Saudi-Arabien sucht Schutz vor Irans Huthis und Israel kann liefern, was Riads neue Bündnisse nicht leistenSaudi-Arabien sucht Schutz vor Irans Huthis und Israel kann liefern, was Riads neue Bündnisse nicht leisten
Trump verweigert Luftschläge, Türkei und Pakistan bleiben bei begrenzter Hilfe. Während Raketen Riad erreichen und Ölwege unter Druck geraten, wächst ausgerechnet Israels Wert als Sicherheitspartner.

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Mohammed bin Salman hat Geld, moderne Kampfflugzeuge und gleich mehrere internationale Partner. Was Saudi-Arabiens Kronprinz derzeit jedoch schmerzhaft erfährt: Bündnisse auf Papier sind nicht dasselbe wie ein Verbündeter, der tatsächlich bereit ist, gemeinsam gegen eine militärische Bedrohung vorzugehen. Die vom Iran unterstützten HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terroristen legen genau diesen Unterschied offen. Anfang September bat bin Salman Donald Trump mindestens zweimal um amerikanische Angriffe gegen die HuthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen. Trump lehnte ab und bot stattdessen Geheimdienstinformationen und Unterstützung bei der Zielerfassung an. Wenige Tage später standen amerikanische Flugzeuge offenbar bereits mit ausgewählten Zielen und geladenen Bomben bereit, bevor der Einsatz kurzfristig gestoppt wurde.
Dabei hatte Riad versucht, sich gerade gegen eine solche Abhängigkeit abzusichern. 2023 näherte sich Saudi-Arabien unter chinesischer Vermittlung wieder Teheran an. Parallel vertiefte das Königreich Beziehungen zu China, Russland, der Türkei und Pakistan. Am 7. August 2026 folgte in Mekka sogar ein gemeinsames Verteidigungsabkommen mit Ankara und Islamabad: Ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten soll als Angriff auf alle gelten.
Nun fallen tatsächlich Raketen und Drohnen, und der Unterschied zwischen Vertrag und militärischer Realität wird sichtbar. Großbritannien stellte zeitweise ein Tankflugzeug zur Unterstützung saudischer Verteidigungsoperationen bereit. Ankara bot technische Hilfe an, Pakistan bekundete Unterstützung. Doch weder türkische noch pakistanische Streitkräfte führen deshalb Krieg gegen die Huthis. Die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post fasst das Dilemma treffend zusammen: Riad hat viele Freunde, die an seiner Seite stehen wollen. Deutlich weniger wollen für Saudi-Arabien kämpfen.
Irans Stellvertreter treffen Saudi-Arabiens empfindlichste Stelle
Die Huthis müssen Saudi-Arabien nicht militärisch besiegen. Es genügt, dauerhaft Unsicherheit zu erzeugen. Am 19. September feuerten sie eine ballistische Rakete auf Riad; gleichzeitig wurden weitere Angriffe auf saudische Ziele gemeldet. Nahe dem internationalen Flughafen war eine große Rauchwolke zu sehen. Saudi-Arabien meldete die Abwehr mehrerer Angriffe, die Huthis reklamierten zusätzlich Attacken auf Energieanlagen für sich.
Noch empfindlicher ist die saudische Ölversorgung. Die rund 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline wurde geschaffen, damit das Königreich im Krisenfall die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen umgehen und Öl zum Rotmeerhafen Yanbu transportieren kann. Nach Drohnenangriffen vom 11. September musste sie stillgelegt werden. Drei Pumpstationen wurden beschädigt. Erst am 22. September begann der Betrieb wieder mit reduzierter Leistung; zuvor liefen rund vier Millionen Barrel täglich über diese Route, etwa vier Prozent des weltweiten Angebots. Eine vollständige Wiederherstellung könnte sechs bis acht Wochen dauern.
Doch selbst diese Umgehungsroute endet am Roten Meer. Genau dort haben die Huthis ihre Macht entlang der jemenitischen Küste und am Bab al-Mandab ausgeweitet. Damit gerät Saudi-Arabien geographisch in eine Zange: Im Osten bleibt Hormus durch den Konflikt mit Iran verwundbar, im Westen bedroht Irans wichtigster verbliebener arabischer Stellvertreter den Seeweg vom saudischen Exporthafen Yanbu Richtung Suezkanal. haOlam hatte auf diese Entwicklung bereits hingewiesen, als die Huthis Mocha und strategische Positionen am Bab al-Mandab unter Druck setzten.
Für bin Salmans „Vision 2030“ ist das mehr als ein militärisches Problem. Der gesamte Umbau Saudi-Arabiens soll internationale Investoren, Touristen und Unternehmen davon überzeugen, dass das Königreich berechenbar und dauerhaft stabil geworden ist. Raketenalarm über Riad, Angriffe auf Ölinfrastruktur und bedrohte Schifffahrtswege sind dafür denkbar schlechte Werbung. Genau darin liegt die asymmetrische Stärke der Huthis: Sie müssen keine saudische Armee schlagen. Schon die glaubwürdige Gefahr eines Angriffs verteuert Versicherungen, verlängert Transportwege und beschädigt das Bild eines sicheren Wirtschaftsstandorts.
Und plötzlich besitzt Israel genau das, was Riad benötigt
Aus israelischer Sicht entsteht daraus eine bemerkenswerte Überschneidung der Interessen. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen verfügt über jahrelange Erfahrung bei der Aufklärung iranischer Stellvertreter, der Erkennung von Raketen- und Drohnenstarts, Luftverteidigung und der Verbindung von Geheimdienstinformationen mit weitreichenden militärischen Operationen.
Diese Zusammenarbeit ist nicht mehr nur theoretisch. Mitte September bestätigten regionale Diplomaten Gespräche zwischen Israel und Saudi-Arabien unter Vermittlung des amerikanischen CENTCOM. Dabei ging es um israelische Geheimdiensthilfe gegen die Huthis. Israel sollte Riad dabei helfen, die Positionen der Huthi-Kräfte und mögliche weitere Operationen besser zu erfassen.
Das ist politisch bemerkenswert: Saudi-Arabien unterhält weiterhin keine diplomatischen Beziehungen zu Israel. Gleichzeitig benötigt es ausgerechnet Fähigkeiten, die Jerusalem in jahrelangen Kämpfen gegen Iran, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und Huthis aufgebaut hat. Ein regionales Sicherheitsnetz muss deshalb nicht zwingend mit Botschaften, Flaggen und gemeinsamen Pressekonferenzen beginnen. Es kann mit einer Warnmeldung beginnen, die rechtzeitig eintrifft, einem gemeinsam erstellten Lagebild oder einem Abfangsystem, das eine Rakete vom Himmel holt.
Daraus folgt allerdings nicht automatisch eine saudisch-israelische Normalisierung. Riad hält offiziell daran fest, diplomatische Beziehungen zu Israel an Fortschritte in Richtung eines palästinensischen Staates auf Grundlage der Linien von 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt zu knüpfen. Zudem zeigen Umfragen weiterhin eine sehr starke Ablehnung normaler Beziehungen zu Israel innerhalb der saudischen Bevölkerung.
Genau darin liegt die interessante Verschiebung: Saudi-Arabien kann politisch Distanz zu Israel halten und gleichzeitig feststellen, dass Israels militärische und geheimdienstliche Fähigkeiten in einer konkreten Krise wertvoller sein können als mancher feierlich unterzeichnete Verteidigungspakt.
Die Huthis haben damit unbeabsichtigt etwas sichtbar gemacht, worauf Israel seit Jahren verweist: Iran und seine Stellvertreter bedrohen nicht nur Israel. Sie bedrohen zugleich die Stabilität jener arabischen Staaten, die ebenfalls zwischen Hormus, dem Roten Meer und iranischen Raketen leben.
Bin Salman hat seine außenpolitischen Versicherungen breit gestreut. Die vergangenen Wochen zeigen nun, welche davon tatsächlich zahlen, wenn es ernst wird.
Autor: Redaktion
Samstag, 26 September 2026