Abu Dhabi widerspricht Haaretz-Bericht: Sicherheitswarnungen nicht auf Ebene der StaatschefsAbu Dhabi widerspricht Haaretz-Bericht: Sicherheitswarnungen nicht auf Ebene der Staatschefs
Ein Vertreter der Emirate widerspricht der Darstellung, Mohammed bin Zayed habe Netanyahu persönlich vor einem großen Hamas-Angriff gewarnt. Doch frühere Aussagen aus den VAE weisen in die entgegengesetzte Richtung.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Im Streit um eine angebliche persönliche Warnung vor dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 gibt es eine neue und gewichtige Aussage aus Abu Dhabi. Ein offizieller Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate erklärte gegenüber der staatlichen Zeitung „The National“, sicherheitsrelevante Informationen dieser Art würden mit anderen Staaten über die zuständigen Behörden ausgetauscht und nicht auf Ebene der Staatschefs besprochen. „The National“ wertet die Erklärung ausdrücklich als Zurückweisung der Behauptung, Präsident Mohammed bin Zayed Al Nahyan habe Ministerpräsident Benjamin Netanyahu persönlich vor einem bevorstehenden großen Hamas-Angriff gewarnt.
Damit erhält Netanyahus bisherige Darstellung Unterstützung aus Abu Dhabi. Sein Büro hatte den ursprünglichen Haaretz-Bericht von Beginn an entschieden bestritten. Nach Darstellung des Ministerpräsidenten habe es in dem fraglichen Zeitraum kein entsprechendes Gespräch mit bin Zayed gegeben und Netanyahu habe keine derartige Warnung aus den Emiraten erhalten. Das Büro erklärte zugleich, sicherheitsrelevante Informationen zwischen beiden Staaten würden über die dafür vorgesehenen Nachrichtendienstkanäle übermittelt.
Ausgeräumt ist der Streit damit allerdings nicht. Denn aus den Emiraten kamen innerhalb von knapp zwei Wochen Aussagen, die sich nur schwer miteinander vereinbaren lassen.
Erst Bestätigung, jetzt Widerspruch
Ausgangspunkt war eine Haaretz-Recherche vom 8. September. Demnach soll bin Zayed Netanyahu etwa zehn Tage vor dem 7. Oktober persönlich angerufen und davor gewarnt haben, Hamas-Chef Yahya Sinwar bereite einen großen Schritt gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen vor. Das angebliche Gespräch soll ungefähr 45 Minuten gedauert haben. Haaretz berief sich unter anderem auf ausländische Quellen, die mit dem Inhalt des Gesprächs vertraut gewesen sein sollen.
Besondere Brisanz erhielt die Geschichte noch am selben Tag. Ein emiratischer Informant, der nach Angaben der Times of Israel mit dem angeblichen Gespräch vertraut war, bestätigte der Zeitung ausdrücklich, dass bin Zayed Netanyahu persönlich angerufen und gewarnt habe.
Das offizielle Außenministerium der VAE reagierte damals deutlich vorsichtiger. Es erklärte am 8. September lediglich, die Regierung kommentiere keine Medienberichte oder Spekulationen über Gespräche zwischen Staatschefs. Zugleich betonte das Ministerium, zwischen Israel und den Emiraten bestünden offene Kommunikationskanäle und relevante Geheimdienstinformationen würden bei Bedarf zwischen den zuständigen Stellen ausgetauscht. Eine Bestätigung oder ausdrückliche Zurückweisung des behaupteten Telefonats enthielt diese erste Erklärung nicht.
Die nun gegenüber „The National“ abgegebene Erklärung geht weiter. Der Vertreter sagt nicht lediglich, dass Abu Dhabi solche Gespräche nicht kommentiere, sondern stellt grundsätzlich fest, dass Sicherheitsfragen dieser Art nicht auf Ebene der Staatschefs behandelt würden. Genau deshalb beschreibt „The National“ die Aussage als Widerlegung der Behauptung eines direkten Warnanrufs.
Die Times of Israel weist allerdings auf eine wichtige sprachliche Einschränkung hin: Der neue Vertreter sagt nicht ausdrücklich den Satz, dass bin Zayed Netanyahu niemals gewarnt habe. Er erklärt vielmehr, wie die VAE solche Informationen grundsätzlich behandeln. Gleichzeitig erinnert die Zeitung daran, dass ihr zuvor ein emiratischer Informant das angebliche Gespräch bestätigt hatte.
Damit stehen derzeit mindestens drei Versionen nebeneinander: Haaretz berichtet von einer persönlichen Warnung bin Zayeds, ein emiratischer Informant bestätigte diese Darstellung gegenüber Times of Israel, während nun ein offizieller Vertreter aus Abu Dhabi erklärt, solche Sicherheitsinformationen würden gerade nicht auf Ebene der Staatschefs ausgetauscht.
Netanyahus Büro bestreitet das Telefonat seit Beginn
Netanyahu hat die Behauptung nicht erst nach der neuen Erklärung aus Abu Dhabi zurückgewiesen. Sein Büro erklärte unmittelbar nach Erscheinen der Recherche, es habe im fraglichen Zeitraum kein entsprechendes Telefonat gegeben. Netanyahu kündigte außerdem an, Haaretz und den an der Recherche beteiligten Journalisten Shlomi Eldar wegen der Veröffentlichung verklagen zu wollen.
Auch innerhalb Israels ist die Sache weiterhin umstritten. Der frühere Ministerpräsident Naftali Bennett erklärte öffentlich, der Kern des Haaretz-Berichts sei wahr, nannte allerdings nicht die Grundlage für diese Aussage.
Gadi Eisenkot äußerte sich später differenzierter. Nach seinen eigenen Nachprüfungen sei eine Warnung aus einem sehr hochrangigen, vertrauenswürdigen Umfeld beim Büro des Ministerpräsidenten angekommen. Ob diese tatsächlich von bin Zayed persönlich in einem Telefonat mit Netanyahu übermittelt wurde, könne er dagegen nicht bestätigen.
Genau diese Unterscheidung wird durch die neue Aussage aus Abu Dhabi noch wichtiger. Es sind zwei verschiedene Fragen: Gab es vor dem 7. Oktober Informationen aus den Emiraten über eine mögliche größere Hamas-Operation? Und erhielt Netanyahu diese Informationen persönlich von Mohammed bin Zayed?
Die neue Stellungnahme richtet sich vor allem gegen die zweite Behauptung.
Dass vor dem Massaker verschiedene Warnsignale existierten, steht unabhängig davon außer Frage. Auch aus Ägypten wurden Informationen übermittelt, wonach Hamas etwas Größeres vorbereiten könnte. Der Schin Bet erhielt Warnungen, und innerhalb der israelischen Sicherheitsbehörden bestanden Erkenntnisse über Hamas-Pläne und ungewöhnliche Aktivitäten. Welche Informationen wann bei welcher Stelle ankamen und wie sie bewertet wurden, ist bis heute Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen.
haOlam hatte die Entwicklung bereits mehrfach aufgegriffen: zunächst die Haaretz-Behauptung eines persönlichen Warnanrufs, danach die Zweifel aufgrund widersprüchlicher Aussagen aus Washington und schließlich weitere Angaben über Warnungen aus Vermittlerkanälen vor Sinwars Plänen.
Die jüngste Erklärung aus Abu Dhabi ist deshalb keine Nebensächlichkeit. Sie trifft genau den bislang spektakulärsten Teil der ursprünglichen Geschichte: die Behauptung, ein arabischer Staatschef habe Netanyahu persönlich rund zehn Tage vor dem 7. Oktober vor einem großen Angriff gewarnt.
Ob damit endgültig geklärt ist, was damals zwischen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen und Abu Dhabi kommuniziert wurde, lässt sich derzeit nicht sagen. Fest steht lediglich: Die offizielle Linie aus den Emiraten steht nun deutlich näher an Netanyahus Darstellung als die erste Reaktion Abu Dhabis und im direkten Widerspruch zu dem emiratischen Informanten, der das angebliche Telefonat zuvor bestätigt hatte.
Autor: Redaktion
Dienstag, 22 September 2026