Katz nennt Erdogan „Papiersultan“ und warnt: „Leg dich nicht mit Israel an“Katz nennt Erdogan „Papiersultan“ und warnt: „Leg dich nicht mit Israel an“
Der türkische Präsident nutzt die UN-Generalversammlung erneut für scharfe Angriffe auf Israel und bezeichnet Gaza als „Konzentrationslager“. Israels Verteidigungsminister Israel Katz antwortet ebenso scharf und verweist auf Erdogans Nähe zur Hamas sowie einen Widerspruch zwischen Ankaras Großmachtanspruch und seinem Verhalten gegenüber den Huthi-Angriffen.

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Zwischen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und der Türkei verschärft sich der Ton weiter. Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat Recep Tayyip Erdogan nach dessen Rede vor der UN-Generalversammlung als „Papiersultan“ bezeichnet und ihm vorgeworfen, die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen politisch zu umarmen und finanziell zu unterstützen.
Katz reagierte damit auf Erdogans Auftritt in New York. Der türkische Präsident hatte Israel erneut massiv angegriffen und die Lage im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen als „das unmenschlichste und beschämendste KonzentrationslagerShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen unserer Zeit“ bezeichnet. Zugleich forderte er Staaten, die einen palästinensischen Staat bislang nicht anerkennen, zum Kurswechsel auf und verlangte stärkeren internationalen Druck auf Israel. Israel weist den von Ankara regelmäßig erhobenen Vorwurf eines Völkermords zurück.
Katz bezeichnete Erdogans Rede als antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen und aufstachelnd. Seine Antwort zielte dabei nicht nur auf die Wortwahl des türkischen Präsidenten, sondern auf einen grundsätzlichen Widerspruch, den Israel seit Jahren in Ankaras Nahostpolitik sieht.
„Der Mann, der die Mörder und Vergewaltiger der Hamas umarmt und finanziert, beschuldigt Israel, sich gegen eine Terrororganisation zu verteidigen“, schrieb Katz. Anschließend folgte der Satz, der in Israel schnell die Schlagzeilen bestimmte: Erdogan könne große Reden halten und von der Wiederherstellung des Osmanischen Reiches träumen, wenn es aber darauf ankomme zu handeln, sei er lediglich ein „Papiersultan“.
Die Behauptung, Erdogan persönlich finanziere die Hamas, ist eine politische Anschuldigung von Katz und sollte auch als solche bezeichnet werden. Belegt ist allerdings, dass die Türkei seit Jahren ein wichtiger Standort für Hamas-Strukturen und Finanznetzwerke ist. Das US-Finanzministerium dokumentiert in seiner Terrorismusfinanzierungsanalyse für 2026 Organisationen und Finanzstrukturen mit Sitz in der Türkei, die der Hamas Geld verschafft haben sollen. Im Juli sanktionierte Washington zudem ein türkisches Unternehmen, das nach Angaben des US-Finanzministeriums Hunderttausende Dollar für die Terrororganisation transferiert hatte.
Auch frühere US-Sanktionen richteten sich gegen in der Türkei tätige Hamas-Finanzfunktionäre. Washington beschrieb unter anderem Zaher Jabarin als Leiter des Hamas-Finanzbüros, der ein Netzwerk in der Türkei aufgebaut habe, um Geld für die Organisation zu beschaffen, zu investieren und zu waschen.
Erdogan selbst lehnt die Einstufung der Hamas als Terrororganisation weiterhin ab und hat sie wiederholt als „Widerstandsgruppe“ bezeichnet. Ankara unterhält offene Kontakte zu führenden Hamas-Funktionären. Diese politische Nähe ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Hamas in der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft ist.
Katz trifft Erdogan an seinem neuen Großmachtprojekt
Besonders gezielt war der zweite Teil von Katz' Angriff.
Er verwies auf das sogenannte Mecca Joint Defence Agreement, das Erdogan erst Anfang August gemeinsam mit Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman und dem pakistanischen Regierungschef Shehbaz Sharif unterzeichnet hatte.
Das Abkommen enthält eine weitreichende Beistandsklausel: Ein bewaffneter Angriff auf eines der drei Länder soll als Angriff auf alle drei gelten. Erdogan selbst verglich die Grundidee anschließend ausdrücklich mit Artikel 5 der NATO. Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan könnten sich im Angriffsfall gegenseitig verteidigen, erklärte der türkische Präsident.
Das Bündnis ist für Ankara mehr als ein gewöhnliches Verteidigungsabkommen. Die drei Staaten haben inzwischen eine gemeinsame strategische und militärische Struktur eingerichtet, einschließlich eines Sekretariats in Saudi-Arabien sowie einer engeren Zusammenarbeit bei Rüstung, Ausbildung und militärischer Technologie.
Genau hier setzte Katz an.
Als die HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen zuletzt Saudi-Arabien mit Raketen angriffen, sei Erdogan verschwunden, statt den von ihm selbst verkündeten Beistand zu leisten, erklärte der israelische Verteidigungsminister sinngemäß. Noch wenige Tage zuvor hatte die türkische Regierung erklärt, Ankara sei grundsätzlich bereit, Saudi-Arabien im Rahmen des neuen Paktes bei seinen militärischen Bedürfnissen zu unterstützen.
Katz wollte damit offenbar Erdogans Anspruch treffen, die Türkei wieder als führende Macht der muslimischen Welt zu positionieren. Der Vorwurf lautet: Ankara inszeniere sich mit großen Bündnissen und historischen Ambitionen, scheue aber vor den Konsequenzen zurück, wenn diese Bündnisse tatsächlich militärische Verpflichtungen erzeugen.
Dann wurde Katz noch deutlicher.
Israel sei stark und könne sich selbst verteidigen, schrieb er. Erdogan solle aufhören, sich mit Israel anzulegen. Israel sei nicht mit den Kurden oder anderen Gruppen vergleichbar, die Erdogan nach Katz' Worten innerhalb der Türkei unterdrücke.
Damit geht der Schlagabtausch weit über Gaza hinaus.
Ankara und Jerusalem geraten auf immer mehr Feldern aneinander
Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei sind inzwischen nicht nur wegen Gaza belastet. In Syrien überschneiden sich Sicherheitsinteressen beider Staaten zunehmend. Im östlichen Mittelmeer treffen türkische maritime Ansprüche auf die enger werdende Zusammenarbeit Israels mit Griechenland und Zypern. Gleichzeitig versucht Ankara, mit Saudi-Arabien und Pakistan eine eigene regionale Sicherheitsarchitektur aufzubauen.
haOlam hatte Anfang September bereits über diese Entwicklung berichtet. Türkische Kriegsschiffe operieren zunehmend in Räumen, in denen auch israelische Sicherheitsinteressen berührt werden. Parallel versucht Ankara, seinen Einfluss in Syrien auszubauen. Israel wiederum will verhindern, dass türkische Militärstrukturen seine Bewegungsfreiheit gegenüber Bedrohungen aus Syrien und dem Iran einschränken.
Hinzu kommt die Hamas-Frage.
Erst Anfang September hatte haOlam ausführlich dokumentiert, wie eng Ankara weiterhin mit der politischen Führung der Terrororganisation verbunden ist. Der türkische Außenminister Hakan Fidan empfing Ende Juli Hamas-Chef Khalil al-Hayya in Ankara und gratulierte ihm zu dessen neuer Funktion. Gleichzeitig dokumentieren amerikanische Behörden weiterhin Hamas-Finanzstrukturen auf türkischem Boden.
Vor diesem Hintergrund ist Katz' Reaktion mehr als die übliche persönliche Beleidigung zwischen zwei Politikern.
Erdogans UN-Rede zeigt erneut seinen Anspruch, Israel international unter massiven moralischen Druck zu setzen. Der Vergleich Gazas mit einem Konzentrationslager ist dabei besonders aufgeladen. Gerade gegenüber dem jüdischen Staat besitzt dieser Begriff eine historische Dimension, die weit über gewöhnliche Kritik an israelischer Kriegführung hinausgeht.
Katz antwortet darauf nicht diplomatisch.
Er stellt Erdogan als Politiker dar, der Israel moralisch verurteilt, während seine Regierung Hamas politisch aufwertet und die Türkei weiterhin ein bedeutender Standort für Hamas-nahe Finanz- und Organisationsstrukturen ist.
Ob die Bezeichnung „Papiersultan“ internationale Diplomatie voranbringt, ist eine andere Frage.
Der politische Kern des Streits lässt sich dagegen kaum übersehen: Ankara will seinen Einfluss im Nahen Osten ausweiten, Israel sieht gleichzeitig immer mehr türkische Aktivitäten unmittelbar an seinen Sicherheitsinteressen ankommen.
Aus dem langjährigen rhetorischen Konflikt zwischen Erdogan und Israel wird damit zunehmend ein strategischer.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 24 September 2026