Kuwait rückt näher: Israels Botschafter erwartet neuen Abraham-Beitritt binnen sechs MonatenKuwait rückt näher: Israels Botschafter erwartet neuen Abraham-Beitritt binnen sechs Monaten
Sechs Jahre nach dem historischen Abkommen mit den Emiraten spricht Israels Botschafter von einem möglichen neuen Partner. Noch gibt es keine Zusage aus Kuwait, doch hinter den Kulissen wächst die Zusammenarbeit arabischer Staaten mit Israel gegen die gemeinsame iranische Bedrohung.

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Ausgerechnet am sechsten Jahrestag der Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen kommt aus Abu Dhabi ein bemerkenswertes Signal. Israels Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Yossi Shelley, erwartet nach eigenen Angaben, dass innerhalb der kommenden vier bis sechs Monate ein weiterer Staat der von Donald Trump angestoßenen Normalisierungsarchitektur mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen beitreten könnte. Als möglichen Kandidaten nannte er Kuwait.
Shelley sagte dem israelischen Rundfunk Kan, es könne eine „Überraschung“ geben. Nach seiner Einschätzung werde auf verschiedenen Ebenen an einer Erweiterung der Abraham-Abkommen gearbeitet. Besonders Kuwait habe begonnen zu verstehen, dass sich die strategische Lage der Region verändert habe.
Das ist noch keine Ankündigung eines Abkommens. Weder die kuwaitische Regierung noch Israel haben bislang offizielle Verhandlungen über eine bevorstehende Normalisierung bestätigt. Auch Shelley formulierte seine Einschätzung ausdrücklich nicht als abgeschlossene diplomatische Vereinbarung. Gerade deshalb sollte aus dem Zeitfenster von vier bis sechs Monaten keine bereits beschlossene Unterzeichnung gemacht werden.
Trotzdem fällt die Aussage nicht in ein politisches Vakuum.
Am selben Tag berichtete Axios über ein bislang geheim gehaltenes Treffen hochrangiger Militärchefs aus Israel, den Vereinigten Staaten und acht arabischen Ländern in Deutschland. Organisiert wurde die Zusammenkunft von CENTCOM-Kommandeur Admiral Brad Cooper. Neben Israel nahmen dem Bericht zufolge Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Kuwait, Katar, Jordanien und Ägypten teil. Im Mittelpunkt standen Iran und die verschärfte regionale Sicherheitslage.
Das ist möglicherweise wichtiger als jede öffentliche Friedensrhetorik.
Staaten, die Israel diplomatisch weiterhin auf Distanz halten oder öffentlich scharf kritisieren, sitzen längst gemeinsam mit israelischen Militärs an einem Tisch, wenn es um Iran, Raketen, Drohnen, Terrororganisationen und die Sicherheit der Seewege geht. Die politische Landkarte des Nahen Ostens sieht damit öffentlich noch immer anders aus als die sicherheitspolitische Realität.
Iran verändert die Rechnung der Golfstaaten
Gerade Kuwait hat allen Grund, diese Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Das Emirat liegt unmittelbar am Persischen Golf und gehört zu den Staaten, die von einer Eskalation mit Iran besonders schnell betroffen wären. Der Krieg 2026 hat deutlich gemacht, dass Teherans Raketen, Drohnen und regionale Verbündete längst nicht nur Israel bedrohen.
Iranische Angriffe trafen amerikanische Einrichtungen und Staaten in der gesamten Golfregion. Gleichzeitig setzen die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terroristen Saudi-Arabien unter Druck und haben ihre Position am Bab al-Mandab massiv ausgebaut. Für die GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen ist die Frage deshalb zunehmend weniger, ob sie Israels Politik in allen Punkten teilen, sondern welchen Partner sie benötigen, wenn iranische Raketen starten oder von Teheran bewaffnete Terrororganisationen strategische Verkehrswege bedrohen.
Israel besitzt auf diesem Gebiet Fähigkeiten, die kaum ein anderer Staat der Region bieten kann: Raketenabwehr, Frühwarnung, Geheimdienstaufklärung, Cyberabwehr und jahrelange operative Erfahrung mit dem iranischen Militär sowie dessen Terrornetzwerk.
Wie konkret diese Interessen inzwischen zusammenführen können, zeigt Saudi-Arabien. Erst am Dienstag wurde bekannt, dass Israel Riad nach Berichten über CENTCOM mit nachrichtendienstlicher Unterstützung gegen die Huthis hilft. Eine offizielle Normalisierung gibt es zwischen beiden Staaten noch immer nicht. Sicherheitspolitische Zusammenarbeit ist trotzdem möglich.
haOlam hatte bereits Anfang September über Washingtons größeren Plan für die Region berichtet. Donald Trump will nach dem Iran-Krieg nicht lediglich zu den alten Verhältnissen zurückkehren. Die Abraham-Abkommen sollen erweitert und Israel stärker in eine regionale Sicherheitsordnung eingebunden werden. Der neue Bericht über Kuwait passt genau in diese Entwicklung.
Trump selbst ging schon im Mai ungewöhnlich weit. Er forderte Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, die Türkei, Ägypten und Jordanien öffentlich auf, sich den Abraham-Abkommen anzuschließen. Saudi-Arabien und Katar sollten nach seiner Vorstellung den Anfang machen. Kuwait gehörte damals bemerkenswerterweise nicht zu seiner öffentlich genannten Gruppe.
Dass Shelley nun ausgerechnet Kuwait nennt, ist deshalb interessant.
Allerdings bleibt der politische Widerstand erheblich. Kuwait hält offiziell weiterhin an der Forderung nach einem palästinensischen Staat auf Grundlage der Linien von 1967 mit OstjerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen als Hauptstadt fest. Noch Ende Juli bekräftigte das kuwaitische Außenministerium diese Position ausdrücklich. Von einem bevorstehenden diplomatischen Kurswechsel gegenüber Israel war dort keine Rede.
Ein Abraham-Beitritt Kuwaits innerhalb weniger Monate wäre deshalb tatsächlich ein politischer Durchbruch und keine bloße Formalität.
Die Emirate zeigen, was Normalisierung verändern kann
Dass solche Schritte nicht nur symbolischen Wert besitzen, zeigt ausgerechnet der Staat, in dem Shelley heute Israel vertritt.
Am 15. September 2020 unterzeichneten Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate die Abraham-Abkommen. 2021 eröffnete Israel seine Botschaft in Abu Dhabi. Trotz des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers vom 7. Oktober, des GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Krieges und der schweren regionalen Konflikte haben die Emirate die Beziehungen nicht abgebrochen.
Im Gegenteil: Die wirtschaftlichen Verbindungen sind inzwischen erheblich.
Nach offiziellen Angaben der Emirate belief sich der bilaterale Warenhandel 2025 auf rund 3,2 Milliarden Dollar. Zwischen September 2020 und Mai 2026 summierte er sich auf etwa 14,5 Milliarden Dollar. Rund 1,53 Millionen Passagiere reisten allein 2025 zwischen beiden Staaten, zeitweise wurden bis zu 136 Direktflüge pro Woche angeboten.
Das widerlegt eine der zentralen Behauptungen der Gegner der Abraham-Abkommen: dass Beziehungen mit Israel für arabische Staaten zwangsläufig politisch untragbar seien.
Die Emirate haben gezeigt, dass ein arabisches Land die israelische Regierung kritisieren, in der Palästinenserfrage eine andere Position vertreten und gleichzeitig diplomatische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Beziehungen mit Israel aufrechterhalten kann.
Genau diese Trennung ist für die weitere Entwicklung entscheidend.
Die alte politische Formel des Nahen Ostens lautete über Jahrzehnte, dass Israel erst vollständig in der Region akzeptiert werden könne, nachdem der israelisch-palästinensische Konflikt gelöst sei. Die Abraham-Abkommen durchbrachen dieses Prinzip. Die Emirate und Bahrain entschieden, dass ihre eigenen wirtschaftlichen und strategischen Interessen nicht dauerhaft von Entscheidungen der palästinensischen Führung abhängig gemacht werden sollten.
Für Israel war das ein historischer Erfolg.
Ein Beitritt Kuwaits würde diese Entwicklung erheblich verstärken. Das Land war bisher gerade nicht Teil der Normalisierungswelle und besitzt aufgrund seiner Lage am Golf besonderes strategisches Gewicht. Gleichzeitig würde ein solcher Schritt Teherans jahrzehntelanger Erzählung einen weiteren Schlag versetzen, Israel sei ein fremder Staat, der dauerhaft aus der Region ausgeschlossen werden könne.
Noch sollte man nicht so tun, als sei die Unterschrift bereits vorbereitet.
Shelley selbst sprach von einer Möglichkeit, nicht von einer Vereinbarung.
Aber der regionale Hintergrund hat sich verändert. Israel und arabische Staaten tauschen Sicherheitsinformationen aus. Militärchefs treffen sich unter amerikanischer Vermittlung. Saudi-Arabien benötigt israelisches Wissen gegen iranisch bewaffnete Huthis. Kuwait sitzt bei Gesprächen über dieselbe iranische Bedrohung mit israelischen Verantwortlichen am Tisch.
Sechs Jahre nach dem ersten Abraham-Abkommen liegt darin vielleicht die wichtigste Entwicklung überhaupt.
Frieden entsteht in dieser Region nicht nur aus freundlichen Erklärungen.
Manchmal beginnt er mit der Erkenntnis, wer tatsächlich der gemeinsame Feind ist und auf wen man sich verlassen kann, wenn es ernst wird.
Shelley äußerte sich im selben Interview auch zu Berichten, wonach der emiratische Präsident Mohammed bin Zayed Netanjahu vor dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober gewarnt haben soll. Der Botschafter erklärte, er habe damals trotz seiner Beteiligung an Regierungssitzungen weder von einer solchen Warnung noch von entsprechenden Beratungen gehört. Das fügt der bereits widersprüchlichen Geschichte einen weiteren Zweifel hinzu, beweist aber für sich genommen nicht, dass es eine solche Warnung nie gegeben hat.
Für die Zukunft der Abraham-Abkommen ist derzeit eine andere Frage entscheidender:
Ob auf die militärische Zusammenarbeit hinter verschlossenen Türen bald der nächste diplomatische Schritt vor aller Öffentlichkeit folgt.
Kuwait könnte der Testfall werden.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 16 September 2026