Washington trifft Huthi-Führung in Oman, während Saudi-Arabien unter Druck gerät

Washington trifft Huthi-Führung in Oman, während Saudi-Arabien unter Druck gerät


Während Saudi-Arabien um Hilfe gegen die Huthis bittet, hält Washington direkten Kontakt zur Terrororganisation. Oman vermittelte das Treffen in Muscat.

Washington trifft Huthi-Führung in Oman, während Saudi-Arabien unter Druck gerät
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Vertreter der Vereinigten Staaten haben sich am vergangenen Wochenende in OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen mit hochrangigen Vertretern der vom Iran unterstützten HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terrororganisation getroffen. Das bislang nicht öffentlich bekanntgemachte Gespräch fand nach Angaben von fünf mit dem Vorgang vertrauten Quellen in Muscat statt. Drei von ihnen zufolge war ausgerechnet die US-Botschaft der Treffpunkt. Die Regierung Omans soll die Kontakte vermittelt haben. Das US-Außenministerium bestätigte das Treffen auf Anfrage nicht.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Die Huthis haben in den vergangenen Tagen ihre militärische Position an der jemenitischen Küste des Roten Meeres erheblich ausgebaut. Sie nahmen die strategisch wichtige Hafenstadt Mocha sowie Perim, auch Mayun genannt, im Bab al-Mandab ein. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört zu den wichtigsten Seewegen der Welt. Die Vereinten Nationen bestätigten am Montag, dass die Huthis ihren Vormarsch in Richtung Bab al-Mandab fortgesetzt und mehrere Inseln im südlichen Roten Meer eingenommen haben sollen.

Nach Reuters soll das Treffen am Sonntag stattgefunden haben. Auf amerikanischer Seite nahmen Mitarbeiter der Botschaft teil. Für die Huthis waren demnach unter anderem Mohammed Abdulsalam und Abdelmalik al-Ajiri anwesend. Beide leben beziehungsweise arbeiten seit längerer Zeit in Oman und stehen auf amerikanischen Sanktionslisten. Das US-Finanzministerium setzte sie im März 2025 wegen ihrer Verbindung zu Ansar Allah auf die Liste besonders sanktionierter Personen.

Gerade Abdulsalam ist keine Randfigur. Das US-Finanzministerium beschreibt ihn als wichtigen Huthi-Funktionär, der Finanznetzwerke kontrolliert und an der Beschaffung ausländischer Unterstützung beteiligt ist. Washington wirft ihm zudem vor, ein weitreichendes Netzwerk zum Import iranischer Ölprodukte in den Jemen zu beaufsichtigen, dessen Wert auf rund eine Milliarde Dollar beziffert wurde.

Die USA verhandeln mit einer Organisation, die sie selbst als terroristisch einstufen

Das Treffen führt einen auffälligen Widerspruch der amerikanischen Nahostpolitik vor Augen. Die Trump-Regierung ließ Ansar Allah 2025 erneut als ausländische Terrororganisation einstufen. Das Weiße Haus begründete diesen Schritt unter anderem mit mehr als 100 Angriffen auf Handelsschiffe am Bab al-Mandab und mehr als 300 gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen abgefeuerten Flugkörpern seit Oktober 2023.

Trotzdem verhandelt Washington direkt mit der Terrororganisation. Neu ist das nicht völlig. Bereits im Mai 2025 vermittelte Oman eine Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und den Huthis. Beide Seiten verpflichteten sich damals, einander nicht mehr anzugreifen. Die Vereinbarung nannte ausdrücklich amerikanische Schiffe im Roten Meer und im Bab al-Mandab. Angriffe auf Israel waren nicht Bestandteil dieser Waffenruhe.

Genau deshalb ist eine Aussage aus dem jüngsten Treffen besonders interessant.

Nach Angaben zweier Reuters-Quellen erklärten die Huthis gegenüber den Amerikanern, sie wollten keine US-Schiffe angreifen und hielten weiter an der Vereinbarung von 2025 fest. Eine jemenitische Quelle berichtete darüber hinaus, die Huthis hätten zugesichert, auch israelische Schiffe und andere Handelsschiffe nicht anzugreifen. Eine Ausnahme machten sie demnach ausdrücklich für saudische Schiffe.

Diese angebliche Zusage ist bislang weder von Washington noch von den Huthis offiziell bestätigt worden. Sie wäre zudem erheblich weitergehend als die Vereinbarung von 2025.

Ob sie belastbar ist, bleibt offen. Die Vorgeschichte liefert Gründe für Vorsicht. Die Huthis haben seit dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 wiederholt Raketen und Drohnen gegen Israel gestartet und Handelsschiffe im Roten Meer angegriffen. Washington selbst führte diese Angriffe als einen der Gründe für die Terrorlistung an.

haOlam hatte erst vor wenigen Tagen über die neue strategische Lage am Bab al-Mandab berichtet. Mit der Einnahme von Mocha und Perim hat die Huthi-Terrororganisation ihre Möglichkeiten deutlich erweitert, Schiffe in einer der wichtigsten Meerengen des Welthandels zu bedrohen. Die Entwicklung trifft Israel unmittelbar, weil das Rote Meer auch Israels Seeweg nach Eilat mit dem Indischen Ozean verbindet.

Washington hält sich aus Saudi-Arabiens Krieg heraus

Noch brisanter wird das Treffen durch die parallel eskalierende Konfrontation zwischen den Huthis und Saudi-Arabien.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman bat US-Präsident Donald Trump nach Reuters-Berichten zuletzt um amerikanische Militärhilfe gegen die Huthi-Offensive. Washington lehnte eine direkte Beteiligung bislang ab. haOlam berichtete bereits, dass die USA zwar Aufklärungsinformationen und Unterstützung liefern, aber keine eigene neue Angriffskampagne gegen die Huthis beginnen wollen.

Während Washington in Muscat verhandelte, verschärfte sich der Krieg weiter. Saudi-Arabien flog nach Reuters-Angaben zahlreiche Angriffe gegen Huthi-Stellungen im Jemen. Die Huthis wiederum erklärten am Mittwoch, sie hätten mit Raketen und Drohnen eine saudische Luftwaffenbasis in Khamis Mushait sowie Anlagen des Ölkonzerns Aramco in Yanbu angegriffen. Saudi-Arabien bestätigte diese Angaben zunächst nicht.

Damit zeichnet sich eine ungewöhnliche amerikanische Linie ab: Washington versucht offenbar, den Konflikt mit den Huthis auf die eigenen unmittelbaren Interessen zu begrenzen.

Das passt zur Vereinbarung von Mai 2025. Damals erreichten die USA, dass amerikanische Schiffe nicht mehr angegriffen werden sollten. Dafür stellten sie ihre eigene Bombardierung Huthi-kontrollierter Gebiete ein. Ein umfassender Frieden im Roten Meer entstand dadurch nicht. Die Huthis behielten ihre Waffen, ihre Kontrolle über große Teile des Jemen und ihre Fähigkeit, Israel sowie regionale Gegner anzugreifen.

Die neue Kontaktaufnahme könnte diesem Muster folgen. Das amerikanische Außenministerium erklärte gegenüber Reuters lediglich, die Sicherung der freien Schifffahrt im Roten Meer und die Verhinderung des Exports von Terrorismus aus dem Nahen Osten seien zentrale amerikanische Interessen. Eine Bestätigung des Treffens verweigerte es.

Für Israel ist deshalb entscheidend, was Washington tatsächlich mit den Huthis vereinbart und nicht nur, welche Zusicherungen diese in Muscat gegeben haben sollen.

Die Huthis sind militärisch heute stärker positioniert als noch bei der Vereinbarung von 2025. Ihre Kräfte stehen unmittelbar am Bab al-Mandab. Gleichzeitig steht Saudi-Arabien unter wachsendem militärischem Druck und die Straße von Hormus ist durch den Krieg mit Iran ebenfalls beeinträchtigt. Damit befinden sich zwei der wichtigsten Seewege der Region gleichzeitig in einer angespannten Sicherheitslage.

Hinzu kommt eine weitere Besonderheit: Washington verhandelt mit Huthi-Funktionären, gegen die es selbst Sanktionen verhängt hat, während Saudi-Arabien, einer der wichtigsten amerikanischen Partner am Golf, um militärische Unterstützung gegen dieselbe Organisation bittet.

Das allein bedeutet noch keinen politischen Kurswechsel der USA. Es zeigt aber, wie stark sich die Kräfteverhältnisse innerhalb weniger Wochen verschoben haben.

Die Huthis sitzen inzwischen an einer strategisch wichtigen Meerenge, können Saudi-Arabien mit Raketen und Drohnen bedrohen und verfügen weiterhin über iranische Unterstützung. Washington versucht gleichzeitig, eine direkte neue Kriegsfront zu vermeiden und die Sicherheit amerikanischer Schiffe durch Verhandlungen abzusichern.

Für Israel wird entscheidend sein, ob die angebliche Zusage, israelische Schiffe nicht anzugreifen, tatsächlich Bestand hat. Bislang ist sie lediglich die Darstellung anonymer Quellen über ein Treffen, das selbst von Washington offiziell nicht bestätigt wurde.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 17 September 2026

haOlam unterstützen

haOlam ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Redaktion
Newsletter


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage