Israel tötet Hamas-Kommandeure, Hamas rüstet weiter auf: Streit um Trumps Gaza-Plan verschärft sichIsrael tötet Hamas-Kommandeure, Hamas rüstet weiter auf: Streit um Trumps Gaza-Plan verschärft sich
Der Board of Peace kritisiert Israels gezielte Tötungen und fordert 14 Tage Ruhe für eine freiwillige Entwaffnung. Jerusalem hält dagegen: Hamas habe genau solche Ruhephasen genutzt, um Waffen hervorzuholen und ihre Terrorstrukturen wieder aufzubauen.

Bildnachweis: The White House /
QuelleZwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und dem von US-Präsident Donald Trump geführten Board of Peace verschärft sich der Streit über die entscheidende Frage für die Zukunft des Gazastreifens: Wie wird die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen tatsächlich entwaffnet?
Ein dem Board of Peace nahestehender Vertreter kritisierte gegenüber der „JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post“ die derzeitige israelische Strategie. Die gezielte Ausschaltung von Hamas-Kommandeuren könne im Einzelfall gerechtfertigt sein, beseitige aber nicht die Terrororganisation als solche. Israel töte einzelne Funktionäre, während Hamas über bewaffnete Strukturen und Teile ihrer Herrschaft weiterhin verfüge.
Der Einwand trifft einen realen strategischen Punkt: Eine Terrororganisation verschwindet nicht automatisch, weil ihre Führungsebene immer wieder schwere Verluste erleidet.
Doch die daraus gezogene Schlussfolgerung des Board of Peace berührt genau jene Sicherheitsfrage, bei der Israel nach dem 7. Oktober kaum noch bereit ist, auf Versprechen zu vertrauen.
Das Gremium verlangt zunächst eine 14-tägige Ruhephase, ausgenommen unmittelbare Bedrohungen. Hamas soll diese Zeit nutzen, um die Umsetzung ihrer freiwilligen Entwaffnung vorzubereiten. Gibt die Terrororganisation anschließend ihre Waffen ab, legt Tunnel offen und baut ihre militärische Infrastruktur tatsächlich ab, soll der Prozess international überwacht fortgesetzt werden. Verweigert sie dies, würde Israel nach Vorstellung des Board of Peace anschließend breite internationale Unterstützung für eine militärische Entwaffnung erhalten.
Das klingt auf dem Papier nach einer klaren Abfolge.
Die israelische Sorge beginnt jedoch genau bei den ersten 14 Tagen.
Israel sieht nicht Abrüstung, sondern Wiederaufbau
Ende Juli hatte Trump verkündet, der Board of Peace habe eine historische Vereinbarung über die vollständige Entwaffnung der Hamas und anderer bewaffneter Gruppen erreicht. Der veröffentlichte Fahrplan sieht eine schrittweise Erfassung und Einlagerung von Waffen, die Stilllegung schwerer Waffen sowie die Beseitigung militärischer Infrastruktur und Tunnel vor. Israelische Rückzüge sollen mit der tatsächlichen Entwaffnung verbunden werden.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnte die konkrete 15-Punkte-Fassung jedoch ab. Seine zentrale Forderung: Kein weiterer Rückzug der IDF, bevor Hamas tatsächlich und überprüfbar vollständig entwaffnet ist, einschließlich leichter und schwerer Waffen.
Dass Jerusalem dieser Reihenfolge so große Bedeutung beimisst, hängt auch mit Entwicklungen der vergangenen Wochen zusammen.
Nach Angaben der IDF wurden wiederholt Hamas-Terroristen ausgeschaltet, die unmittelbar daran arbeiteten, militärische Fähigkeiten der Organisation wiederherzustellen. Am 13. September meldete die Armee die Tötung zweier Angehöriger des Hamas-Militärarms, die Waffen entwickelten, Anschläge vorbereiteten und nach israelischer Darstellung systematisch am Wiederaufbau der Organisation arbeiteten.
Am 15. September folgten mehrere hochrangige Kommandeure. Ahmad Batash, Kommandeur des Jabalia-Bataillons, war nach IDF-Angaben an der Versorgung von Hamas-Terroristen mit Waffen und militärischer Ausrüstung beteiligt und arbeitete zuletzt ebenfalls am Wiederaufbau der Kampffähigkeit. Nael Abu Obeid führte nicht nur die Rafah-Brigade, sondern gleichzeitig den Operationsapparat des militärischen Hamas-Flügels. Auch ihm wirft die IDF vor, neue Terrorangriffe vorbereitet und die militärischen Strukturen der Organisation wieder aufgebaut zu haben.
haOlam berichtete bereits am 9. September über israelische Erkenntnisse, wonach Hamas Waffen nicht systematisch abgibt, sondern teilweise wieder aus bestehenden Depots holt. Raketen, Kalaschnikows und andere Waffen sollen genutzt werden, um bewaffnete Einheiten wieder auszurüsten und die Kontrolle der Organisation in ihren verbliebenen Gebieten zu festigen.
Dieser Hintergrund macht die israelische Skepsis gegenüber einer weiteren Ruhephase verständlich.
Denn die Frage lautet aus Jerusalemer Sicht nicht, ob freiwillige Entwaffnung theoretisch besser wäre als weitere Kämpfe. Eine echte, überprüfbare Entwaffnung ohne weitere israelische Verluste wäre auch für Israel ein erheblicher Sicherheitsgewinn.
Die Frage lautet vielmehr, was geschieht, wenn Hamas die Zeit erneut nutzt, um Kommandeure zu ersetzen, Waffen zu verteilen, Tunnel zu sichern und ihre Organisation neu zu ordnen.
Zwei Wege zum gleichen Ziel – aber unterschiedliches Vertrauen in Hamas
Bemerkenswert ist, dass Israel und der Board of Peace beim erklärten Endziel inzwischen kaum auseinanderliegen.
Das Gremium fordert ausdrücklich die vollständige Demontage der militärischen Macht der Hamas und das Ende ihrer Herrschaft. Bereits Anfang August erklärte der Board of Peace, dass sämtliche leichten und schweren Waffen sowie die Tunnelinfrastruktur außer Betrieb genommen werden müssten, bevor Israel vollständig aus dem GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen abzieht.
Auch Israel fordert genau das.
Der Konflikt dreht sich deshalb vor allem um Methode, Reihenfolge und Vertrauen.
Der Board of Peace setzt darauf, Hamas zunächst eine begrenzte Gelegenheit zur kontrollierten Selbstentwaffnung zu geben. Sollte die Organisation scheitern, soll anschließend militärischer Zwang folgen.
Israel dagegen setzt die gezielten Operationen bereits jetzt fort, wenn nachrichtendienstliche Erkenntnisse zeigen, dass Hamas-Kommandeure Anschläge planen oder die militärischen Fähigkeiten der Organisation wiederherstellen.
Die Kritik des Board-Vertreters, einzelne gezielte Tötungen würden Hamas nicht vollständig beseitigen, ist damit nicht völlig falsch. Selbst die Ausschaltung zahlreicher Brigade- und Bataillonskommandeure ersetzt keine systematische Entfernung von Waffen, Tunneln, Raketenwerkstätten und bewaffneten Einheiten.
Umgekehrt beantwortet diese Kritik Israels zentrales Problem nicht: Warum sollte Hamas während einer erneuten Ruhephase diesmal tatsächlich ihre eigene Machtbasis zerstören, wenn israelische Erkenntnisse gleichzeitig darauf hindeuten, dass Teile der Organisation wieder aufrüsten?
Genau dieser Widerspruch begleitet den Gaza-Plan seit seiner Verkündung.
Hamas hat einer Entwaffnung grundsätzlich zugestimmt, aber ihre Umsetzung an Bedingungen geknüpft. Israel verlangt wiederum, dass Entwaffnung nicht erst nach weitreichenden israelischen Rückzügen beginnt, sondern vorher überprüfbar wird. Reuters berichtete bereits Ende Juli, dass amerikanische Vertreter Israels Zweifel daran bestätigten, ob Hamas ihre Waffen tatsächlich vollständig abgeben werde.
Die Erfahrungen vor dem 7. Oktober erklären, warum Israel diese Frage nicht als diplomatische Feinheit betrachtet.
Über Jahre galt eine geschwächte, abgeschreckte und regierungsverantwortliche Hamas als möglicherweise kontrollierbares Problem. Hinter dieser Annahme entstanden jedoch Tunnelnetze, Raketenarsenale und die Angriffsfähigkeit, die schließlich im Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen sichtbar wurde.
haOlam hatte deshalb schon im August darauf hingewiesen, dass die neue Gaza-Ordnung nur dann einen grundlegenden Unterschied zur Vergangenheit darstellt, wenn Hamas nicht lediglich ihre Regierung umetikettiert oder Waffen versteckt, sondern tatsächlich ihre militärische Macht verliert.
Der aktuelle Streit zeigt nun, dass diese Frage noch immer nicht gelöst ist.
Der Board of Peace argumentiert, Israels gezielte Tötungen beseitigten Terroristen, aber nicht das System Hamas.
Israel könnte darauf erwidern, dass eine freiwillige Entwaffnung ebenfalls kein System beseitigt, solange dieselbe Hamas währenddessen Waffen hervorholt und ihre militärischen Fähigkeiten wiederherstellt.
Beide Seiten wollen nach ihren öffentlichen Aussagen am Ende ein Gaza ohne bewaffnete Hamas.
Entscheidend ist deshalb nicht, welcher Plan überzeugender klingt.
Entscheidend wird sein, ob Hamas am Ende tatsächlich keine Armee, keine Raketen, keine Tunnelkommandos und keine bewaffnete Herrschaft mehr besitzt.
Nach dem 7. Oktober kann Israel es sich kaum leisten, diesen Unterschied noch einmal erst dann festzustellen, wenn es zu spät ist.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 17 September 2026