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Name freigegeben: Gaza-Geheimdienstchef wies Warnung vor Hamas-Angriff als „völlig imaginär“ zurück

Name freigegeben: Gaza-Geheimdienstchef wies Warnung vor Hamas-Angriff als „völlig imaginär“ zurück


Israels Oberstes Gericht hat die Veröffentlichung des Namens eines zentralen Nachrichtendienstoffiziers vom 7. Oktober erlaubt. Oberstleutnant Aryeh Amidror war Geheimdienstchef der Gaza-Division. Ausgerechnet er soll Warnungen vor einem Angriff nach dem bekannten Hamas-Plan „Jericho Wall“ zurückgewiesen haben.

Name freigegeben: Gaza-Geheimdienstchef wies Warnung vor Hamas-Angriff als „völlig imaginär“ zurück
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Mehr als drei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen bekommt einer der bislang nur mit einem Buchstaben bezeichneten Verantwortlichen des israelischen Nachrichtendienstes einen Namen. Israels Oberstes Gericht hat entschieden, dass veröffentlicht werden darf, dass Oberstleutnant Aryeh Amidror am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen Geheimdienstoffizier der GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Division war.

Das Gericht entschied damit nicht über Amidrors persönliche Schuld am Versagen vor dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Angriff. Es entschied über die Frage, ob seine Identität weiterhin geheim bleiben durfte. Gerichtspräsident Isaac Amit verwies dabei auf das erhebliche öffentliche Interesse an der Identität eines Offiziers, der während eines der schwersten Ereignisse in der Geschichte Israels eine zentrale Nachrichtendienstfunktion innehatte.

Amidrors Name ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil seine Position unmittelbar mit einer der bedrückendsten Fragen des 7. Oktober verbunden ist: Warum wurden konkrete Warnungen vor genau jenem Angriffsszenario nicht ernst genommen, das Hamas schließlich nahezu vollständig umsetzte

Im Zentrum steht der israelisch als „Jericho Wall“ bezeichnete Angriffsplan der Hamas. Israelische Nachrichtendienste hatten bereits lange vor dem Massaker detaillierte Unterlagen über einen groß angelegten Angriff erhalten. Der Plan sah unter anderem die Überwindung der Grenzanlagen, Angriffe aus der Luft und vom Boden, die Einnahme israelischer Militärstellungen sowie das Eindringen in israelische Ortschaften vor.

Es war kein vager Hinweis auf eine mögliche Eskalation. Wesentliche Elemente dessen, was Hamas am 7. Oktober 2023 tatsächlich tat, waren darin bereits beschrieben. Frühere israelische Recherchen zeigten zudem, dass das Dokument innerhalb des Sicherheitsapparates deutlich weiter verbreitet war, als zunächst angenommen worden war.

Die Warnung, die nicht in das Weltbild passte

Besonders belastend ist die Geschichte einer Unteroffizierin der Eliteeinheit 8200, die in israelischen Medien weiterhin als „W.“ bezeichnet wird.

Sie hatte das Hamas-Material ausgewertet und zunehmend Hinweise darauf erkannt, dass es sich nicht lediglich um einen theoretischen Plan handelte. Nach den inzwischen veröffentlichten Berichten warnte sie, Hamas könne das Szenario tatsächlich umsetzen.

Ihre Einschätzung traf jedoch auf ein Nachrichtendienstsystem, das weiterhin davon ausging, Hamas sei an einem großen Krieg nicht interessiert und könne einen solchen Angriff nicht erfolgreich durchführen.

Amidror soll ihre Warnungen ausdrücklich zurückgewiesen haben.

Als W. darauf hinwies, dass sie Anzeichen dafür sehe, Hamas bereite den bekannten Angriffsplan tatsächlich vor, bezeichnete der damalige Geheimdienstchef der Gaza-Division das Szenario nach den veröffentlichten Berichten als „völlig imaginär“.

Ende September 2023 meldete sich die Unteroffizierin erneut. Sie hatte weitere ungewöhnliche Aktivitäten der Hamas erkannt und versuchte abermals, die Verantwortlichen der Gaza-Division zu alarmieren.

Doch auch jetzt wurde die Gefahr nicht als unmittelbar eingeschätzt. Amidror soll entschieden haben, die Angelegenheit nach dem jüdischen Laubhüttenfest Sukkot weiter zu besprechen.

Dazu kam es nicht mehr.

Am Morgen des 7. Oktober durchbrachen Hamas und weitere palästinensische Terroristen die Grenze, griffen israelische Ortschaften und Militärstützpunkte an, ermordeten rund 1.200 Menschen und verschleppten mehr als 250 Geiseln in den Gazastreifen.

Der angeblich unrealistische Plan war Realität geworden.

haOlam hat in den vergangenen Wochen mehrfach über die immer länger werdende Liste von Warnsignalen vor dem 7. Oktober berichtet. Dazu gehörten Hamas-Übungen, der bekannte „Jericho Wall“-Plan, Warnungen von Beobachtungssoldatinnen, Hinweise auf eine mögliche große Entführungsoperation und weitere Informationen aus unterschiedlichen Kanälen.

Die entscheidende Erkenntnis wird damit immer deutlicher: IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen scheiterte nicht daran, dass überhaupt keine Informationen vorhanden waren. Vielmehr wurden vorhandene Informationen immer wieder in ein bereits bestehendes Weltbild eingeordnet, nach dem Hamas weder fähig noch bereit sei, einen solchen Krieg zu beginnen.

Die IDF selbst spricht von einem systemischen Versagen

Das ist inzwischen keine bloße Medieninterpretation mehr.

Die IDF hat das Scheitern in ihren eigenen Untersuchungen außergewöhnlich deutlich beschrieben. In einer offiziellen Zusammenfassung vom November 2025 erklärte die Armee, der militärische Nachrichtendienst habe seine Aufgabe nicht erfüllt, eine Warnung vor dem Krieg zu liefern.

Auch die Gaza-Division wird ausdrücklich genannt.

Sie habe keine ausreichenden Prozesse entwickelt, um Veränderungen beim Gegner zu erkennen, sich nicht dauerhaft und systematisch mit „Jericho Wall“ beschäftigt und in der Nacht vor dem Angriff trotz vorhandener Informationen weder eine angemessene Lagebeurteilung vorgenommen noch die Alarmstufe ausreichend erhöht.IDF

Die Verantwortung wurde später auch personell konkretisiert.

Am 23. November 2025 entschied Generalstabschef Eyal Zamir über Konsequenzen für mehrere hochrangige Offiziere. Der damals noch anonym als Oberstleutnant A. bezeichnete Geheimdienstoffizier der Gaza-Division wurde dabei ausdrücklich als einer jener Offiziere aufgeführt, die aufgrund ihrer Funktion am 7. Oktober Führungsverantwortung trugen.

Zamir ordnete ein sofortiges Verfahren zur Beendigung seines Dienstes an. Im September 2026 bestätigte die Armee schließlich Amidrors Ausscheiden aus dem Militärdienst.

Dass der Name jetzt veröffentlicht werden darf, verändert die grundsätzliche Bewertung des 7. Oktober nicht. Aber es beendet einen Teil jener Anonymität, hinter der sich die Aufarbeitung des Versagens lange abgespielt hat.

Dabei wäre es zu einfach, die Katastrophe auf einen einzigen Offizier zu reduzieren.

Auch die offiziellen IDF-Untersuchungen beschreiben ein tiefes und über Jahre gewachsenes systemisches Versagen. Verantwortliche auf mehreren Ebenen hielten an einer Grundannahme fest, nach der Hamas abgeschreckt sei. Warnungen wurden deshalb nicht isoliert übersehen, sondern immer wieder durch dieselbe falsche Vorstellung bewertet.

Gerade deshalb ist Amidrors Fall so bedeutend.

Die Unteroffizierin der Einheit 8200 musste den Hamas-Plan nicht erst erraten. Israel kannte ihn.

Sie musste auch nicht nur vor einer abstrakten Möglichkeit warnen. Sie meldete Veränderungen, die ihrer Einschätzung nach darauf hindeuteten, dass Hamas den Plan operationalisierte.

Die Katastrophe bestand darin, dass diese Warnung auf eine Führung traf, die das Szenario weiterhin für praktisch ausgeschlossen hielt.

Die Veröffentlichung des Namens beantwortet deshalb nicht die große Frage des 7. Oktober.

Sie macht sie persönlicher.

Wie konnte aus detaillierten Geheimdienstinformationen, einem bekannten Angriffsplan und wiederholten Warnungen am Ende trotzdem die größte Sicherheitskatastrophe in der Geschichte Israels werden

Darauf schuldet der israelische Staat seinen Bürgern weiterhin eine vollständige Antwort.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 01 Oktober 2026

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