte HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terrororganisation hat innerhalb weniger Tage Mocha, Dhubab sowie strategisch wichtige Inseln im Roten Meer erreicht oder eingenommen. Dazu gehört Perim, auch Mayyun genannt, mitten im Bab al Mandab. Die Insel teilt die Meerenge in zwei Fahrrinnen und ermöglicht die Beobachtung des Schiffsverkehrs zwischen dem Indischen Ozean, dem Roten Meer und dem Suezkanal. Reuters beschreibt den schnellen Vormarsch inzwischen als neues strategisches Problem für Washington.

Damit hat sich eine Entwicklung beschleunigt, vor der haOlam bereits gewarnt hatte. Noch vor wenigen Tagen ging es um die Frage, ob die Huthis Mocha vollständig erobern könnten. Heute kontrollieren sie nach Angaben jemenitischer Regierungsvertreter praktisch die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer und wichtige Inselpositionen am Zugang zur Meerenge.

Für Iran ist das von erheblichem Wert. Im Osten der Arabischen Halbinsel steht die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen seit Monaten im Zentrum des Konflikts. Im Westen gewinnt gleichzeitig eine verbündete Terrororganisation am Bab al Mandab immer mehr Möglichkeiten, Schiffsverkehr unter Druck zu setzen.

Reuters berichtete zudem unter Berufung auf iranische, jemenitische und regionale Quellen, dass RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen die jüngste Huthi-Offensive mit Waffen, Beratern und militärischer Führung unterstützt hätten. Teheran bestreitet weiterhin, die Huthis operativ zu kontrollieren und stellt deren Vorgehen als eigenständige Entscheidung dar. Die vorliegenden Berichte zeichnen jedoch ein wesentlich engeres Verhältnis.

Saudi-Arabiens Ausweg wird immer enger

Für Saudi-Arabien kommt die Huthi-Offensive zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Die Straße von Hormus ist als zuverlässiger Exportweg massiv beeinträchtigt. Deshalb hatte Riad immer größere Mengen Öl über seine Ost-West-Pipeline zur Küste des Roten Meeres geleitet. Genau diese strategische Ausweichroute wurde nun durch Drohnen getroffen und vorübergehend stillgelegt.

Durch die Leitung liefen zuletzt rund vier bis fünf Millionen Barrel Öl täglich. Sie verbindet die Fördergebiete im Osten Saudi-Arabiens mit dem Roten Meer und sollte gerade verhindern, dass iranischer Druck auf Hormus den saudischen Export lahmlegt. Reuters zufolge kamen die angreifenden Drohnen aus dem Irak, wo mehrere mit Iran verbundene Milizen operieren. Trump erklärte am Samstag öffentlich, Iran sei wahrscheinlich für den Angriff verantwortlich. Einen Beweis legte er nicht vor.

Die strategische Wirkung ist unabhängig von der endgültigen Zuschreibung erheblich.

Saudi-Arabien kann Hormus nicht einfach über die Pipeline umgehen, wenn die Leitung selbst angegriffen wird und am Ende der Route der Bab al Mandab zunehmend von Huthi-Terroristen bedroht wird.

Riad hat deshalb Washington um stärkere Hilfe gebeten. Kronprinz Mohammed bin Salman drängte nach übereinstimmenden Berichten sogar auf amerikanische Angriffe gegen die Huthis. Trump lehnte eine direkte militärische Beteiligung bislang ab. Die USA beschränken sich derzeit auf Aufklärung, Beratung und Unterstützung bei der Zielerfassung.

Trump erklärte am Samstag, die Huthis hätten Kontakt zu seiner Regierung aufgenommen und signalisiert, keinen Krieg mit den Vereinigten Staaten zu wollen. Die meisten Schiffe würden passieren gelassen. Nur mit einem Land hätten die Huthis ein besonderes Problem, sagte der Präsident, ohne es ausdrücklich zu nennen.

Aus israelischer Sicht ist die Anspielung kaum zu übersehen. Die Huthis haben seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wiederholt mit Raketen und Drohnen angegriffen und den Schiffsverkehr mit tatsächlichen oder behaupteten Verbindungen zum jüdischen Staat gezielt bedroht.

Dass eine Terrororganisation anderen Staaten eine vermeintlich sichere Durchfahrt anbietet, während sie Israel ausdrücklich bedroht, kann jedoch kaum als Wiederherstellung der freien Schifffahrt gelten.

Trump will raus, doch die Front wird größer

Parallel dazu bleibt die amerikanische Militärpräsenz erheblich. Die USS George Washington operiert inzwischen im Verantwortungsbereich der 5. US-Flotte und hat die lange eingesetzte USS Abraham Lincoln abgelöst. CENTCOM veröffentlicht weiterhin Bilder und Berichte über laufende Flugoperationen und hält seine Einsatzbereitschaft gegen Iran aufrecht.

Trump spricht dennoch immer offener über ein Ende des Konflikts.

Er sagte zuletzt, er rechne damit, dass der Krieg nach den Zwischenwahlen im November beendet werden könne. Diese zeitliche Verknüpfung ist bemerkenswert. Sie zeigt, wie stark der Iran Krieg inzwischen auch zu einem innenpolitischen Problem geworden ist. Ölpreise von mehr als 100 Dollar, steigende Kraftstoffkosten und der lange militärische Einsatz belasten die Regierung. Reuters berichtet, dass diese Faktoren Trumps Popularität und die Aussichten der Republikaner bei den Wahlen zunehmend beeinflussen.

Während Trump nach einem politischen Ausstieg sucht, nimmt die Instabilität jedoch weiter zu.

Am Sonntag meldeten iranische Medien einen Angriff auf ein Handelsschiff nahe der Insel Qeshm. Ein Mensch soll getötet und drei weitere verletzt worden sein. Gleichzeitig berichtete die britische Seefahrtsbehörde UKMTO über ein Schiff, das im südlichen Teil der Straße von Hormus von einem Projektil getroffen worden sei. Ob beide Meldungen denselben Vorfall betreffen, war zunächst unklar.

Die Gefahr auf den Seerouten ist damit keineswegs verschwunden.

Auf der einen Seite steht Hormus. Auf der anderen Bab al Mandab. Dazwischen liegt Saudi-Arabien, dessen wichtigste Pipeline zur Umgehung der Krise ebenfalls angegriffen wurde.

Teheran sucht Rückhalt bei BRICS

Gleichzeitig versucht Iran, seine internationale Isolation politisch abzufedern.

Beim BRICS Gipfel in Neu Delhi treffen sich führende Vertreter Chinas, Russlands, Indiens und Irans. Die Abschlusserklärung fordert Zurückhaltung im Nahen Osten und kritisiert einseitige wirtschaftliche Maßnahmen. China versucht sich zugleich als möglicher Vermittler zu präsentieren.

Für Teheran ist besonders die Beziehung zu Peking wichtig. China bleibt wirtschaftlich einer der entscheidenden Partner Irans. Gleichzeitig wächst in Washington der Verdacht, dass chinesische Unterstützung weit über Ölhandel und Diplomatie hinausreichen könnte.

Das Wall Street Journal berichtete am Wochenende unter Berufung auf US-Beamte, Iran habe vor und nach dem tödlichen Angriff auf den US-Stützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien hochauflösende Satellitenbilder von chinesischen Unternehmen erhalten. Drei amerikanische Soldaten wurden bei dem Angriff im Juli getötet. Washington beschuldigt die chinesische Regierung bislang nicht der direkten Beteiligung. Die Beamten sehen den Vorgang jedoch als bisher deutlichsten Hinweis darauf, dass chinesische Hilfe für Iran konkrete militärische Folgen gehabt haben könnte.

So entsteht ein widersprüchliches Bild.

Trump sucht nach einem Zeitpunkt, den Krieg zu beenden. China und andere BRICS Staaten rufen zu Diplomatie auf. Iran bestreitet, seine Huthi-Verbündeten zu steuern.

Gleichzeitig greifen die Huthis nach einem der wichtigsten Seewege der Welt, Saudi-Arabiens strategische Ölpipeline fällt aus, Schiffe werden an der Straße von Hormus angegriffen und Berichte über iranische Unterstützung durch China belasten das Verhältnis zwischen Washington und Peking.

Von einer Entspannung kann deshalb kaum die Rede sein.

Der Krieg verändert lediglich seine Form.

Und während Washington über den Ausstieg nachdenkt, versucht Iran, aus seinen verbliebenen Verbündeten, aus geographischen Engpässen und aus internationalen Partnerschaften möglichst viel strategischen Druck herauszuholen.




Autor: Redaktion
Sonntag, 13 September 2026

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