Abraham-Abkommen melden sich zurück: Israel und arabische Partner sitzen nach fast drei Jahren wieder gemeinsam am TischAbraham-Abkommen melden sich zurück: Israel und arabische Partner sitzen nach fast drei Jahren wieder gemeinsam am Tisch
Erstmals seit Januar 2023 beraten Israel, USA, Emirate, Bahrain und Marokko wieder gemeinsam. Mit Kasachstan sitzt bereits der nächste muslimische Staat am Tisch.

Bildnachweis: The White House /
QuelleFast drei Jahre lang waren die Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen als multilaterales Projekt weitgehend eingefroren. Der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Überfall vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen, der Krieg in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, die Kämpfe mit der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und schließlich der Konflikt mit Iran hatten die regionale Normalisierungspolitik in den Hintergrund gedrängt. Nun trafen sich Vertreter Israels, der Vereinigten Staaten, der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrains und Marokkos in New York erstmals seit Januar 2023 wieder zu einer offiziellen gemeinsamen Runde. Mit dabei war erstmals auch Kasachstan.
Das Treffen fand während der UN-Generalversammlung statt, allerdings abseits des großen diplomatischen Schaulaufens. Für die USA führte Unterstaatssekretärin Allison Hooker die Delegation. Sie bezeichnete das Zusammentreffen ausdrücklich als Zeichen dafür, dass die Abraham-Abkommen nach den Jahren seit dem 7. Oktober wieder vorankommen. Auch die Trump-Regierung misst dem Projekt offenbar erneut hohe Priorität bei: Ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte CBS News, sowohl Außenminister Marco Rubio als auch Trumps Sondergesandter Steve Witkoff trieben die Wiederbelebung und Erweiterung der Abkommen voran.
Diesmal ging es allerdings nicht nur darum, welcher Staat als nächstes diplomatische Beziehungen zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen aufnehmen könnte. Die Teilnehmer diskutierten über praktische Zusammenarbeit bei Technologie, Handel und Investitionen, Energie, Wasser- und Ernährungssicherheit sowie strategischer und sicherheitspolitischer Kooperation. N7-Gründer Jeffrey Talpins beschrieb die nächste Phase entsprechend als Vertiefung bereits bestehender Beziehungen und Suche nach konkreten Projekten, bei denen die beteiligten Staaten gemeinsam mehr erreichen können.
Kasachstan erweitert das Modell über den Nahen Osten hinaus
Die auffälligste Neuerung saß bereits mit am Tisch. Kasachstan ist ein mehrheitlich muslimisches Land in Zentralasien und unterhält seit Jahrzehnten diplomatische Beziehungen zu Israel. Der Schritt in die Abraham-Abkommen schafft daher nicht erstmals Beziehungen zwischen beiden Staaten, erweitert aber den politischen Rahmen erheblich: Aus einer ursprünglich vor allem arabisch-israelischen Normalisierungsinitiative könnte zunehmend ein größeres Netzwerk muslimischer Staaten mit Israel werden.
Dabei ist der formale Status Kasachstans etwas genauer, als es manche Berichte darstellen. Das kasachische Außenministerium hat den Beitritt bereits öffentlich erklärt und bezeichnet ihn als Teil einer „ausgewogenen, konstruktiven und friedlichen Außenpolitik“. Gleichzeitig hält Astana an seiner Unterstützung einer Zwei-Staaten-Lösung fest. CBS berichtet jedoch weiterhin von den noch ausstehenden Schritten zur Formalisierung der Zusammenarbeit. Das bedeutet: Die politische Entscheidung ist gefallen, während die praktische und institutionelle Eingliederung in das Format weiterläuft.
Kasachische Vertreter nannten bereits konkrete Interessen: Technologie und Verkehr gehören zu den Feldern, in denen Astana eine engere Zusammenarbeit sucht. Damit verschiebt sich der Charakter der Abraham-Abkommen weiter. Sie sollen nicht nur diplomatische Anerkennung organisieren, sondern Staaten über gemeinsame wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen miteinander verbinden.
Für Israel ist gerade diese Entwicklung bemerkenswert. Hamas wollte mit dem 7. Oktober nicht nur Israelis ermorden und verschleppen, sondern löste zugleich einen Krieg aus, der die damals laufende regionale Annäherung abrupt stoppte. Vor dem Angriff liefen bereits intensive Bemühungen, Saudi-Arabien in einen Normalisierungsprozess mit Israel einzubeziehen. Dieser Schwung brach danach weitgehend zusammen. Das New Yorker Treffen zeigt nun zumindest, dass die bestehenden Partner die Struktur nicht aufgegeben haben und Washington erneut versucht, sie auszubauen.
Aus Verträgen soll ein regionales Netzwerk werden
Die ersten Abraham-Abkommen wurden 2020 unter Vermittlung der Trump-Regierung geschlossen. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain normalisierten ihre Beziehungen zu Israel, später folgte Marokko. Der entscheidende Bruch mit jahrzehntelanger Nahost-Diplomatie bestand darin, dass diese Staaten Beziehungen zu Israel nicht länger von einer vorherigen endgültigen Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts abhängig machten.
Das New Yorker Treffen setzt genau dort an, geht aber einen Schritt weiter. Die N7 Foundation spricht ausdrücklich davon, aus den bestehenden Abkommen dauerhafte Mechanismen strategischer regionaler Zusammenarbeit zu entwickeln. Statt einzelner bilateraler Verträge soll langfristig ein Netzwerk entstehen, in dem Israel, arabische Staaten, weitere muslimische Länder und die USA bei gemeinsamen Interessen zusammenarbeiten.
haOlam hatte bereits Anfang September über amerikanische Überlegungen berichtet, Israel stärker in das Zentrum einer neuen regionalen Ordnung einzubinden. Wenige Tage später folgten Berichte über mögliche weitere Kandidaten für die Abraham-Abkommen. Das Treffen in New York ist noch kein Beweis dafür, dass nun kurzfristig eine ganze Reihe weiterer Staaten folgen wird. Es zeigt aber, dass die politische Infrastruktur dafür wieder aktiviert wird.
Besonders deutlich formulierte es Hooker: Fast drei Jahre nach dem 7. Oktober seien die Staaten der Abraham-Abkommen „wieder zusammen“. Das ist zunächst eine diplomatische Feststellung. Nach Jahren, in denen fast jede regionale Initiative vom Krieg bestimmt wurde, ist sie zugleich ein Hinweis darauf, dass Washington und seine Partner versuchen, den Blick wieder über Gaza hinaus auf eine längerfristige Ordnung der Region zu richten.
Ob daraus tatsächlich weitere Normalisierungsabkommen entstehen, bleibt offen. Aber erstmals seit Jahren sitzen die bestehenden Partner wieder gemeinsam am Tisch, diskutieren konkrete Projekte und haben bereits einen neuen muslimischen Staat in die Runde aufgenommen. Die Abraham-Abkommen waren nach dem 7. Oktober ausgebremst. Beendet waren sie offenbar nicht.
Autor: Redaktion
Samstag, 26 September 2026