Irans Mordplan gegen Atomwissenschaftler: Vier Beteiligte in Jerusalem schuldig gesprochenIrans Mordplan gegen Atomwissenschaftler: Vier Beteiligte in Jerusalem schuldig gesprochen
Ein iranischer Auftrag führte bis vor die Tore des Weizmann-Instituts. Vier Männer haben nun Sicherheitsdelikte eingeräumt, während das Verfahren gegen die mutmaßlichen Hauptakteure des geplanten Attentats weiterläuft.

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Das Bezirksgericht JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen hat am Mittwoch vier Bewohner des Jerusalemer Stadtteils Beit Safafa wegen Sicherheitsdelikten schuldig gesprochen. Die Urteile erfolgten auf Grundlage von Geständnissen und einer Verständigung mit der Staatsanwaltschaft. Der Fall gehört zu einer größeren Ermittlung über mutmaßlich vom Iran gesteuerte Aufträge in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, die nach Darstellung der Anklage schließlich bis zur Vorbereitung der Ermordung eines israelischen Atomwissenschaftlers und seiner Familie führten.
Entscheidend ist dabei eine juristische Unterscheidung: Mamdouh Khader, Omri Abu Hamida, Mahmoud Khader und Muhammad Taha wurden nicht wegen der Planung des Mordes an dem Wissenschaftler verurteilt. Sie bekannten sich jeweils zu anderen Taten innerhalb des Komplexes. Die Verfahren gegen Rami Alyan, Abd al-Rahman Alyan und Muhammad Khatib laufen weiter. Gerade Alyan gilt nach Darstellung der Staatsanwaltschaft als zentrale Figur der mutmaßlichen iranischen Operation.
Der Fall war bereits im Oktober 2024 öffentlich geworden. Damals teilten Shin Bet und Polizei mit, sieben junge Männer aus Beit Safafa seien nach Ermittlungen gegen eine mutmaßlich vom iranischen Nachrichtendienst gesteuerte Zelle festgenommen worden. Die ursprüngliche Anklage umfasste je nach Beschuldigtem unter anderem Unterstützung des Feindes während des Krieges, Kontakt zu einem ausländischen Agenten, Weitergabe von Informationen sowie die Verschwörung zu einem terroristischen Mord.
Die Spur führte zum Weizmann-Institut
Nach der jetzt geänderten Anklageschrift hatte ein für Iran handelnder Kontaktmann im September 2024 Verbindung zu Rami Alyan aufgenommen und ihm gegen Bezahlung zunächst verschiedene Aufgaben übertragen. Aus kleineren Aufträgen entwickelte sich nach Darstellung der Ermittler eine zunehmend gefährliche Operation. Alyan soll schließlich den Auftrag erhalten haben, eine Zelle aufzubauen und einen israelischen Atomwissenschaftler sowie dessen Angehörige zu ermorden.
Zu den Vorbereitungen gehörte eine Fahrt zum Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rehovot. Mamdouh Khader und Omri Abu Hamida befanden sich nach den Feststellungen, die sie im Rahmen der Vereinbarung anerkannten, in dem Fahrzeug. Während der Fahrt wurde ihnen mitgeteilt, dass die Mission von einem iranischen Kontakt stamme. Am Institut verweigerte der Sicherheitsdienst der Gruppe die Einfahrt. Daraufhin wurde der Eingangsbereich fotografiert beziehungsweise gefilmt.
Später fragte Abu Hamida laut Anklage, weshalb die Iraner die Aufnahmen benötigten. Ihm sei daraufhin erklärt worden, an dem betreffenden Ort befinde sich eine Person, welche die Iraner töten wollten. Khader und Abu Hamida unternahmen danach nichts, um die geplante Tat zu verhindern. Beide wurden deshalb wegen des Nichtverhinderns einer terroristischen Tat schuldig gesprochen.
Die ursprüngliche Anklage ging noch weiter. Sie warf Alyan vor, für das geplante Attentat eine Schusswaffe beschafft zu haben. Nach israelischen Medienberichten sollte nicht nur der Wissenschaftler getötet werden. Der iranische Auftrag habe auch dessen Familie umfasst; zudem sollte sein Haus in Brand gesetzt werden. Die Gruppe wurde festgenommen, bevor dieser Teil des Plans umgesetzt werden konnte.
Damit zeigt der Fall, wie weit eine zunächst scheinbar banale Anwerbung über digitale Kanäle eskalieren kann. Nach den Ermittlungen begann der Kontakt mit vergleichsweise einfachen Aufgaben gegen Geld. Erst später folgten Aufträge zur Beschaffung von Waffen, zur Aufklärung von Personen und schließlich zur Vorbereitung eines Mordes.
Graffiti, Granaten und inszenierte Anschläge
Auch die beiden anderen nun Verurteilten waren nach den anerkannten Tatsachen nicht bloß passive Mitwisser.
Mahmoud Khader wurde wegen Beihilfe zum Kontakt mit einem ausländischen Agenten schuldig gesprochen. Er half unter anderem beim Sprühen und Dokumentieren von Graffiti in Jerusalem. Zudem fuhr er einen anderen Beteiligten zur Abholung von zwei Granaten und half bei der Beschaffung eines gefälschten Polizeikennzeichens. Dieses sollte nach Darstellung der Staatsanwaltschaft für Aufnahmen benutzt werden, die den Eindruck eines Angriffs auf ein israelisches Polizeifahrzeug erwecken sollten.
Muhammad Taha bekannte sich ebenfalls zur Unterstützung des Kontakts mit einem ausländischen Agenten. Er organisierte den Einsatz einer Blendgranate gegen ein leerstehendes Haus in Katanna und filmte die Aktion. Das Material sollte aussehen, als sei ein jüdisches Wohnhaus angegriffen worden. Anschließend wurde das Video an den Mitbeschuldigten weitergegeben, der mit dem mutmaßlichen iranischen Auftraggeber kommunizierte. Taha verwahrte außerdem das für diesen Kontakt verwendete Telefon, um dessen Entdeckung zu erschweren.
Das Muster war israelischen Sicherheitsbehörden bereits 2024 bekannt. Bei Bekanntgabe der Festnahmen erklärten Shin Bet und Polizei, dies sei innerhalb eines Monats bereits der fünfte vereitelte Fall gewesen, in dem iranische Nachrichtendienstakteure mit Attentatsplänen gegen Personen in Israel in Verbindung gebracht worden seien. Als mögliche Ziele iranischer Aktivitäten nannten die Behörden damals Wissenschaftler, Kommunalpolitiker und führende Vertreter des Sicherheitsapparates.
Der Beit-Safafa-Fall unterscheidet sich damit deutlich von bloßer Informationssammlung. Nach Darstellung der israelischen Ermittler verband die mutmaßliche iranische Operation Aufklärung, Waffenbeschaffung, Täuschungsaktionen und einen konkreten Mordauftrag.
Zugleich zeigt das jetzige Urteil, warum zwischen den einzelnen Beschuldigten präzise unterschieden werden muss. Die vier Männer, die nun Geständnisse abgelegt haben, tragen strafrechtliche Verantwortung für ihre jeweils festgestellten Handlungen. Dass sie Teil desselben Verfahrens sind, bedeutet jedoch nicht, dass ihnen automatisch sämtliche ursprünglich erhobenen Vorwürfe zugerechnet werden können.
Über die Strafen ist noch nicht entschieden. Die Plädoyers zum Strafmaß sollen zu einem späteren Termin stattfinden.
Für Israel bleibt unabhängig davon die sicherheitspolitische Dimension des Falls bestehen. Iranische Stellen haben nach Erkenntnissen israelischer und auch westlicher Behörden wiederholt versucht, Personen im Ausland für Überwachung, Sabotage und Attentatsvorbereitungen anzuwerben. Auch außerhalb Israels wurden in den vergangenen Jahren entsprechende Verfahren geführt. haOlam berichtete zuletzt über amerikanische Ermittlungen zu mutmaßlich iranisch gesteuerten Attentatsplänen in den Vereinigten Staaten.
Im Jerusalemer Verfahren ist nun erstmals ein weiterer Teil dieser Geschichte gerichtlich festgestellt: Vier Beteiligte haben eingeräumt, Aufgaben ausgeführt oder unterstützt zu haben, die zu einer von Iran ausgehenden Operation gehörten.
Ob und in welchem Umfang die drei verbliebenen Angeklagten für den eigentlichen Mordplan verantwortlich sind, muss dagegen noch das Gericht entscheiden.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 17 September 2026