Katar erklärt Netanyahu zum Friedenshindernis doch im selben Interview holt Doha die Hamas-Finanzierung ein

Katar erklärt Netanyahu zum Friedenshindernis doch im selben Interview holt Doha die Hamas-Finanzierung ein


Katars Premier wirft Netanyahu vor, den Gaza-Plan aus Eigeninteresse zu sabotieren. Doch CNN konfrontiert ihn mit Hamas’ Waffen und Berichten über umgeleitete katarische Millionen.

Katar erklärt Netanyahu zum Friedenshindernis doch im selben Interview holt Doha die Hamas-Finanzierung ein
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Katars Premierminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani hat Benjamin Netanyahu zum zentralen Hindernis für den GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Friedensplan erklärt. Im CNN-Interview mit Christiane Amanpour behauptete er, Israels Regierung erfülle ihre Verpflichtungen aus dem Abkommen von Scharm el-Scheich nicht, halte weiterhin mehr als 70 Prozent des Gazastreifens und lasse täglich deutlich weniger Hilfslastwagen hinein als vereinbart. Ursache sei aus seiner Sicht vor allem Netanyahus persönliches und politisches Interesse.

Das ist eine schwere Anschuldigung. Sie lässt allerdings einen entscheidenden Teil des aktuellen Gaza-Problems fast vollständig aus dem Bild: HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen ist noch immer bewaffnet. Selbst Amanpour hielt Al Thani entgegen, dass die Terrororganisation mit der Entwaffnung bislang nicht begonnen habe. Der aktuelle UN-Bericht zur Umsetzung des Gaza-Plans bestätigt genau das. Hamas und andere bewaffnete Gruppen seien weiterhin nicht entwaffnet, die vorgesehene Übergangsverwaltung könne ihre Aufgaben im Gazastreifen noch nicht übernehmen und die internationale Stabilisierungstruppe sei noch nicht stationiert.

Damit wird Al Thanis Darstellung zumindest unvollständig. Der amerikanisch unterstützte Plan sieht nicht einfach einen israelischen Rückzug unabhängig von der Sicherheitslage vor. Die Entwaffnung der Hamas, die Übergabe ihrer Tunnel und Waffen sowie ihr Ausscheiden aus der Herrschaft gehören ausdrücklich zum vorgesehenen Prozess. Noch vor wenigen Wochen erklärten Vertreter des Board of Peace, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen solle erst entsprechend der Umsetzung dieser Sicherheitsbedingungen weiter zurückweichen.

Dann fragt Amanpour nach dem katarischen Geld

Der unbequemste Moment des Interviews kam jedoch unmittelbar danach. Amanpour konfrontierte Al Thani mit einer Recherche von Ronen Bergman und Yuval Rubovitch. Danach sollen Shin Bet, Militärgeheimdienst und ägyptische Stellen Netanyahu seit 2019 davor gewarnt haben, dass katarische Gelder nicht vollständig im zivilen Bereich blieben, sondern teilweise in den militärischen Arm der Hamas umgeleitet würden.

Nach den in der Recherche zitierten Geheimdienstbewertungen sollen zeitweise etwa vier Millionen Dollar monatlich aus den offiziell genehmigten Gaza-Zahlungen in die Izz-ad-Din-al-Qassam-Brigaden geflossen sein. Bei einem damaligen Jahresbudget des militärischen Arms von geschätzt 70 bis 100 Millionen Dollar hätte dies einen erheblichen Anteil ausgemacht. Ein weiteres Geheimdienstdokument schätzte den Anteil auf rund 40 Prozent. Zusätzlich soll ein zweiter, verdeckter Finanzierungskanal aus Katar direkt zum militärischen Arm der Hamas identifiziert worden sein. Katar und Netanyahus Büro weisen diese Berichte entschieden zurück.

Al Thani reagierte zunächst mit der Frage, ob es sich um Netanyahus Behauptung handle. Amanpour widersprach ausdrücklich: Es gehe um unabhängige Recherchen israelischer Journalisten. Daraufhin erklärte der Premier, kein einziger katarischer Dollar sei ohne Zustimmung Israels und der Vereinten Nationen nach Gaza geflossen. Die Gelder hätten Gas für Kraftwerke, Zahlungen an arme Familien und Gehälter ziviler Regierungsangestellter finanziert. Kein Geld sei absichtlich oder unabsichtlich an den militärischen Flügel der Hamas gelangt.

Ein Teil dieser Verteidigung ist unstrittig: Israel hat die katarischen Zahlungen über Jahre genehmigt und teilweise ausdrücklich gefördert. Das entlastet die damalige israelische Politik nicht. Netanyahu und andere Regierungen setzten auf die Idee, wirtschaftliche Stabilisierung könne Hamas ruhig halten. Diese Strategie erwies sich spätestens am 7. Oktober als katastrophale Fehleinschätzung. Die Frage, ob Hamas Geld aus den genehmigten zivilen Töpfen abzweigte oder daneben verdeckte katarische Kanäle existierten, ist davon jedoch eine andere. Dass Israel einen Transfer genehmigte, beweist nicht automatisch, dass dessen tatsächliche Verwendung vollständig kontrolliert wurde.

Genau darin liegt der Schwachpunkt in Al Thanis Verteidigung. Doha argumentiert im Kern: Israel wusste von den Zahlungen, also kann Katar Hamas nicht finanziert haben. Die neue Recherche behauptet aber gerade, dass israelische Sicherheitsstellen vor einer Zweckentfremdung warnten und zugleich einen zusätzlichen verdeckten Kanal vermuteten. Diese Vorwürfe sind bislang nicht gerichtlich bewiesen, aber sie verschwinden auch nicht dadurch, dass Israel die offiziell deklarierten Hilfstransfers genehmigt hatte.

Katar selbst weist die Vorwürfe als politisch motivierte Kampagne zurück. In einer offiziellen Erklärung erklärte Doha wenige Tage zuvor, niemals Hamas finanziert zu haben; sämtliche Hilfen seien mit Israel und internationalen Organisationen koordiniert worden.

Friedensstifter, Geldgeber, Vermittler – und immer mitten im Konflikt

Al Thani stellte Katar im CNN-Interview schließlich als jenen Staat dar, der in nahezu jeder regionalen Krise versuche, Eskalation zu verhindern. Genau dieses Selbstbild begleitet Doha seit Jahren: Vermittler zwischen Israel und Hamas, Gesprächskanal zu Iran, Partner der USA und zugleich Gastgeber hochrangiger Hamas-Funktionäre.

haOlam hatte bereits 2025 über Katars Dementis im Qatargate-Komplex berichtet. Damals wies Doha Vorwürfe zurück, über israelische Berater Einfluss auf die öffentliche Debatte genommen zu haben. Die Affäre ist inzwischen jedoch weiterhin Gegenstand israelischer Strafverfahren; die Polizei hat die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft übergeben, Vorwürfe gegen mehrere Personen aus Netanyahus Umfeld bleiben dabei ausdrücklich Vorwürfe und keine rechtskräftigen Feststellungen.

Auch diesmal ist die Sache komplizierter als die einfache Rollenverteilung, die Al Thani anbietet. Netanyahu und frühere israelische Regierungen müssen sich für die jahrelange Politik gegenüber katarischem Geld nach Gaza erklären. Gleichzeitig muss Katar beantworten, ob seine Hilfen tatsächlich vollständig dort landeten, wo Doha behauptet, und welche Kenntnisse es über mögliche Umleitungen hatte.

Vor allem aber kann man den derzeitigen Stillstand in Gaza nicht ausschließlich einem israelischen Ministerpräsidenten zuschreiben, solange Hamas weiterhin bewaffnet ist und zentrale Sicherheitsbedingungen des Friedensplans nicht erfüllt sind.

Al Thani wollte Netanyahu zum größten Hindernis für den Frieden erklären.

Das CNN-Interview zeigte ausgerechnet dabei, dass die Geschichte deutlich unbequemer ist – auch für Katar.




Autor: Redaktion
Sonntag, 27 September 2026

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